09.12.2017

Bleibt Tanke am Tropf?

Lippstadt. (-ger) Die vom Aufsichtsrat der Stadtwerke schon im April dieses Jahres gebilligte Schließung der Erdgastankstelle im Gewerbegebiet Am Wasserturm kommt noch einmal auf die Agenda. Das kündigte Aufsichtsratschef Peter Cosack (CDU) im Haupt- und Finanzausschuss an. BG-Vorsitzender Hans-Dieter Marche hatte noch einmal nachgehakt. „Allen Unkenrufen zum Trotz erhöhen sich die Zahlen nicht“, stellte Cosack fest, der nach einem vorher vereinbarten Prozedere die Nachfolge von Udo Strathaus (SPD) angetreten hat.
Am Dienstag wird sich das Kontrollgremium des städtischen Energieversorgers auf Initiative der Grünen erneut mit dem Aus für die Erdgastanke befassen. Im Aufsichtsrat war das Ende des Betriebs auf dem Gelände von Stakemeier mit Ablauf des nächsten Jahres einstimmig besiegelt worden. Seit der Ankündigung von Stadtwerke-Geschäftsführer Siegfried Müller, den Betrieb wegen dauerhaft roter Zahlen einzustellen, hatten viele Kraftfahrer mit Erdgasfahrzeug und solchen, die eines just bestellt haben oder kaufen wollen, ihren Unmut über die Pläne zum Ausdruck gebracht. Wenn die Quelle für Erdgasfahrzeuge in Lippstadt versiegt, müssen Autofahrer künftig nach Geseke oder Soest fahren, um ihre Mobilität sicherzustellen. Zuvor hatte schon die Tanke in Delbrück dichtgemacht, und auch im Hochsauerland hat sich die grüne RWE-Tochter innogy aus der Versorgung zurückgezogen. „Es ist die Aufgabe eines Geschäftsführers, Verluste vom Geschäft fernzuhalten“, macht der Stadtwerke-Chef im Gespräch mit LaS eine klare Ansage. Die vor zehn Jahren im Gewerbegebiet eröffnete Tankstelle „hat noch nie eine schwarze Zahl geschrieben“. Dabei waren die Investitionen nicht ohne. Etwa 200.000 Euro hat die CNG-Station gekostet. Die ist im Grunde eine Verdichterstation, die das Gas mit anfänglich 700 Millibar auf 240 bar Druck zusammenpresst. Über diese technisch anspruchsvolle Anlage hinaus fielen für die Zapfanlage von Stakemeier Kosten von 35.000 Euro an. In dem Joint-venture mit dem Tankstellenbetreiber übernimmt Stakemeier auch das Abrechnungssystem. Viel zu tun gab und gibt es nicht. Etwa 100 Fahrzeuge steuern die Tanke an. Das jährliche Defizit für die Stadtwerke beziffert Müller auf 15.000 bis 20.000 Euro inklusive Abschreibung und Personalaufwand. Die nächste Investition ist sicher. Nach zehn Jahren steht eine Druckbehälterprüfung an. Der Stadtwerke-Chef erwartet Ausgaben im niedrigen fünfstelligen Bereich. „Wir rechnen mit 20.000 Euro“, sagt Müller. Unter gleichen Bedingungen erwartet er „auch in den nächsten zehn Jahren keine schwarze Null“. Grund: „Im Moment wird die E-Mobilität gepuscht.“ Dennoch ist es auch aus Sicht des Stadtwerke-Bosses „denkbar, dass das Ding bleibt“. Allerdings stellt sich für ihn die Frage, „wo ist die Grenze für die Projekte, die negativ sind, die wir mitmachen sollen?“. Eindeutige Sache für Müller: „Für mich ist das ein Verlustbringer.“ Gleichwohl schlagen auch bei dem Versorger zwei Herzen in der Brust. Einerseits möchte er die Interessen der Bürger berücksichtigen, andererseits steht er im Wettbewerb. Und die Stadt als Mutter möchte in jedem Jahr einen hohen Scheck von dem Unternehmen, um den Haushalt zu entlasten. Am liebsten jedes Jahr einen höheren. Zurzeit kostet das Kilo Erdgas 99 Cent. Dieser Preis müsse um 20 Prozent steigen, nennt Müller eine Hausnummer. Vielleicht wäre auch eine Verlustobergrenze ein zu diskutierender Vorschlag, schließlich zahlt jeder Stadtwerke-Kunde für den Betrieb, obwohl er gar kein Erdgas-Auto fährt. An der Effizienz dieser Fahrzeuge ist nicht zu zweifeln. Aufgrund des höchsten Energiegehaltes fährt ein Erdgas-Fahrzeug im Vergleich zu einem Benziner oder sogar Diesel mit der gleichen Menge Kraftstoff deutlich weiter. Laut Hersteller legt ein Opel Zafira (Stand März 2017) bei „Sprit“-Kosten von 20 Euro 394 Kilometer zurück, ein Diesel 332 km. Weit abgeschlagen der Benziner, der schon nach 223 Kilometer nachgetankt werden muss. Die Stadtwerke selbst haben vier Pkw mit Erdgasbetrieb in ihrem Fuhrpark. „Wir hatten auch schon zwei Bullis im Einsatz, die haben wir aber nach zwei Jahren wegen ständiger Schwierigkeiten zum vollen Einkaufspreis zurückgegeben. Dieser Versuch war nicht von Erfolg gekrönt“, stellt Müller fest. Im Hauptausschuss hielt Christian Prahl (CDL) die Zurückhaltung der öffentlichen Hand, ganz gleich ob Stadtwerke, Stadt oder Busunternehmen, bei der Umrüstung auf Erdgas-Fahrzeuge für ein „großes Versäumnis“. Aus Sicht des Stadtwerke-Chefs ist nun die Politik am Zug, um die Zukunft der Erdgastanke zu beschließen. Wegducken kann sich keiner. Aus wirtschaftlicher Perspektive liegen alle Fakten auf dem Tisch.
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