07.04.2018

Mehr Qualität im Südwesten

Lippstadt. (-ger) Im Südwesten der Stadt leben zwar 20 Prozent der Lippstädter Gesamtbevölkerung und die meisten Einwohner unter 18 Jahren, aber der eine oder andere Bereich innerhalb dieses wichtigen Quartiers schreit geradezu nach Verbesserung. Dafür besteht jetzt eine „Riesenchance“, so Fachbereichsleiter und Chefplaner Heinrich Horstmann.
Am Donnerstag stellte die Stadt ihre Pläne für diesen Bereich vor. „Noch ist nichts in Stein gemeißelt“, betonte Fachdienstleiter Lothar Dreckhoff. Was zwei eigens angesetzte Bürgergespräche unterstreichen sollen. Am kommenden Dienstag, 10. April, im Ev. Johannes-Kindergarten, Boschstraße, und am Donnerstag, 12. April, im Stadtteilzentrum TAP, Nussbaumallee (jeweils ab 18 Uhr), können die Anwohner Ideen und Anregungen äußern. Am Dienstag stehen beim Workshop Süd die Freianlagen „Alte englische Schule“ und der Ausbau des „Alleenweg-Süd“ im Fokus, am Donnerstag im Bürgergespräch Nord die Revitalisierung des Theodor-Heuss-Parkes und der Ausbau des „Alleenweg-Nord“.

Immerhin ist das, was die städtischen Planer und zwei beauftragte Ingenieurbüros zu Papier gebracht haben, so ansprechend, dass Lippstadt zu den lediglich sechs Kommunen im Land mit einer Förderempfehlung gehört. Zur Verteilung kommen Gelder von Land und der EU. Für die erfolgreichen Antragsteller ist das Programm „Grüne Infrastruktur“ geradezu ein Segen, denn 80 Prozent der Gesamtkosten der Vorhaben werden übernommen. Lippstadt könnte über diesen „Hebel“ ein Mehrfaches dessen verwirklichen, was der Haushalt hergibt. Und es geht um keine Kleinigkeit. Die Umsetzung der drei Projekte, die sich die Stadt vorgenommen hat, kostet 3,56 Mio. Euro – ohne Zuschuss eine kaum oder nur über einen längere Zeitraum zu tragende Last. Alles wird jetzt ganz schnell gehen. Schon Mitte Juni müssen die Förderanträge bei der Bezirksregierung eingehen. Deshalb auch die Eile mit den beiden Bürgergesprächen. Danach werden die Bürgerwünsche wenn möglich noch eingearbeitet und die gesamten Planungen dem zuständigen Ausschuss des Rates zur Abstimmung vorgelegt. Das wird im Mai sein. Die Bewilligungsbehörde verlangt für jedes Projekt einen einzelnen Antrag.

Die Stadt hat viel vor: Kommt aus Arnsberg das „grüne“ Licht, möchte die Verwaltung mit der Umgestaltung des alten Sportplatzes der ehemaligen englischen Schule starten. Danach soll über ein neu zu schaffendes Teilstück ein Alleenweg bis zur Bahnunterführung Auf der Hude entstehen. Schlusspunkt wird die Runderneuerung des Theodor-Heuss-Parkes sein. Ziel bei allen Vorhaben ist es, die „vorhandenen Freiräume in ihrer Qualität zu verbessern“, erläuterte Planungsexperte Horstmann. Dabei rücken keine Einzelflächen in den Vordergrund, sondern die Vernetzung der Flächen. Die Herausforderung der Planer bestehe demnach nicht darin, schöne Freiflächen zu schaffen, sondern den Naturgedanken zu stärken und zu vermitteln, erklärte der Fachbereichsleiter den Ansatz. Weil damit verschiedene Handlungsbereiche und –aufgaben berührt werden, hat die Verwaltung rasch eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe gebildet, in der neben den Stadt- und Grünplanern auch der Fachbereich Familie, Schule und Soziales mitgewirkt hat. Darin ist ein Gesamtkonzept entwickelt worden, dass in der Bezirksregierung bestens ankam, wie Horstmann nicht ohne Stolz wissen ließ. Auf dieser Basis werden die Planungen konkretisiert und sollen in den Bürgergesprächen nun den „Praxistest“ bestehen. Verschiedene Interessenvertreter, die als Multiplikatoren in dem Quartier dienen, wie Kitas oder eben auch das TAP, sind bereits angeschrieben und eingeladen worden. Die Verwaltung hofft auf ein großes Interesse in der Bürgerschaft.

Geboten wird ihnen reichlich Stoff zur Diskussion. Im Bereich Stirper-, Bosch- und Otto-Hahn-Straße soll ein multifunktionaler Park entstehe, stellte Grünplanerin Michaela Lange vom Fachdienst Grünflächen Details vor. Der Park für jedermann soll einen Rundweg mit einer zentralen Platzfläche erhalten. Entlang dieses Weges sind verschiedene Aktivitätsangebote geplant. Von hier aus erstreckt sich ein neuer Alleenweg bis zur Bahnunterführung. Er passiert im Süden das Lippe-Berufskolleg, geht weiter über die Otto-Hahn-Straße und Overhagener Straße und endet sehr zum Bedauern der Planer wenigstes vorerst an der Bahnunterführung auf der Hude. Die Idee, den Weg über die Lippe fortzuführen, womöglich sogar noch über die nördliche Umflut am Cabrioli, scheitert an den Programmzielen, stellt aber auch finanziell eine heftige Belastung dar. Den Charme einer solchen Verbindung über die Lippe habe aber auch das Land anerkannt, ließ Horstmann durchblicken. Der 1,5 km lange Alleenweg soll voraussichtlich asphaltiert und ebenfalls mit Attraktivitätspunkten gesäumt werden. So sind Bänke vorgesehen und Räume zur Naturerfahrung, etwa Wiesen. Die Stadt plant „keine Autobahn“, vielmehr soll die Verbindung einen leichten Schwung erhalten. Das Teilstück zu Otto-Hahn-Straße wird völlig neu geschaffen. Nördlich der Overhagener Straße besteht ein Spiel- und Bolzplatz. Im Zuge dieses Projektes soll das Areal deutlich aufgewertet und zu einem Highlight für Kinder und Jugendliche werden.

Der Entwurf für den Theodor-Heuss-Park beinhaltet bereits viele Überlegungen aus der Bürgerschaft. „Es besteht Handlungsbedarf“, waren sich die Vertreter der Verwaltung einig. Vorgeschlagen werden eine Promenade durch den Park, Lichtungen, Bewegungs- und Aktivitätsmöglichkeiten und ausreichend Sitzplätze. Der vorhandene Teich wird verschönert und aufgewertet. Das Stadtteilzentrum TAP soll einbezogen und mit einem neuen Haupteingangsbereich ausgestattet werden. Auch das Gesamtschulareal wird eingebunden. „Gerade für den Theodor-Heuss-Park ist das natürlich eine Riesenchance. Das wird die Qualität des Parks und des Quartiers deutlich steigern“, erhoffte sich Horstmann neue Schubkräfte von den Plänen. Für den Bauexperten geht es bei diesen Vorhaben auch darum, das Quartier „fit zu halten“, die Bewohner sollten sich hier wohlfühlen. Horstmann bezeichnete das Quartier als „jungen Stadtteil“, weil hier besonders viele Familien mit Kindern leben. Die neue Gesamtschule in diesem Bereich sei da ein „gutes Signal“ in der städtebaulichen Entwicklung gewesen. Das soll sich nun weiter verstärken. Wenn Lippstadt den Zuschlag für die Projekte erhält, kann sich die Stadt sputen. Bis Ende 2022 muss alles fertig und abgerechnet sein. „Die EU ist sehr streng“, machte Horstmann klar.
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