26.08.2017

AST barrierefrei unterwegs

AST barrierefrei unterwegs

Lippstadt. (-ger) Mobilitätseingeschränkte Menschen in der Stadt, die einen Elektrorollstuhl nutzen, können jetzt auch in einem AnrufSammelTaxi befördert werden. Ab Freitag, 1. September, wird das sogenannte AST barrierefrei unterwegs sein. Zu verdanken ist diese neue Leistung einer privaten Initiative, für die sich auch die Behinderteninitiative Lippstadt stark gemacht hat.
Ingrid Sander, deren Ehemann auf einen Rollstuhl angewiesen ist, gab den entscheidenden Impuls. Die BiL nahm die Anregung dankbar auf. „Mobilität ist für Behinderte das A und O“, stellte deren Sprecher, Christian Hövermann, bei der Vorstellung des Service am Bustreff in Lippstadt fest. Für die Menschen mit eingeschränkter Mobilität – allein 700 in der Stadt sind außergewöhnlich gehbehindert – bedeutet ein rollstuhlgerechtes AST natürlich mehr Freiheit, denn dieses spezielle Taxi ist eben auch dann unterwegs, wenn in der Nacht nicht mehr fahren. Und anders als jeder Bus bringt das AST den Fahrgast direkt vor die Haustür. Die Abfahrt erfolgt ab den AST-Haltestellen und zusätzlich in einigen Wohngebieten. Die Nutzung ist für alle gleich und unkompliziert: Spätestens 30 Minuten vor der gewünschten Fahrt muss das AnrufSammelTaxi unter der Rufnummer (0 29 41)1 23 48 geordert werden. Wer mit einem Rollstuhl unterwegs ist, sollte dies bei der Anmeldung gleich mitteilen, damit auch das richtige Fahrzeug vorfährt. Mit dem speziell umgerüsteten Fahrzeug werden nicht nur Rollstuhlfahrer unterwegs sein. Insgesamt stehen vier normale Sitzplätze sowie ein Rollstuhlplatz zur Verfügung. Der behinderte Gast wird vom Fahrer über eine Rampe in das Fahrzeug befördert und hier mehrfach über Gurte gesichert. Das Lippstädter Taxiunternehmen Roli erhält für die Anschaffung der Fahrzeuge mit Sonderausstattung keine finanzielle Förderung, sondern greift dafür selbst in die Tasche, erläuterte Geschäftsführer Andreas Ressel. 12.000 Euro investierte das Unternehmen in die Spezialausstattung. Das AST gibt es in Lippstadt seit 23 Jahren. Die Busgesellschaft Ruhr-Lippe (RLG) setzte damit einen Wunsch der Stadt um. Die Kommune lässt sich dieses Angebot jedes Jahr 25.000 Euro kosten. Die Leistung kommt an. Immerhin wurden im vergangenen Jahr bei 2.500 Fahrten 3.200 Fahrgäste befördert. Für die Ruhr-Lippe, so Verkehrsmanager Udo Spiekermann, „ist das AST neben den normalen Bussen, die alle eine Rollstuhlrampe haben, ein weiterer Mosaikstein für die benutzerfreundliche Gestaltung des Nahverkehrs“. Zufrieden zeigte sich auch Fachdienstleiter Thorsten Schmidt, bei der Stadt zuständig für Sicherheit und Ordnung. „Beim AST-Verkehr handelt es sich um eine freiwillige Zusatzleistung der Stadt, und die soll natürlich allen Menschen, mit oder ohne Handicap, zur Verfügung stehen. Die ungehinderte Benutzung sämtlicher Verkehrsmittel ist eine wichtige Vorgabe, die wir gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen schrittweise in die Realität umsetzen.“ Verkehrsmanager Spiekermann wies an dieser Stelle auf die jüngsten Anstrengungen der Stadt hin, die Haltestellen attraktiver und für mobilitätseingeschränkte Menschen zugänglicher zu machen. Mit den Umbauten soll noch nicht Schluss sein, deutete der RLG-Sprecher einen neuen Vorstoß an. Die Kommune konnte bei der Umgestaltung der Haltestellen auf eine komfortable Förderung zurückgreifen.

Das Angebot der barrierefreien Mobilität bedeutet für den auf einen Rolli angewiesenen Behinderten nicht nur eine größere Freiheit, es kann auch eine große finanzielle Entlastung sein. Denn anders als bei einem gewöhnlichen Taxi entfällt hier schon die hohe Anfahrtsgebühr von 12,80 Euro. Wie die Initiatorin des barierefreien AST schilderte, kommen bislang für eine Fahrt von Lipperode nach Bad Waldliesborn hin und zurück um die 80 Euro zusammen. Künftig zahlt ein freifahrtberechtigter Schwerbehinderter für jede Tour nur 3,60 Euro, also für diesen beschriebenen Ausflug 7,20 Euro. Die Begleitperson fährt kostenfrei mit. Von der City aus sind die AnrufSammelTaxen montags bis samstags drei Mal ab 20, 22 und 0 Uhr unterwegs, an Sonn- und Feiertagen zusätzlich um 16 und 18 Uhr; aus den Ortsteilen fahren die Taxen zu unterschiedlichen Zeiten.
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