25.11.2017

Sanierung vor letzten Hürden

Lippstadt. (-ger) Die Betonsanierung für das Stadttheater wird wohl bei allen Bauchschmerzen beim ein oder anderen durchgewunken, ob sich der Rat aber zu einer ganz neuen Bestuhlung im großen Haus durchringt, das ist noch nicht entschieden. Klar ist aber, dass es für die angedachte Hubbühne zum unteren Foyer keine Zustimmung geben wird.
Selbst für KWL-Chefin Carmen Harms ist diese Lösung „im Ergebnis nicht zielführend“, wie sie am Mittwochabend im Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss feststellte. Das würde die Rechnung immerhin um 110.000 Euro verringern. Kein aberwitzig dicker Posten angesichts bevorstehender Ausgaben von aktuell 15,722 Mio. Euro, aber sie kämen sogar noch oben drauf. Ebenso wie die Betonsanierung für 500.000 Euro und Mehrkosten für eine komplett neue Saalbestuhlung von 380.000 Euro. Nach der eigens eingesetzten Baukommission sollte der Fachausschuss den Rahmen für die aufwendige Runderneuerung des Musentempels setzen, doch daraus wurde nichts. Die Genossen ziehen sich am Wochenende zur Haushaltsklausur zurück, bat Sprecher Udo Strathaus um Verständnis, und so blieb die Entscheidung über die zusätzlich aufgenommenen Positionen offen. Nach ausgiebiger Darstellung verschiedenster Aspekte der Renovierung von Jörn Potthast vom beauftragten Planungsbüro d/b/d und der zuständigen Projektbetreuerin bei der Stadt, Brigitte Schlaaff, gab es im Ausschuss dennoch wegweisende Entscheidungen. Denn das Gremium nahm die Kostenberechnung mit nunmehr 15,772 Mio. Euro zur Kenntnis und gab damit grünes Licht für die Erarbeitung der weiteren Leistungsphasen und die Umsetzung der Sanierung. Die abschließende Meinungsbildung wird im Haupt- und Finanzausschuss am 4. Dezember zu erkennen sein, wenn die SPD Stellung bezieht.

Zwingend ist nichts von dem teuren Dreiklang aus Betonsanierung, neuer Bestuhlung und Hubbühne, doch beim Abwägen knirscht es am Kiefer. Die Arbeiten, die sich nach umfangreicher bauwerksdiagnostischer Untersuchung aufdrängen, sollen direkt ausgeführt werden. Etwa am Dach. Diese Kosten sind auch bereits eingerechnet. Alle weiteren Schadstellen müssen nicht unbedingt jetzt beseitigt werden, fallen aber mittelfristig in fünf bis sieben Jahren an. Dann wird daraus ein Muss, zeigte Fachbereichsleiter Heinrich Horstmann in seiner Vorlage für den Ausschuss auf. Im runderneuerten Haus nach wenigen Jahren wieder mit dem Reißen beginnen? Die Fachleute meldeten Zweifel an diesem Verfahren an. Und auch in der Politik scheint sich die Stimmung deutlich zugunsten einer kompletten Sanierung zu bewegen. Wenn da nicht die halbe Million zusätzlich wäre. „So, wie das aussieht, hält das noch länger“, meinte Franz Gausemeier. Aber die Einschätzung der Experten wirkte nach. Ressortchef Horstmann machte unmissverständlich deutlich, dass der Prozess der Schädigung nicht stilhalte, sondern fortschreite. „Das Schadensbild bleibt nicht so stehen. Der Aufwand wird damit größer.“ Damit konnte es niemand mehr im Ausschuss geben, der nicht ausreichend über das informiert war, was da in wenigen Jahren droht: noch höhere Kosten. Berthold Niehage von den Grünen war deshalb sofort dabei: „Jetzt ist der Zeitpunkt, später haben wir ein neues Haus.“

Obwohl es keiner Entscheidung bedurfte, wurde der Ausschlag des Meinungspendels erkennbar. Was über die Bestuhlung nicht gesagt werden kann. Nagelneue Sitzreihen, die obendrein mehr Komfort durch höhere Beinfreiheit bringen sollen, kosten. Wird lediglich die Mechanik der Stühle aufgearbeitet, rechnet die Verwaltung mit Ausgaben von 190.400 Euro, werden ganz neue beschafft, sollen 571.000 Euro fällig werden. Die vorhandene Saalbestuhlung stammt aus der Errichtungszeit und ist somit 45 Jahre alt. Sie wurde vor 18 Jahren neu bezogen. Während der Sanierungsphase müssen die Stühle ausgebaut, verpackt und in einer angemieteten Halle zwischengelagert werden. Darunter werden die Stühle leiden, gab Gunter Gerd Köhler (CDU) zu bedenken, der noch mit einem anderen Argument für eine Erneuerung eintrat: Die große Mehrheit der Theaterbesucher merke ohne eine neue Bestuhlung gar nicht, was in und an dem Gebäude gemacht worden sei. Auch wenn sich diese Äußerung als kein zugkräftiger Gedanke erwies, tastete sich der Ausschuss an den neuen Kostenbock heran. Köhler schlug vor, nach günstigeren Angeboten zu recherchieren und hart zu verhandeln. 714 Euro pro Sessel seien zu viel. Die Verwaltung schraube die Ausgaben nicht künstlich hoch, unterstrich Fachbereichsleiter Horstmann. „Die Preise liegen schon in diesem Bereich“, bekräftigte er. Projektsteuerin Brigitte Schlaaff zeigte deutlich die Nachteile einer bloßen Renovierung der Mechanik auf, ließ aber auch durchblicken, dass bei den Preisen womöglich nicht das letzte Wort gesprochen sein muss. 100 bis 150 Euro je Sitzgelegenheit seien drin, meinte sie. Lipperodes Ortsvorsteher Otto Brand (SPD) schob die Diskussion in eine ganz neue Richtung. „Wir kommen an Summen ran, das ist schon gewaltig“, hob er an. Seine Idee dahinter: Sponsoring versuchen. Das sei schließlich für die Dresdner Frauenkirche auch gelaufen. „Wir haben so viele gut gehende Firmen, dass das möglich sein müsste“, unterstützte Parteikollege Strathaus diesen Vorstoß. Applaus gab es dafür nicht, aber der Gedanke ist in der Welt.

Was nun genau passiert, das legt final der Rat am 11. Dezember fest. Nach dem Baubeschluss soll der Bauantrag bis zum 22. Dezember eingereicht werden. Die Schließung des Theaters ist am 1. Mai nächsten Jahres vorgesehen. Nach dem Ausräumen und der Einrüstung bis zum Juni erfolgt die Schadstoffsanierung. Die wird Ende Oktober abgeschlossen sein. Danach beginnt die technische Instandsetzung. Die wird 15 Monate in Anspruch nehmen. Im Januar 2020 soll das neue Haus fertiggestellt sein.
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