13.01.2018

Enormes Potenzial

Lippstadt.(-ich) Mannigfaltige Möglichkeiten eröffnen sich Bauwilligen mit der Erschließung des Baugebietes „Auf dem Rode“ am nördlichen Stadtrand. Der Gebiet des Bebauungsplans Nr. 324, das von großzügigen Grünachsen durchzogen werden soll, bietet Raum für rund 180 Wohneinheiten.

Ausgangslage für die Überlegungen zur Erschließung diese voraussichtlich letzten großen Baugebietes in den Stadtgrenzen, dessen Bebauungsplan bis zum Jahresende satzungsreife erlagen soll, waren die Ergebnisse der Wohnbauflächenbedarfsprognose aus dem Jahr 2016. Die Kernergebnisse der Studie lauten: Bis 2025 hat die Stadt Lippstadt einen Wohnbauflächenbedarf von 71 Hektar brutto, es besteht ein stark ausgeprägter kurzfristiger Wohnungsbedarf bis 2020 und es gilt, familienorientierte Wohnformen und Wohnangebote mit kleineren Wohnungen parallel zu entwickeln. Aufgrund des starken kurzfristigen Bedarfes sollen zentrale Wohnbaugebiete zeitnah entwickelt werden, erläuterten Heinrich Horstmann, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Bauen, Björn Bühlmeier, Fachdienstleiter Stadtplanung und Umweltschutz, und André Stadermann, Fachdienst Stadtplanung, im Gespräch mit LaS. Ein wesentlicher Baustein ist dabei die Erweiterung der nördlichen Kernstadt im Bereich zwischen Gorch-Fock-Straße und Triftweg. Dieser Bereich steht als wesentlicher Standort für die Siedlungsentwicklung schon länger zur Diskussion und soll in zwei Bauabschnitten entwickelt werden, stellte Horstmann fest. Der erste Bauabschnitt erstreckt sich bis zum Bastertgraben und der zweite nördlich davon.

Die im ersten Bauabschnitt liegenden Flurstücke befinden sich im Eigentum der Stadt sowie die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Lippstadt (GWL) und sind damit für die Errichtung des Wohngebietes gesichert. Die Entwicklung des Baugebiet soll die GWL übernehmen.
Hinsichtlich der (wohn)baulichen Struktur werden die Typologien im direkten Umfeld aufgegriffen und fortgeführt. So sollen im Anschlussbereich an die Gorch-Fock-Straße Mehrfamilienhäuser und Reihenhäuser mit zwei und drei Geschossen entstehen.
Diese Struktur setzt sich Richtung Westen fort und führt zum grünen Herzen des Areals, das gleichzeitig Kommunikationsmittelpunkt sein soll. Der zentrale Platz mit Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten wird von einer Mehrfamilienhaus- beziehungsweise Kettenhausbebauung eingefasst. Die weiteren Bereiche des ersten Bauabschnitts sind durch Einzelhaus- und Doppelhausbebauung im Einfamilienhaussegment geprägt. Somit sind familienorientierte Bauformen mit eigenem Garten die dominierende Bauform, welche ergänzt werden um Mehrfamilienhaustypen. Hierdurch könne dem differenzierten Wohnbedarf in Lippstadt, aber auch der angrenzenden Städtebaustruktur Rechnung getragen werden. Gegliedert wird das Baugebiet mit offenen Strukturen von Grünachsen, die die heutigen Entwässerungsgräben, die das Gebiet von Nord nach Süd und von West nach Ost durchziehen, aufnehmen. Das Rückhaltevolum in den Gräben mache zusätzliche Regenrückhaltebecken in dem künftigen Baugebiet überflüssig, erläuterte Fachdienstleiter Bühlmeier. Der Grünanteil im ersten Bauabschnitt wird mit einem Volumen von 21 Prozent überdurchschnittlich hoch sein. Im zweiten Bauabschnitt, in dem weitere rund 50 Wohneinheiten realisiert werden können, sollen die Strukturen des Baugebietes „Goethestraße Nord“ aufgegriffen werden.

Das Erschließungsraster erlaubt es nach Abgaben der Fachleute, bei sich verändernden Bedürfnissen zu reagieren und durch abgewandelte Grundstückszuschnitte die Anteile der jeweiligen Bautypen zu variieren. Insbesondere für den zweiten Bauabschnitt gelte es, ein an den dann vorhandenen Bedarf angepasstes Angebot zu schaffen.
Die variablen Gestaltungsmöglichkeiten für die Grundstücke sollen möglichst viele Ansprüche erfüllen, stellte Fachbereichsleiter Horstmann heraus. Das klassische Einfamilienhaus werde aber überwiegen.
Im Bereich Nord-West des ersten Bauabschnittes, so Bühlmeier, sind kleine Grundstücke geplant, die bis an die Grenzen bebaut werden können. Dies bedeute flächensparenderes Wohnen und geringere Kosten. Das Interesse an dieser Bauform will die Verwaltung aber noch abfragen. „Alles in allen wollen wir in reibungsloser Absprache mit der GWL verschiedene Wohntypen entwickeln, um möglichst viele Zielgruppen anzusprechen“, sagte Horstmann.

In einem ersten Bürgergespräch zu dem Bebauungsplan (ein weitere öffentliche Anhörung soll folgen) und in direkten Kontakt zu der Bauverhaltung haben nach Angaben von Horstmann Anlieger Befürchtungen hinsichtlich des absehbaren Baustellenverkehrs geäußert. Diese Situation entstehe jedoch immer, wenn ein neues Gebiet erschlossen wird, stellt Horstmann sachlich fest. Zusammen mit den betroffenen Bürgern will die Verwaltung nach seinen Worten eine gute Lösung suchen und mit den Bürgern über den Baustellenverkehr diskutieren. Der Fachdienst Stadtplanung sei weiterhin offen und bereit zu Gesprächen, um Lösungsmöglichkeiten zu finden. Keinesfalls wolle man das Bauleitverfahren, das sich noch in einem frühen Stadium befindet, „durchpeitschen“. Im Rahmen der öffentlichen Auslegung, die noch stattfinden muss, können zudem Anregungen vorgebracht werden. Zahlreich vorgebrachte Anregungen fließen demnach derzeit bereits in die Überlegungen ein.

Bedenken, die Straßen im Bereich des Bebauungsplanes 324 können Schleichverkehre anziehen, will Fachdienstleiter Björn Bühlmeier keinesfalls gelten lassen. Durch die Straßenstrukturen, in die auch sogenannte „Widerstände“ eingebaut würden, könnten Schleichverkehre weitgehend ausgeschlossen werden. Mit Hilfe der „Widerstände“, die den Verkehr verlangsamen, sollen die Straßen als Schleichweg uninteressant werden.

In Anbetracht der weiterhin enorm hohen Nachfrage nach Bauland stellt Horstmann auch mit Blick auf den noch nicht neu aufgestellten Flächennutzungsplan fest, dass zwischen 2004 und 2015 etwa gleich viel Bauland (74 Hektar) ausgewiesen und erschlossen wurde, wie im neuen Flächennutzungsplan ausgewiesen werden soll (71 Hektar). Damit setze sich die Entwicklung kontinuierlich fort. Von den 74 Hektar wurden 39 ha in der Kernstadt und 35 ha in den Ortsteilen erschlossen. Allein im Ortsteil Lipperbruch wurden zwischen 2014 und 2017 auf dem ehemaligen Kasernengelände etwa 100 Grundstücke bebaut.
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