19.05.2018

Perspektive für Hella-Stammhaus

Lippstadt. (-ger) Das Hella-Stammhaus in der Hospitalstraße könnte zu einem Museumsdepot werden. Die CDU-Fraktion hat einen entsprechenden Antrag initiiert und damit einen Bogen zwischen der Industriegeschichte der Stadt und notwendigen Räumen für das Stadtmuseum geschlagen. Im Schul- und Kulturausschuss kam diese Idee bestens an.
So gut sogar, dass der von der Verwaltung formulierte Beschlussvorschlag abgeändert wurde. Nun soll das Objekt als „vorrangige Planungsvariante“ Berücksichtigung finden. Fachbereichsleiter Hartmut Neutzler hatte das Gebäude lediglich als mögliche Lösung betrachtet. Das hielt der stellvertretende Ausschussvorsitzende und kulturpolitische Sprecher der Union, Wilhelm Börskens, für zu „allgemein, wage und weich“. Börskens erinnerte in seinem Schreiben an die Ausschussvorsitzende, Sabine Pfeffer (SPD), an die seit Jahren andauernde Suche des Museums nach einem Depot. Die frühere Hella-Immobilie, die heute im Besitz der Stadt ist, „könnte so einer sinnvollen und unter dem Gesichtspunkt des Denkmalschutzes bereichernden Nutzung zugeführt werden“.
Im Zusammenhang mit der anstehenden Sanierung des Heimatmuseums kommt dem Depot eine wichtige Rolle zu. Denn bevor mit den Arbeiten begonnen werden kann, müssen die Exponate ausgelagert werden. „Dabei geht es nicht nur darum, eine vorübergehend verfügbare Lagerfläche bereitzustellen, sondern eine umfangreiche und idealerweise dauerhafte Lösung, die langfristig als Museumsdepot dienen kann“, erklärte Ressortchef Neutzler gegenüber dem Ausschuss. Als Depot muss das Domizil neben auskömmlichen Flächen auch die baulichen Anforderungen erfüllen. Die Experten sehen hier das Raumklima, Licht und Beleuchtung, Quarantäne, Einbruchsicherheit und nicht zuletzt den Brandschutz sowie die Erreichbarkeit. Die Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, so Neutzler, halten den CDU-Vorschlag für machbar, fasste er das Ergebnis einer aktuellen Begehung zusammen. Ein Depot für das Museum gehört zu den Voraussetzungen für die Förderfähigkeit von Bau- und Einrichtungsvorhaben am Museumsgebäude. Die vorbereitenden Arbeiten werden nach Darstellung der Verwaltung in enger Zusammenarbeit mit dem LWL-Museumsamt in Münster durchgeführt, weil Depotbauten im laufenden Kalenderjahr noch durch den Landschaftsverband gefördert werden. Nach Mitteilung von Neutzler favorisiert der LWL Neubauten, obwohl Altbauten dem Grunde nach zu gleichen Anteilen auch förderfähig seien. Neubauten ziehe der LWL vor, weil die Ertüchtigung von Bestandsimmobilien nach dortigen Erfahrungen auf lange Sicht unbefriedigend verläuft und nur wenige Gebäude hinsichtlich der Voraussetzungen wirklich geeignet seien. Nach Rücksprache mit den eigenen Gebäudemanagern der Stadt urteilt der Fachdienst, dass ein Neubau schneller zu realisieren sei als ein Altbau. Die Verwaltung prüft derzeit in Betracht kommende Standorte und die Baukosten für einen möglichen Neubau. Bei der Sondierung stadteigener Liegenschaften geriet auch das frühere Hella-Objekt in den Fokus. Die Stadt checkt gegenwärtig die Eignung und arbeitet an realistischen Kostenschätzungen. Im eigenen Bestand, war sich der Fachbereichsleiter bereits sicher, komme aber keine andere Immobilie in Frage. Eine weitere Alternative besteht in der Möglichkeit einer interkommunalen Lösung. Dabei decken die Depots die Lagerbedarfe mehrerer Kommunen ab und sind besonders förderfähig. Gespräche liefen, ließ Neutzler durchblicken, aber der Stand sei nicht so, dass er seriös in eine Vorlage passe. Für ihn ist es gegenwärtig eine offene Frage, ob neu gebaut oder die Altimmobilie ertüchtigt wird. Der Ausschuss legte sich derweil schon fest. Für ihn ist der alte Hella-Standort genau richtig, auch um das Gebäude zu schützen. Die Überlegungen müssen alsbald abgeschlossen sein, denn der Landschaftsverband entscheidet nach den Sommerferien über die Vergabe der Haushaltsmittel für das laufende Haushaltsjahr.
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