21.04.2018

Brummi-Schleppkurve verlegt

Lippstadt. (-ger) Die Verwaltung hat einen Weg gefunden, um die herausfordernde Verlegung des Fußgängerüberweges vom Standesamt zur Marktstraße sauber umsetzen zu können. Der Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss hatte in der letzten Woche mit seinem Mehrheitsbeschluss zur Verlegung des Zebrastreifens zunächst für unüberhörbaren Widerspruch und eine nicht zu übersehene Ratlosigkeit bei den Planungs-, Straßenbau- und Rechtsexperten gesorgt.
Der Grund: Die Politiker hatten das endgültige „Go“ für die Umgestaltung der Lange Straße Nord und Marktstraße Ost mit einer Forderung verknüpft, von der Polizei, Juristen und Versicherung dringend abraten – zumindest bei den gegenwärtigen Ausbaumerkmalen. Schon war die Rede von einer möglichen Beanstandung durch den Bürgermeister. Die Verwaltung handelte schnell. Die Zeit sitzt ihr im Nacken, weil sie den Umbau der beiden Straßenbereiche bis zur Herbstwoche abgeschlossen haben will. Auch Geld spielt eine Rolle. Weil Fördergelder einbezogen werden, muss die Umgestaltung bis Ende des Jahres vollzogen und abgerechnet sein. Für die Stadt habe es nur zwei Möglichkeiten gegeben, erklärte Fachbereichsleiter Heinrich Horstmann am Donnerstag das Vorgehen: den Beschluss überdenken oder ohne Denkverbote prüfen, welche Lösungen es geben kann. Dabei herausgekommen sind bautechnische Eingriffe. Der Chefplaner der Stadt ist überzeugt: „Wir haben ein Modell, das so funktioniert.“ Fachdienstleiter Jörg Bökenkötter zeigte auf, wie es gehen soll. Nachdem die Schleppkurven von Gelenkbus, Lastwagen und Lkw mit Anhänger am Rechner simuliert wurden, haben die Fachleute drei Ansatzpunkte gefunden: Der bislang maximal 2,80 m breite Gehweg vor dem Stadtpalais wird auf 1,56 m Breite eingedampft. Damit die Brummis auf der Westseite der Langen Straße nicht mit ihren Vorbauten in den Gehweg hineinragen und Fußgänger erheblich gefährden können, wird die Lage der Schleppkurve großer Fahrzeuge verlegt. Deshalb muss der bestehende, 1,25 m breite Radfahrschutzstreifen in der Marktstraße um knapp 11 Meter nach Osten verlängert und der Radfahrstreifen in der Brüderstraße entsprechend kürzer werden. Und dann soll noch der Rathausplatz angetastet werden. Auf einer Länge von 30 m wird die gute Stube der Stadt um bis 1,54 Meter kleiner. „Das ist kein unerheblicher Eingriff“, räumte Horstmann vor allem mit Blick auf die deutliche Verschlankung des Gehweges ein. Aus Sicht des städtischen Chefjuristen, Joachim Elliger, hat dieses Lösungspaket aber insgesamt den Vorzug, haftungsrechtliche Konsequenzen und die Rechtsrisiken für Ausschussmitglieder und die Verwaltung auszuräumen. Denn schon jetzt gebe es für Fußgänger auf der Westseite der Langen Straße einen bedenklichen Zustand, der haftungsrechtlich und strafrechtlich möglicherweise relevant sei. Die neue Lösung soll eben diese Situation entschärfen. Außerdem möchte die Verwaltung nach dem Umbau den Durchgangsverkehr für schwere Lkw untersagen. Details dazu wie auch über die entstehenden Mehrkosten für die Umgestaltung konnten die Verwaltungsvertreter am Donnerstag noch nicht mitteilen. Sicher aber ist, dass die Stadt mit der neuen Planung in die Ausschreibungen geht. Das OK aus der Politik hat sich die Verwaltung über einen Dringlichkeitsbeschluss geholt, den neben Bürgermeister Christof Sommer die beiden Ratsmitglieder im Bauausschuss, Klaus Fürstenberg und Udo Strathaus, unterzeichnet haben, der aber vom Fachausschuss noch bestätigt werden muss. Straßenbauexperte Bökenkötter hofft nun, leistungsfähige Firmen zu finden, die trotz hoher Auslastung und strengen Vorgaben wie Sechs-Tage-Woche und Limit bis zur Herbstwoche den Job übernehmen. Am 4. Juni soll Baustart sein.
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