14.04.2018

Hella-Gründungsstätte erhaltenswerte Bausubstanz

Lippstadt.(-ger) Die Gründungsstätte des heutigen Weltkonzerns Hella wird nachrichtlich als erhaltenswerte Bausubstanz in die Denkmalliste der Stadt aufgenommen und bei den weiteren Planungen berücksichtigt. Das hat der Rat der Stadt am Montagabend beschlossen. Die Fraktion der Grünen hatte den Antrag gestellt, die früheren Betriebsgebäude der Westfälischen Metallindustrie Aktiengesellschaft in der Hospitalstraße zu schützen. Ein Denkmalwert der Objekte lässt sich nach Prüfung durch das Fachamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe nicht ausreichend begründen. Allerdings empfiehlt die LWL-Behörde in ihrer Stellungnahme, wegen der besonderen geschichtlichen Bedeutung des Werkes für Lippstadt eine nachrichtliche Aufnahme in den Denkmalpflegeplan der Stadt und eine Berücksichtigung bei den weiteren Planungen.

„Mit seinem einfachen Stufengiebel, die Entstehungsjahreszahl 1895 tragend, kündet die Hausspitze des ehemaligen Verwaltungsgebäudes noch immer tapfer von der einstigen Bedeutung dieses Gebäudekomplexes“, begründete die Fraktionssprecherin der Grünen, Ursula Jasperneite-Bröckelmann, ihren Antrag. Selbst wenn sich für die ehemaligen Betriebsgebäude der Westfälischen Metallindustrie AG kein ausreichender Denkmalwert begründen lasse, ist es aus Sicht der Öko-Fraktion eine „kulturelle Schande, wenn dieses Haus samt dem historischen Werkgebäude mit seiner einzigartigen Geschichte für Stadt und Industrie dem Abrissbagger zum Opfer fiele“. Vor allem im Zusammenhang mit der aktuellen Quartiersentwicklung am früheren Güterbahnhof könnten sich neue Nutzungskonzeptionen ergeben, erläutert die Fraktionssprecherin den weiteren Hintergrund ihrer Initiative. So bestünden Ideen und Vorschläge zum Nutzungsaspekt des Hauses im Bereich der kulturbezogenen Vereine und der in der Kulturentwicklung engagierten Bürger.
Die Objekte Hospitalstraße 44 bis 46a gehören seit 1979 der Stadt. Sie wurden zuletzt als Übergangswohnheime und Obdachlosenheim genutzt. Die Kommune sieht nach Feststellung von Denkmalschützer Dieter Mathmann keinen Bedarf für eine langfristige Weiternutzung, allerdings werde die Angelegenheit aktuell noch einmal überprüft. Nach seiner Beschreibung ist die grundlegende Struktur der straßenbegleitenden Gebäude des alten Industriekomplexes selbst heute noch gut ablesbar. Welche Gebäudeteile als geschichtlich besonders erhaltenswert einzustufen sind und auf welche gegebenenfalls verzichtet werden kann, das soll im Rahmen einer bauhistorischen Untersuchung festgestellt werden. Nur so ist es nach Feststellung des Denkmalexperten der Stadt möglich, „das Erhaltungsgebot für eine bestimmte Baumasse im Bebauungsplan zu konkretisieren“.

So ganz locker durch ging der Antrag der Grünen dennoch nicht. „Macht das Sinn?“, fragte etwa der Sprecher der Linken, Michael Bruns, und wollte wissen, ob nach einem entsprechenden Beschluss Kosten folgten. Bürgermeister Christof Sommer versicherte, dass daraus keine Eigentümerverpflichtung erwachse. Es werde weder eine Nutzung vorgegeben noch neue Kosten oder Investitionen ausgelöst. Die Hella selbst habe kein weiteres Interesse geäußert, ließ Bürgermeister Sommer erkennen. Es gehe auch nicht darum, an dieser Stelle Unternehmensgeschichte darzustellen. „Richtig begeistert ist hier keiner“, fasste CDU-Fraktionschef Ansgar Mertens das schwere Ringen um eine adäquate Lösung zusammen. Nach umfassender Beratung sei die Fraktion jedoch zu der Überzeugung gekommen, dass wegkneppern denn auch etwas dürftig sei. Deshalb unterstützte die Union den Vorstoß der Grünen.
zurück zur Artikelübersicht