26.08.2017

Heute würde Luther twittern

Lippstadt. Wie es Luther schaffte, seiner „Reformation" der katholischen Lehre im deutschsprachigen Europa in kürzester Zeit eine ungeheure Wirkkraft zu verleihen, welche Marketing-Strategie und welche Marketing-Instrumente er zur Verbreitung und Durchsetzung einsetzte, erläutert der Kulturwissenschaftler Dr. Rüdiger Krüger in einem Vortrag am Mittwoch, 6. September um 19 Uhr in der VHS Lippstadt, der unterhaltsam das Leben und Wirken des Reformators beleuchtet. Unbestritten, die Wirkkraft Luthers und seiner Vorstellung vom Diesseits und Jenseits wirkt nicht nur in der Religion, sondern auch im kapitalistischen Wirtschaftssystem bis heute fort.
Dabei hat der große Reformator, dessen „Thesenanschlag" sich im Spätherbst zum 500. Mal jährt, gar kein großes Buch, keine systematische Lehre, keine wegweisende Auslegung der Bibel geschaffen, wie seine Mitstreiter und Antipoden Zwingli und Calvin, letzterer vor allem in der Institutio Christianae religionis. Anschließend wird Pastorin Lilo Peters in die Ausstellung „#HereIstand" (http://www.here-i-stand.com) - Martin Luther, die Reformation und die Folgen“ einführen. Mit Hilfe moderner Infografiken zeigt und erklärt die Ausstellung die wichtigsten Stationen der Reformationsgeschichte und ihre Auswirkungen bis heute. Ausgehend von der Biographie Martin Luthers wird ein Blick in die Lebensumwelt der Menschen vor der Reformation geworfen. „Jugendliche und Erwachsene, Einsteiger und fortgeschrittene Kenner der Reformationsgeschichte werden gleichermaßen angesprochen“, stellt Pastorin Peters anerkennend fest. Die Ausstellung richtet ihren Fokus auf die reformatorische Dynamik, die sich nach Luthers Veröffentlichung der 95 Thesen entspann. Sie behandelt zentrale Fragen der Reformationsgeschichte. Was war das Neue an Luthers Theologie? Was geschah in Wittenberg 1517? Wie verbreitete sich die neue Lehre? Die Zeit zwischen 1520 und 1530 war eine Zeit des Umbruchs, auch für die Geschlechterrollen. Dass auch Frauen in der Reformation ihre Rolle spielten, wird heute oft vergessen. Ein weiterer Fokus der Ausstellung behandelt die Ausbreitung des Protestantismus in den USA. Nicht zuletzt wird die Frage geklärt, was der Bürgerrechtler Martin Luther King mit seinem Namensvetter, dem deutschen Reformator Martin Luther gemeinsam hat. Die Reformation war eine Medienrevolution. Heute ermöglicht das Internet völlig neue Arten der Kommunikation. Martin Luther nutzte im 16. Jahrhundert geschickt das neue Medium seiner Zeit: den Buchdruck. Heute würde Luther twittern. Darum wurden im Zusammenhang mit der Ausstellung verschiedene Social Media Kanäle eingerichtet. Willkommen sind Posts unter dem Hashtag #HereIstand. Neue Wege beschreitet #Here I stand nicht nur mit dieser einzigartigen Kombination aus Digital- und Downloadausstellung, sondern insbesondere auch mit einem außergewöhnlichen Zusatzangebot: Als besonderes Highlight enthält die Ausstellung auch 3D-eingescannte Museumsobjekte, die heruntergeladen und im 3D-Drucker ausgedruckt werden können. Und schließlich steht noch für die Posterausstellung „#Here I stand“ zusätzlich eine kostenlose App (die Poster-Rallye „Lutherbound“) zur Verfügung, mit der Kinder und Jugendliche spielerisch eine Rallye auf Deutsch oder Englisch durch die Plakate machen können. Mit den Mitteln des Storytellings kommt Martin Luther selbst zu Wort und stellt das Wissen der Spieler in unterhaltsamer Weise auf die Probe. Die Antworten zu den Fragen sind auf den Postern zu finden. „Die ansprechende und zeitgemäße Präsentation wird auch formal dem ursprünglichen Anliegen der Reformation gerecht: die Botschaft für alle verständlich durch Nutzung der jeweils neuesten Medien zu transportieren“, findet Lilo Peters besonders bemerkenswert. Weitere Informationen und Anmeldung unter http://www.vhs-lippstadt.de
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