11.11.2017

Fragen trotz Höchstkonjunktur

Lippstadt.(-ger) Die Unternehmen laufen mit Höchstdrehzahl. Ein Beschäftigungsrekord schlägt den nächsten, und auch die Zahl der Betriebsstätten steigt ständig. Nach der jüngsten Statistik war am 30. September 2016 mit 34.437 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ein neues Allzeithoch erreicht. Mit Ausnahme von zwei Stichtagen in 2014 und 2016 haben die Beschäftigtenzahlen seit 2010 stetig zugelegt. Darauf hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFL) in ihrem Lagebricht für das Geschäftsjahr hingewiesen, der am Montag dem Haupt- und Finanzausschuss vorgelegt wurde. Die Betriebsstätten erhöhten sich zum Stichtag auf 1.624. Nach den im Januar vom Landesbetrieb Information und Technik veröffentlichten Daten zum Pendleratlas in NRW gab es zum 30. Juni 2015 als Summe von innergemeindlichen Pendlern und Einpendlern aus anderen Städten 43.508 Erwerbstätige am Arbeitsort Lippstadt.

Alles gut? SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Joachim Kayser hat vor dem Hintergrund dieser wirtschaftlichen Entwicklung, der weiter zunehmenden Gewerbe- und Einkommensteuer, aber auch der Verknappung von Gewerbe- und Wohnbauflächen, auf gegenläufige Tendenzen für Arbeitnehmer hingewiesen. Etwa die Armutsgefährdung von Berufstätigen, die Zunahme unsicherer Jobs, die hohen Fehlzeiten der Leiharbeiter wegen Erkrankungen, die stark wachsende Zahl von Nebenbeschäftigungen von Menschen mit Hauptberuf, die Zunahme von befristeten Arbeitsverhältnissen, die häufiger werdenden Verstöße beim Mindestlohn, der Mangel an Facharbeitern und die hohe Zahl der Beschäftigten auf Abruf. Kayser wünscht von der WFL Auskunft über die lokalen Strukturen. Auch möchte er von der Wirtschaftsförderung eine Einschätzung darüber erhalten, wie sich der Arbeitsmarkt vor Ort weiter entwickelt.

Die WFL hat ihre zentralen Handlungsfelder in der Bestandspflege und Bestandsentwicklung, der Aus-/Weiterbildung, Fachkräftesicherung, Existenzgründungsförderung sowie der Unterstützung des Einzelstandortes. Als Querschnittsthemen werden das Standortmarketing, örtliche und regionale Netzwerke sowie die Projektentwicklung betrachtet. Diese Aufgaben hat die WFL in der „Strategie 2015+“ beschrieben, mit der die städtische Tochtergesellschaft erstmals 2016 über ein komplettes Jahr gearbeitet hat. Diese Konzeption habe sich als „sehr praktikabel“ herausgestellt, lassen die Geschäftsführer Dr. Ingo Lübben und Stadtkämmerin Karin Rodeheger in ihrem Bericht wissen. Er lässt auch die Schwierigkeiten erkennen, die bei Neuansiedlungen oder Erweiterungsabsichten für die WFL auftreten. So wird die „Diskrepanz zwischen dem Bedarf vieler Betriebe nach Grundstücken bis zu einer Größe von ca. 2.000 qm und den verfügbaren städtischen Grundstücken mit einer Tiefe von in der Regel 95 Meter weiter verschärft“. Zur Vermittlung kleinerer Einheiten rückten daher in allen Gewerbegebieten Baulücken und Nachnutzungen von Bestandsimmobilien noch stärker in den Fokus, erklärt die WFL-Spitze.

Den Bericht legte die WFL im Rahmen des Jahresabschlusses für 2016 vor. Er weist einen Überschuss von 399.000 Euro aus, das sind 4.000 Euro mehr als geplant und 60.500 Euro mehr als im Vorjahr. Die Verbesserungen resultieren maßgeblich aus gesunkenen Werbe- und Veranstaltungskosten, Beratungskosten und einem verbesserte Finanzergebnis. Von dem Gewinn fließen der Alleingesellschafterin Stadt 100.200 Euro zu, der Rest von 298.800 Euro wird auf neue Rechnung vorgetragen. Wie in den Vorjahren ist das Ergebnis maßgeblich geprägt von den Erträgen aus der Beteiligung an der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWL). Die Dividende lag unverändert bei 813.700 Euro. Der Betrag soll einerseits den Liquiditätsbedarf der Wirtschaftsförderung decken und damit eine Belastung für die Alleingesellschafterin Stadt abwenden, andererseits die Stadt über eine Gewinnausschüttung der WFL in die Lage versetzen, den städtischen Anteil am Verlustausgleich für das Technologiezentrum Cartec zu tragen. Bereinigt um Erträge und Zinsaufwand aus der GWL-Beteiligung hätte sich ein Fehlbetrag von 187.340 Euro ergeben. Das ist der niedrigste Wert seit 2007.
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