17.03.2018

Wieder 72 Kinder an Schule abgelehnt

Lippstadt.(-ger) Landesweit werden die unzureichenden Gesamtschulkapazitäten bemängelt. Nicht anders in Lippstadt. Seit ihrem Bestehen müssen regelmäßig interessierte Schüler abgelehnt werden. Für das neue Schuljahr 2018/19 lagen 188 Anmeldungen vor. Weil die Schule jährlich höchstens 116 Schüler aufnehmen darf, wird jeweils ein sogenanntes Aufnahmeverfahren durchgeführt. Dabei sind die Lippstädter und die Schüler aus umliegenden Kommunen gleichgestellt, wenn in der jeweiligen auswärtigen Stadt kein Gesamtschulangebot besteht. Im jüngsten Verfahren waren 34 auswärtige Schüler zu berücksichtigen. Wer den Zuschlag bekommt? Entscheidende Kriterien sind die Leistungsheterogenität, ein ausgewogenes Verhältnis von Jungen und Mädchen und schließlich ein Losverfahren.

Für den Sprecher der Linken im Schul- und Kulturausschuss, Klaus Marke, war die erneute Abweisung dutzender Schüler an der Gesamtschule ein gefundenes Fressen, um erneut Politik und Verwaltung zu einem raschen Handeln zu bewegen. In den acht Jahren ihres Bestehens seien inzwischen 459 Schüler abgewiesen worden, unterstrich der Vertreter. „Wie lange soll man noch warten?“, fragte er am Dienstagabend in die Runde. Für Marke gibt es nur drei Lösungen: den Bau einer zweiten Gesamtschule, die Wiedereinsetzung der Schulplanungskommission oder die Umwandlung einer Schule in eine Gesamtschule. Für die Vertreter der anderen Fraktionen und die Schulverwaltung waren das alles keine neue Feststellungen und Forderungen, im Gegenteil: Der Ausschuss hatte auf die Wortmeldungen schon gewartet. Doch auch wenn Marke Politik und Verwaltung Untätigkeit vorwarf, mit seinem Vorstoß kam er keinen Millimeter weiter. „Das ist nicht so einfach“, ging Fachbereichsleiter Manfred Strieth das komplexe Problem sachlich an und erinnerte an eine bereits vorliegende umfangreiche Stellungnahme. Um eine vorhandene Schule umzuwandeln, müsse der Nachweis über das gymnasiale Drittel erbracht werden und die Schule müsse vierzügig sein, erklärte Strieth. Da hatte Marke schon die Edith-Stein-Schule benannt. Der Schulexperte der Verwaltung wog ab: „Es gibt da viele Details, die nicht passen.“ Was nicht bedeutet, dass die Verwaltung die Entwicklung nicht aufmerksam verfolgt. Nur: „Im Moment sind die Rahmenbedingungen so, dass es nicht geht.“

Bei einer zweiten Gesamtschule müsse ein Gymnasium in der Stadt dichtgemacht werden, so Strieth. Zu berücksichtigen sei zudem, dass die Stadt nicht nur für ihre eigenen Schüler agiere, sondern diese gravierenden Veränderungen auch vor dem Hintergrund vieler auswärtiger Schüler umsetzen solle. Die an der Gesamtschule nicht zum Zuge kommenden Schüler füllten wiederum die Hauptschule und die Realschulen, wandte Ausschussvorsitzende Sabine Pfeffer (SPD) ein und betonte, dass für das erforderliche gymnasiale Drittel einfach das Potenzial fehle. „Wir haben ein sehr ausgewogenes Schulangebot in Lippstadt. Deshalb kommen ja so viele zu uns“, gab sie zu bedenken. Schon in den 1980er habe es seitens der SPD Überlegungen für eine Gesamtschule gegeben, die Umsetzung sei aber an der Bereitschaft gescheitert, eine Schule zu schließen, erinnerte der Schulexperte der CDU-Fraktion, Wilhelm Börskens. Die Drittel-Parität sei schon jetzt eine brenzlige Angelegenheit, hielt die Fachfrau der Liberalen, Dr. Gabriela Jonas-Ahrend, dem Linken Marke entgegen. Das wollte Verwaltungssprecher Strieth so aber nicht stehenlassen. Die Parität an der Gesamtschule sei hergestellt. Weil das so unspektakulär sei, stehe das auch nicht mehr in der Vorlage, rückte er dieses Bild zurecht. Das Argument der Linken, mit der Abweisung von Schülern schränke die Stadt die Chancen für die Kinder ein, konnte er Josef Niehaus (SPD) nicht überzeugen. Den Schülern stünden alle Wege noch offen. Für Klaus Laufkötter (CDU) hatte Marke eine völlig unnütze Debatte angestoßen.

Nicht schließen, sondern zusammenlegen, lautete die Idee der BG-Fraktion. Um die Aufnahmekapazitäten der Realschulen am Dusternweg zu verstetigen und Ressourcen zu sparen, hatte sich die Bürgergemeinschaft die Fusion der Edith-Stein- und Drost-Rose-Schule überlegt, wenn sich dafür personell die Gelegenheit biete, trug Jessica Münzel vor. Damit war die BG nicht neben der Spur, denn auch die Verwaltung hat bei der Bezirksregierung in Arnsberg über ein mögliches Zusammengehen beider Einrichtungen gesprochen, wie Ressortchef Strieth den Ausschuss unterrichtete. Die Schulaufsicht habe der Stadt aber davon abgeraten. Am Dusternweg würde damit eine sechs- bis siebenzügige Realschule entstehen, wahrscheinlich die größte in NRW, wurde im Ausschuss gemutmaßt. Gegen eine solche Lösung sprechen die schlanke Leitungsstruktur an den Schulen, Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung und das geringe Einsparpotenzial. Denn stellentechnische habe eine solche Fusion keine Konsequenzen, hieß es dazu. CDU-Schulexperte Börskens hielt gar nichts von der Idee. Jede Schule habe ihr eigenes Profil. Sein Befund: Die Stadt mache „mehr kaputt als heile.“ Die BG-Sprecherin verwies darauf, dass es der BG bei der Überlegung darum gegangen sei, Kontinuität in der Aufnahmekapazität herzustellen. Auslöser war die Beschlussempfehlung der Verwaltung, die Zahl der Eingangsklassen an der Drost-Rose-Realschule im nächsten Schuljahr von drei auf vier zu erhöhen. Für die Schule liegen 118 Anmeldungen vor (davon 30 von auswärtigen Schülern), im letzten Jahr waren es 121. Insgesamt ist die Zahl der Anmeldungen an den drei Realschulen in der Stadt von 233 im Vorjahr auf 244 zum neuen Schuljahr gestiegen. Mit 75 Anmeldungen (Auswärtige: 24) verzeichnet die Graf-Bernhard-Realschule in Lipperode das stärkste Wachstum; im letzten Jahr waren es 64. Für die kleinste Realschule, die Edith-Stein, gab es mit 51 Anmeldungen drei mehr als im laufenden Schuljahr. Konstant bei 37 Schülern liegt das Interesse der Schüler am Besuch der Hauptschule. Novum: Aus den umliegenden Kommunen favorisiert kein Schüler den Übergang zu dieser erweiterten Ganztagshauptschule. Nach der von der Landesregierung angekündigten Umstellung auf das G9-Abitur hat das städtische Ostendorf-Gymnasium das größte Interesse gefunden. Nach 75 Anmeldungen im Vorjahr sind es jetzt 93 (vier Auswärtige). Deutlich zurückgegangen sind die Zahlen an der Marienschule. Nach 118 Anmeldungen für das laufende Schuljahr werden im kommenden Schuljahr nur 79 Schüler (27 Auswärtige) neu in die Schule kommen. Das EG gewinnt mit 78 Schülern (5 Auswärtige) sieben mehr als im Vorjahr, während das Gymnasium Overhagen bei 51 Anmeldungen (12 Auswärtige) 15 Schüler weniger aufnehmen wird.
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