10.03.2018

Stadt kommt mit Kita-Bau kaum noch nach

Lippstadt.(-ger) Die Stadt kommt bei der Bereitstellung von Betreuungsplätzen in Kindertageseinrichtungen kaum noch nach. Gerade ist die 39. Einrichtung mit vier Gruppen an der Von-Are-Straße im Lippstädter Norden ans Netz gegangen und die Beschlüsse zur Erweiterung von drei Einrichtungen um weitere 80 Plätze unter Dach und Fach, da halten neueste Prognosen die Planer auf Trab. Danach könnten zum 1. August 2019 nicht 80, sondern 150 Plätze fehlen. Weshalb sich der sozialpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Josef Franz, im Jugendhilfeausschuss eindeutig für Neubauten aussprach und die Überlegung, ob denn die bisherige Unterkunft der AWO-Kita Hummelnest in der früheren IBS in Bad Waldliesborn nicht länger als Bleibe für eine Betreuungsstätte genutzt werden könne. Franz drückte gleichfalls auf die Tube und erwartete schon im Sommer erste Aussagen über neue Angebotsplanungen.

An der Boschstraße im Süden der Stadt könnten statt neuer Sozialwohnungen Kita-Plätze geschaffen werden, lautete eine weitere Überlegung. Zugleich bat er die Verwaltung darum, nach Fördermöglichkeiten Ausschau zu halten. Fachbereichsleiter Manfred Strieth war sich der Eilbedürftigkeit sehr bewusst und stellte fest: „Wir müssen als Verwaltung ganz kurzfristig handeln.“ Warum das so ist, erfuhr der Ausschuss in ernüchternden Zahlen. Danach sind die einstigen Vorhersagen über die Zahl der Kinder in der Stadt längst obsolet. Und sie stimmen Jahr um Jahr immer weniger. Besonders auffällig ist der Anstieg der Kinderzahlen im letzten und vorletzten Jahr. Mit Beginn des Kindergartenjahres 2014/15 gab es 3.446 Kinder zwischen 0 und 6 Jahren in der Stadt, drei Jahre weiter waren es bereits 3.738. Die Hochrechnung zum neuen Kindergartenjahr ab 1. August geht von 3.830 Kindern aus. Für die Kinder unter drei Jahren gibt es zum neuen Kita-Jahr 524 Betreuungsplätze plus 170 Plätze in der Kindertagespflege. Wegen der deutlich gestiegenen Zahl der 0- bis zweijährigen Kinder geht die rechnerische Versorgungsquote in den Keller und erreicht nur noch 36,4 Prozent, im Vorjahr waren es 39,5 Prozent. Anders sieht das Bild bei den Kindern von drei bis sechs Jahren aus. Zumindest statistisch kann für die 1.921 Kinder dieser Altersgruppe mit 1.934 zur Verfügung stehenden Betreuungsangeboten eine Vollversorgung zugesichert werden. Damit wird der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz erfüllt. Doch es gibt Defizite. Unterdessen muss sich die Sozialverwaltung auf noch weiter steigende Kinderzahlen einstellen. Die Stadt sieht sich nicht nur mit einer erhöhten Nachfrage nach U3-Plätzen konfrontiert, sondern muss auch mit erheblichen Rückstellungen vom Schulbesuch zurechtkommen. Die erreichen nach Angaben des Ressortchefs momentan Gruppenstärke. Neuen Prognosen zufolge gibt es zum 1. August 2019 in Lippstadt 4.009 Kinder, 2021 sogar 4.081. „Die Entwicklung ist erfreulich und gewollt, aber die Zahlen zwingen nachdrücklich Handlungen ab“, betonte CDU-Sprecher Josef Franz. Fachbereichsleiter Strieth kündigte schon für die Sitzung am 13. Juni weitere Ausbauschritte an. Bei den nötigen Vorläufen hielt er es aber für weniger wahrscheinlich, dass zum Kindergartenjahr 2019/20 eine 40. Kita ihre Türen öffnet. Mit dem nächsten Kindergartenjahr wachsen die Betriebskosten um eine Mio. Euro auf dann 20,3 Mio. Euro. Nach Abzug von Landeszuweisungen, Trägeranteilen und Elternbeiträgen verbleiben bei der Stadt Nettokosten von jährlich 9,14 Mio. Euro, das sind rund 5 Prozent der gesamten Einnahmen der Stadt im laufenden Jahr.

Beschlossene Sache sind seit Mittwochabend drei Ausbauprojekte. Weitere Plätze gibt es in den Einrichtungen Johannes in der Boschstraße, St. Elisabeth in der Friedrichstraße und der Lebenshilfe in der Holzstraße. Die Kita Johannes wird um einen südlich angedockten Trakt für zusätzlich 45 Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren erweitert. Der Evangelische Kirchenkreis Soest als Träger soll einen Zuschuss zu den voraussichtlichen Investitionskosten von bis zu 1,15 Mio. Euro erhalten. Die Kindertageseinrichtung St. Elisabeth ist erst vor wenigen Jahren auf zwei Gruppen eingedampft worden, nun soll sie dauerhaft um eine dritte Betreuungsgruppe für bis zu 25 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren ausgebaut werden. Die dafür erforderlichen Investitionen der Kath. Kindertageseinrichtungen Hellweg unterstützt die Stadt mit bis 300.000 Euro. Die Lebenshilfe Lippstadt soll die notwendigen baulichen Voraussetzungen schaffen, um bis zu sechs Kinder unter drei Jahren in der Einrichtung betreuen zu können.

Zur teilweisen Refinanzierung der Ausgaben für die drei Vorhaben möchte die Kommune Bundes- und Landeszuschüsse abrufen. Der Eigenanteil könnte damit in einer Bandbreite von 180.000 bis 560.000 Euro liegen.
zurück zur Artikelübersicht