27.01.2018

Lärmschutz wiegt schwer

Lippstadt. (-ger) Es gibt kniffligere Projekte als die Umgestaltung von Schulhöfen, sollte man glauben, aber der Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss rang in gemeinsamer Sitzung mit dem Schul- und Kulturausschuss am Dienstagabend in der Mensa des Realschulzentrums am Dusternweg bald eineinhalb Stunden um ein Vorhaben, das beide Schulen lieber heute als morgen abwickeln würden. Am Ende gab es für die Verwaltung aber lediglich eine Art Vorratsbeschluss, der erst nach der Beantwortung noch einzureichender Fragen aus den Ausschüssen im Rat am 19. Februar Bestand haben wird.
Dabei geht es im Kern um Details zur geschätzten Investition von immerhin rund einer Mio. Euro nur für den ersten Abschnitt und um den Neubau einer Parkanlage. Auch die vorgesehene Umzäunung und Regelungen zum Ein- und Auslass waren in den Ausschüssen Anlass zu kritischen Bemerkungen. Zusätzlich soll sich bereits der Haupt- und Finanzausschuss auf Veranlassung von Berthold Niehage, der als Nachbar des Schulgeländes unmittelbar von dem Parkplatzbau westlich der bestehenden Sporthalle betroffen ist und für die Grünen im Bauausschuss sitzt, mit den Einwänden befassen. Niehage stellt in einem Schreiben an Bürgermeister Christof Sommer fest: „Die Stadtverwaltung Lippstadt handelt in Sachen Parkplatzbau am Realschulzentrum nach eigenem Gutdünken. Aufgrund der dargestellten Sachlage ist die Baugenehmigung des Parkplatzbaues zurückzunehmen.“ Er bezweifelt die Notwendigkeit der Abstellflächen, im alltäglichen Gebrauch „sind die Parkplätze kaum genutzt“. Mit der Neugestaltung des Schulhofes für die beiden Realschulen werden 16 Einstellplätze auf dem Gelände entfallen. Um auch den insgesamt 115 Beschäftigten in den beiden Einrichtungen eine nahe Abstellmöglichkeit für ihre Fahrzeuge zu ermöglichen und die umliegenden Anliegerstraßen nicht weiter zu belasten, sollen auf einem neuen, umzäunten Parkgelände 31 Einstellplätze entstehen. „Aus unserer Sicht sind gute Gründe da“, betonte Fachbereichsleiter Heinrich Horstmann.
Gute Gründe gibt es für die Umgestaltung des Schulhofes. Die vor zwei Jahren neu gebaute Mensa und die modernen Sporthallen wollen so gar nicht zum Zustand der Außenanlagen passen. Landschaftsarchitekt Klaus Schulze vom Büro B.S.L aus Soest legte bei der Vorstellung der Pläne Mal um Mal die Finger in die Wunde und zeigte die verschiedenen Schwachstellen auf: angefangen von der ungeordneten Unterbringung der Fahrräder über die unbefriedigende Höhensituation, die eine Barrierefreiheit verhindert, und den miserablen Zustand der Bodenbeläge bis hin zur schlechten Ableitung des Regenwassers. In zwei Bauabschnitten sollen nun die Außenanlagen der Edith-Stein- und Drost-Rose-Realschule neu hergerichtet und strukturiert werden. Mit dem ersten Handlungsblock soll in diesem Jahr begonnen werden, 2021 dann der zweite Abschnitt angepackt werden. Im ersten Schritt sollen der südliche Haupteingangsbereich umgestaltet und die Radparker neu organisiert werden. Entlang des Dusternweges erhält das Schulgelände eine Einfriedung. Vorgesehen ist ein klar definierter Eingang, der auch die Pausenaufsicht erleichtern soll. Weil Vandalismus immer wieder ein Thema ist, versprechen sich nicht nur die Planer von einer zwei Meter hohen Umzäunung auch eine nachhaltige Wirkung auf ungebetene Gäste. Den Schulhof zwischen beiden Schulen möchte der Landschaftsarchitekt durch einen großzügigen Sitz- und Aufenthaltsbereich aufwerten und modern gestalten. Auch die Zugangstreppen werden auf Vordermann gebracht. Vor und gegenüber der Sporthalle wird der Bereich neu geordnet und mit zusätzlichen Tischtennisplatten ausgestattet. „Die Neugestaltung der Flächen führt zu klaren und übersichtlichen Strukturen, die zu einer ‚gefühlten‘ Schulhoferweiterung beitragen. Der noch umstrittene neue Parkplatz westlich der Sporthalle 1 befindet sich auf dem Gelände des Realschulzentrums und kann nach der Planung ausschließlich vom Dusternweg angefahren werden. Die Zufahrt der Parkplätze und die Parkplatzfläche werden durch ein Tor gesichert, das um 22 Uhr schließt. Es wird einen umlaufenden Zaun aus Metall und eine Efeu-Hecke geben. Die Schließanlage soll eine sichere Zufahrt und eine automatische Absicherung der Parkplatzanlage ermöglichen. Weil nach dem Bau der Südtangente und der Mensa Schulhofflächen verloren gegangen sind, möchte das planende Büro im Norden an die Sporthalle angrenzend eine Multifunktionsfläche einschließlich Bolztore und Basketball-Aufsatz herrichten. Auch ein Calisthenics-Sportgerät und ein Ballfangzaun gehören zu diesem ersten Schritt. Das Sportfeld steht aber unter einem Finanzierungsvorbehalt. Sollten die eingestellten Haushaltsmittel von einer Mio. Euro für dieses Bereich nicht reichen, kommt es später dran. In der zweiten Bauphase hat der Planer die Erneuerung der Außenanlagen der Edith-Stein-Realschule gelegt. Das Schulgelände soll in östlicher Richtung über die südliche Umflut durch ein „Grünes Klassenzimmer“ erweitert werden. Dann wird es an der Edith-Stein auch einen Außenaufzug geben, um Barrierefreiheit herzustellen. Im Zusammenhang mit der Wasserrahmenrichtlinie möchte die Stadt dann die weitere Umgestaltung der Südlichen Umflut angehen. Beide Schulen seien in die Planungen einbezogen worden, erklärte der zuständige Fachbereichsleiter Manfred Strieth.
Aus den Ausschüssen gab es eine Vielzahl von Nachfragen. Ob Kosten und Gesamtkosten (Michael Rüpp, Grüne, Otto Brand SPD, Dieter Holzhauer, CDL), Parkflächen und Lärm (Udo Strathaus, SPD, Winfried Sommer, Linke), Umzäunung (Dr. Yasmine Freigang, SPD): kein leichtes Geschäft für die Verwaltung an diesem Abend. Aus der Union hingegen regte sich kein Widerspruch. Wenn es nach Gunter Gerd Köhler gegangen wäre, dann hätte es ein klares Votum und das „Go“ gegeben. Nur fehlte dazu die Mehrheit. Schließlich verständigten sich die Ausschüsse – nach Anregungen der Ausschussvorsitzenden Sabine Pfeffer (SPD) und Klaus Fürstenberg (CDU) sowie Klaus Laufkötter (CDU) auf einen „Vorschlag zur Güte“, einen Fragenkatalog, der im Rat beantwortet werden soll.
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