24.03.2018

Stabwechsel unter Lippstädtern

Lippstadt. (-ger) Hätte er die Schritte im Markt gezählt, es wäre im Laufe der Jahre wohl eine gigantische Zahl dabei herausgekommen. Mit Ablauf dieses Monats wird sein Nachfolger das 6.400 qm große Verkaufsreich durchschreiten, der langjährige Real-Chef Jürgen Reins (63) kann ab dem kommenden Monat – wenn er denn will - die täglichen Runden durch die Warenwelt gegen wunderschöne Etappen mit bester Aussicht auf dem Meraner Höhenweg tauschen und sich natürlich ganz intensiv seiner Familie widmen.
Da dürfte es Nachholbedarf geben, schließlich ist die Geschäftsleitung des SB-Warenhauses kein Job für Freizeitingenieure. Sechs-Tage- Woche, jeweils bis zu zwölf Stunden unter Strom: Reins, seit 1981 Real-Mann, weiß, was auf seinen Nachfolger zukommt. Und doch ist für beide diese Lösung optimal. Denn mit Heinz-Dieter Kemper (49) übernimmt wieder ein Lippstädter die Chefrolle. Der Lipperoder ist wie Reins lange in der Real-Welt zu Hause und 1985 an Bord gegangen. Nach Fortbildung und Aufstieg bis zum Vize in Lippstadt wechselte er 2000 nach Bielefeld. Dort sammelte er in drei Stationen Großstadterfahrungen im Einzelhandel. Zum 1. April 2018 kehrt er mit voller Verantwortung nach Lippstadt zurück und übernimmt parallel auch die Marktleitung für das Real-Haus in Brakel mit weiteren 85 Mitarbeitern in Voll- und Teilzeit. Noch-Geschäftsleiter Reins machte in seiner langen Karriere bei der Metro – seit 1981 - nur einen relativ kurzen Ausflug von 1997 bis 2000 nach Paderborn. Danach kehrte er nach Lippstadt zurück und übernahm die Geschicke in dem aktuell 167 Köpfe zählenden Haus. Wie Reins ist sein Nachfolger Spezialist für „Food“ und stark auf den Bereich Frische konzentriert. Das SB-Warenhaus verfügt über Frischetheken für Fisch, Käse, Wurst und Fleisch und betreibt eine überaus große Metzgerei. Ultra-Frische, das ist für die beiden Einzelhandels-Experten eine Stärke, die Discounter nicht können. Die Eigenproduktionen, verraten die beiden Gesprächspartner, sollen weiter ausgebaut werden „Es kommen neue Prozesse hinzu“, kündigen Reins und Kemper an. Umfassende Veränderungen im Haus stehen dagegen nicht an, aber auch die Lippstädter werden Teile aus dem Erfolgskonzept des neuesten Vorzeigemarktes in Krefeld integrieren. Dabei dürfte der Geschäftsleitung die Erkenntnis entgegenkommen, dass die Stadt inzwischen auch hochpreisige Produkte im Real-Warenhaus annimmt und erwartet.
Unterdessen läuft für Reins die Uhr an der langjährigen Arbeitsstätte. Er gehe mit einem „lachenden und weinenden Auge“, sagt der altgediente Real-Mann, der „schon ein bisschen stolz ist, einen Nachfolger aus den eigenen Reihen“ zu haben. Heinz-Dieter Kemper erwartet eine anspruchsvolle und herausfordernde Aufgabe. Dass sie gelingt, dafür sorgt auch ein „supersuper Team“, wie Jürgens Reins seine Mannschaft lobt: „Ich kann mich blind auf die Truppe verlassen.“ Für die ersten acht Wochen nach seinem Übergang in den Ruhestand hat er sich erst einmal nichts vorgenommen. Aber die Berge rufen natürlich immer für den Hobby-Wanderer. Vielleicht geht’s dann schon bald in den Süden. Wenn er den Höhenweg zwischen Oberstdorf und Meran gelaufen ist, weiß er im Gegensatz zu seinem fast alltäglichen Einsatz an der Bökenförder Straße genau, was er geschafft hat: 350 Kilometer. Wieder daheim, wird Reins zu einem der Zigtausenden von Real-Kunden, die im Warenhaus ihre Runden drehen. Im Gegensatz zu den vielen üblichen Besuchern, die sich erst orientieren müssen, wird er allerdings selbst bei 80.000 Artikeln keine Minute den Überblick verlieren.
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