12.05.2018

„Ein Sechser im Lotto“

Lippstadt. (-ger) Linken-Sprecher Michael Bruns konnte sich gar nicht mehr einkriegen, so groß war seine Begeisterung für die „grüne Infrastruktur“ im Lippstädter Südwesten: „Das ist wie ein Sechser im Lotto“, schwärmte er am Mittwochabend im Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss. Das Gremium winkte nach Vorstellung der neusten Detailplanungen die Konzepte zur „Revitalisierung des Theodor-Heuss-Parkes“, „Alten englischen Schule“ und zum 1,5 Kilometer langen „Alleenweg“ durch.
Eine weitere Beratung und Beschlussfassung ist nicht vorgesehen. Der Stadt sitzt die Zeit im Nacken, am 12. Juni müssen die drei Förderanträge bei der Bezirksregierung in Arnsberg eingegangen sein.

Die Gesamtkosten für die drei Vorhaben sind üppig. Mit 3,565 Mio. Euro entsprechen sie laut Förderempfehlung des Landes den maximal förderfähigen Ausgaben. Die hohe Summe sorgte für eine kleine Schockwelle bei den Christdemokraten Lippstadt (CDL), die dazu Straßenbaumaßnahmen zum Vergleich bemühten. Doch Fachbereichsleiter Heinrich Horstmann reagierte prompt. Dafür gebe es keine 80-Prozent-Förderung, machte er Dieter Holzhauer klar. Und so kann die Stadt mit der großzügigen Förderzusage ein Vielfaches dessen im Südwesten umsetzen, was ursprünglich geplant war. „Für Groß und Klein einfach nur wunderbar“, freute sich Bruns, der selbst im Quartier lebt.

Nach einem zwischengeschalteten Bürgergespräch, an dem 58 interessierte Anwohner teilnahmen, haben die zwei eingeschalteten Landschaftsarchitekten B.S.L. aus Soest sowie Bauer + Fecke aus Salzkotten die bisherigen Pläne präzisiert und die Wünsche weitestgehend aufgenommen. Bei den Bürgern kam die vorgesehene Hauptpromenade im Heuss-Park gut an. Sie wird als Fuß- und Radweg ausgeführt und soll als „Aktive Promenade“ hohe Attraktivität erzielen. Der gesamte Raum wird sich in einen „Ruhigen Park“, „Bewegten Park“ und einen „Garten“ gliedern. Der bestehende Spielplatz wird nach Westen verlagert und an den beleuchteten Hauptweg angedockt. Keine Zukunft mehr hat die Minigolfanlage. Sie beanspruche viel Raum und stehe nur wenigen Nutzern zur Verfügung, hieß es dazu. Nicht nur junge Leute begeistern soll der „Parkour“, nach einer Trendsportart benannt. Die Anlage auf einer Fläche von 540 qm wird Sitzgelegenheiten erhalten, damit auch ältere Menschen hier einen Stopp einlegen und zuschauen können. Der vorhandene Tümpel und der Teich werden zu einer größeren Wasserfläche zusammengelegt und erhalten als markanten Blickpunkt eine große Fontäne, so sehen die Pläne der Soester Landschaftsarchitekten aus. Drei kleine Fontänen werden in die Treppe gegenüber dem TAP integriert. Am östlichen Ende und gegenüber dem Begegnungszentrum sind Treppen zum Wasser vorgesehen. Vorhandene Bäume werden so weit wie möglich erhalten und in die neue Gestaltung einbezogen. Vor allem Zier- und Obstgehölze sollen für Blickfänge sorgen.

Hauptmerkmal im Bereich der „Alten englischen Schule“ wird ein Rundweg mit verschiedenen Zuwegungen sein. Auf dem 90 mal 115 Meter großen Areal entsteht mittig ein multifunktionaler Kommunikations- und Aufenthaltsbereich. Die Planer aus Salzkotten sehen in dieser Fläche eine Wegeverbindung und zugleich auch eine Platzfläche mit schattigen Bäumen und Bänken. Das Gelände kann auch für Boulespiele, Picknicke oder Tischbrettspiele genutzt werden. Im südlichen Bereich der Planfläche soll es ein 24 mal 12 m großes Kleinspielfeld für Fuß- und Basketball geben. Im nördlichen Bereich werden Kinder durch einen Sandspielbereich angelockt. Für die außen liegenden Bereiche verfolgen die Planer zwei Konzepte: Bodenmodellierungen für einen Trailparcours für Kinder und Jugendliche sowie Vorrichtungen für Slacklines einerseits, andererseits Erhaltung bestehender Gehölzstrukturen mit zusätzlichen Wildgehölzebepflanzungen. Wiesenbereiche als Vogel- und Bienennährgehölze sowie Nistmöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse werden das ökologische Angebot ergänzen. Optional denken die Planer an ein Angebot für Mitmachgärten an der Mittelfläche.

Der neue Alleenweg, der sich von dem früheren Schulgelände in einem Bogen um das Berufskolleg bis zur Eisenbahnlinie erstrecken wird, soll vier verschiedene Aufgaben lösen: eine durchgehende Verbindung von der Nordstadt in den Südwesten schaffen, einen homogenen Stadtrand bilden, die Stadt mit umliegenden Flächen verknüpfen und die vorhandene Baumallee ergänzen. Die Planer hatten zu tun. So ist das bestehende Biotop nahe der Wohnbebauung im Norden nicht integriert. Der Wegezustand ist schlecht, das gilt auch für die Stichwege. Und dem Spielplatz fehlen neue Geräte. Die Planer wollen nun Sichtbeziehungen herstellen und Sitzgelegenheiten schaffen. Der Alleenweg wird durchgehend asphaltiert und von derzeit 2,20 auf 3,00 m verbreitert. Den Spielplatz möchten die Landschaftsarchitekten durch ein naturnahes Konzept aufwerten und mit einem Wasserspielbereich ausstatten. Der Bolzplatz bleibt erhalten. Wegen des Übergangs in die freie Landschaft gibt es an vielen Stellen Blickbeziehungen in die Umgebung. Ideen sind Landschaftsfenster, Himmelsschaukeln oder ein Brückenschlag. Diese Blickbeziehungen wollen die Planer erhalten und herausstellen. Die Landschaft soll mit allen Sinnen wahrgenommen werden können. „Zukünftig geplante Nutzungen werden sich wie eine Perlenschnur entlang des Weges ansiedeln“, beschreibt das Büro die Überlegungen. Beabsichtigt sind Aktions- und Aufenthaltsflächen, auf denen verschiedene Nutzungsangebote entstehen, Übergangsflächen zu anderen Bereichen oder Wegekreuzungen und Sitzbereiche am Wegeverlauf. Ob es begleitend, wie Berthold Niehage von den Grünen anregte, einen Mulchweg für Läufer gibt, bleibt eine Kostenfrage. Eben aus diesem Grund kann dem Wunsch der Anlieger nach einer Beleuchtung des Weges nicht entsprochen werden, sie war deshalb auch kein Bestandteil der Planung. Aufnehmen werden die Planer aber die Bitte, keine hohen Bäume für die Allee vorzusehen, um eine Verschattung der anliegenden Gärten zu vermeiden. Nun sollen heimische Bäume bis zu einer Höhe von 10 m Verwendung finden. Allerdings soll es Standorte für einzelne große Einzelbäume geben. Zu dem Konzept gehört auch eine behutsame Auslichtung im nördlichen Teil des Weges von der Overhagener Straße bis zur Bahntrasse.

Im Ausschuss kamen die Pläne bestens an. So sprach Jens Behrens (SPD) von einer absolut sinnvollen Gestaltung. Gerd Gunter Köhler (CDU) wertete das Konzept als „ganz fantastische Sache“.
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