28.04.2018

Preissenkung für Erdgas erfreut Kraftfahrer

Lippstadt.(-ger) Nachdem die Stadtwerke den Erdgaspreis an der CNG-Tankstelle im Gewerbegebiet Am Wasserturm um 20 Prozent nach oben getrieben hatten, kommt nach dem Monatsende die Wende. Der städtische Versorger erfreut die Fahrer von Erdgas-Fahrzeugen ab 1. Mai mit einer Preissenkung um sechs Cent auf 1,139 Euro je Kilogramm. Ein künstlich gesenkter Kurs ist das nicht.

Das Energieunternehmen hatte ja gerade die Konditionen für die Kraftfahrer verschlechtert, weil es fortlaufend Verluste bei seinem Geschäft mit dem komprimierten Erdgas einfährt. Seit Inbetriebnahme der 200.000 Euro teuren Verdichterstation bei Stakemeier hat die Tankstelle jährlich Verluste zwischen 15.000 und 20.000 Euro eingefahren. Weil in diesem Jahr obendrein die kostspielige Revision des Druckbehälters im Lastenheft steht, hatte Stadtwerke-Geschäftsführer Siegfried Müller seinem Aufsichtsrat geraten, Ende 2018 den Schalter umzulegen. Das blieb nicht ohne Resonanz. Erdgasfahrer und Umweltschützer argumentierten prompt. Der Aufsichtsrat reagierte und ließ die Zapfe „bis auf Weiteres“ geöffnet. Eine Schließung war damit vom Tisch. Der Preis: ein stark steigender Kurs.

Das Bundes-Immissionsschutzgesetz ist nun Wegbereiter für die Preissenkung. Danach müssen die Konzerne bei ihren zu versteuernden Kraftstoffen sicherstellen, dass die im Laufe eines Kalenderjahres in Verkehr gebrachte Menge fossiler Kraftstoffe eine Treibhausgasminderung von mindestens 4 Prozent gegenüber einem fossilen Grenzwert aufweist, bis 2020 sogar sechs Prozent. Um diese Quote erfüllen zu können, kaufen die Ölkonzerne über Vermittler auch CNG-Gas auf und tarieren damit ihre Treibhausgasquote aus. Erdgas gelte jetzt als Biokraftstoff, erläuterte Müller den Zusammenhang. Bei dem von den Stadtwerken favorisierten Modell trägt der Makler eventuelle Risiken. Aus dieser Quotenregelung schöpfen die Stadtwerke einen echten Mehrwert. Und: Je mehr Erdgas tanken, umso besser. Müller erhofft sich aus der Quotenverpflichtung einen kleinen fünfstelligen Betrag. Mit dem will er die Kosten für die Erdgas-Tanke puffern. Mit einem Tarif von knapp 1,14 Euro findet der Erdgas-Fahrer in Lippstadt gerade keine billige Tanke, aber einen fairen, nicht subventionierten Preis, beschrieb unlängst ein VW-Manager bei seinem Besuch in Lippstadt die Schwelle, erinnerte der Stadtwerke-Chef an eine kritische Marke. Darunter werde zugeschossen. Wer sich nun für ein Erdgas-Fahrzeug interessiert und den Kauf in Erwägung zieht, bekommt aus der Bunsenstraße keine Garantien. Für die nächsten zehn Jahre jedenfalls nicht, sagte Müller. Die Stadtwerke wollen Jahr für Jahr entscheiden, wie es weitergeht. Das, obwohl er selbst den Kraftstoff als „sauber“ bezeichnet und die Technologie für ausgereift hält. Das städtische Unternehmen hat selbst zwei Erdgasautos im Bestand. Hinderlich bei einer weiteren Verbreitung von CNG-Fahrzeugen seien das relativ dünne Tankstellennetz und die Tatsache, dass nicht jede Werkstatt dafür fit sei. Und es kommt noch die Konkurrenz durch ein anderes Antriebskonzept hinzu: E-Fahrzeuge. Die Stadtwerke haben inzwischen zwei. Den reinen Zahlen nach hat sich der Absatz bei Stakemeier verringert. Gab es im Januar des Vorjahres 662 Tankvorgänge, waren es in diesem Jahr 512. Nicht anders im Februar (623 bzw. 490) und März (720 bzw. 554). Der Absatz in den ersten drei Monaten sank gegenüber dem Vorjahresquartal von 27.859 auf 23.645 Kilo.
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