19.05.2018

Personalnot in Musikschule

Lippstadt. (-ger) Die größte Schule in Lippstadt? Nein, kein Gymnasium. „Im Prinzip“, so Michael Ressel im Schul- und Kulturausschuss, sei das die Städtische Musikschule. Im vergangenen Jahr wurden in 4.223 (2016: 3.891) Belegungen 3.061 Schüler, davon 403 über 18 Jahre, von 48 Lehrkräften unterrichtet. Somit erreichte die Musikschule 4,3 Prozent der Einwohner ihres Einzugsgebietes und ist außerordentlich stark in der Region verankert.
Im Bundesdurchschnitt nehmen nur ein bis zwei Prozent der Einwohner Angebote der Musikschulen wahr. Gegenüber dem Vorjahr konnte die Lippstädter Einrichtung die Zahl der Jahresunterrichtsstunden von 26.125 auf 28.306 ausbauen und den Zuschuss je Belegung von 216 auf 190 Euro drücken. Das geht aus dem Jahresbericht hervor. Der Zuschuss je Unterrichtsstunde sank von 32,24 auf 28,42 Euro. Finanziell steht die Schule vor allem auf zwei Säulen: den Zuwendungen der Stadt (rund 57 Prozent) und dem Eigenanteil der Einrichtung (37 Prozent). Nach Darstellung von Schulleiter Ressel seien zur Finanzierung auch verstärkt Landesmittel verwendet worden. Als Gründe nannte er das Projekt „Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ (JEKITS) und die Arbeit mit Flüchtlingen. Dennoch kommt die Musikschule nicht ohne eine kräftige Finanzspritze aus. Der Zuschussbedarf lag 2017 bei rund 800.000 Euro.

In den musikalischen Grundfächern unterrichtete die Conrad-Hansen-Musikschule 1.362 Schüler. In den instrumentalen und vokalen Hauptfächern bot der Lehrkörper kontinuierlichen Unterricht an. Den Einzel- und Gruppenunterricht nahmen 1.753 Schüler in Anspruch, darüber hinaus besuchten 16 Schüler die studienvorbereitende Ausbildung. Ensemble- und Ergänzungsfächer nahmen 1.046 Schüler wahr. Für die Schule sind Kooperationen ein wichtiges Thema. Schüler der Einrichtung musizieren in Orchestern der allgemeinbildenden Schulen und musiktreibenden Vereinen. Auch auf internationalem Parkett sind die Schüler aktiv. So hatte die E-Gitarren-Band „The Hansen Electris“ im vergangenen Jahr zwei erfolgreiche Auftritte beim internationalen Hansetag im niederländischen Kampen. Zudem hat das aus Musikschullehren bestehende „Chansemble 3einhalb“ das Kulturprogramm des Hansetages an mehreren Tagen bereichert. Als Nachfolgeprojekt zu dem vor drei Jahren begonnen wöchentlichen Trommelunterricht für Kinder und Jugendliche aus der Auffangklasse der Kopernikusschule besteht seit März des letzten Jahres wöchentlicher Trommelunterricht für die Kinder aus dieser Klasse. 80 Prozent der Kosten dieses Angebots für Flüchtlinge übernimmt das Land. Zahlreiche Kinder und Jugendliche, die als Flüchtlinge nach Lippstadt gekommen sind, erhalten nach dem Bericht des Schulleiters regulären Unterricht in der Musikschule.

Das erste Jahr von JEKITS bildet die Basis für eine musikalische Bildung und das spätere Erlernen eines Instruments. Alle Erstklässler konnten von diesem kostenlosen Angebot profitieren. Zum Beginn des Schuljahres 2017/18 haben 448 Erstklässler aus 22 Klassen mit dem Projekt begonnen.

Auch im vergangenen Jahr zeigten Musikschüler bei über 100 Veranstaltungen, an denen rund 1.500 Schüler und mehr als 10.000 Bescher teilnahmen, ihr Können. Die pädagogische Arbeit der Einrichtung in Lippstadt wird auch überregional wahrgenommen. So war Schulleiter Ressel im vergangenen Jahr im zuständigen NRW-Landesministerium eingeladen, um dort auf einer Tagung als landesweit einzige Musikschule über die Gestaltung von JEKITS an Förderschulen zu berichten. Gefreut hat sich die Musikschule auch über die Teilnahme von Gitarrenlehrer Eddie Nünning als Jurymitglied im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ im Fach Popgitarre.

In seinem Ausblick räumte Ressel der Personalbemessung einen breiten Raum ein. Bei dem Landesprojekt JEKITS wird bei den Programmstandards im Regelfall der Einsatz von fest angestellten Lehrern gefordert. Daher sei es zu überlegen, „ob zur Sicherung der Landesmittel nicht neue Stellen geschaffen werden sollten, was erheblich zur Planungssicherheit und damit zur Qualitätssicherung beitragen würde“. Auch die Rechtssicherheit der Stadt steige damit. Die jährliche Landesförderung entspricht nach Angaben des Schulleiters etwa zweieinhalb Vollzeitstellen. Eine Anpassung des Stellenplans der Musikschule ist aus seiner Sicht auch erforderlich, um mittelfristig das Unterrichtsangebot aufrechterhalten zu können und den einschlägigen Qualitätsanforderungen zu genügen. Nachgesteuert werden müsse sowohl im pädagogischen als auch im Verwaltungsbereich. Seit den Beschlüssen zum Stellenabbau im Rahmen der freiwilligen Haushaltssicherung habe sich die Schülerzahl fast verdoppelt, gleichzeitig seien aber drei Vollzeitstellen abgebaut worden. Wegen der zahlreichen Schulkooperationen habe sich der Verwaltungsaufwand erheblich erhöht, ohne dass eine Anpassung der Verwaltungsstellen erfolgt sei. Für Veränderungsdruck sorgten ferner Gesetzesänderungen wie die Datenschutz-Grundverordnung und die Anforderungen der Digitalisierung. Die Digitalisierung sei eine Herausforderung, der sich die Einrichtung sowohl in der Verwaltung als auch im Unterricht stelle. Der Einsatz neuer Medien sei schon lange Selbstverständlichkeit. Im vergangenen Jahr seien erste Erfahrungen im Unterricht mit Skype gesammelt worden. Das Musikschulbüro plane in diesem Jahr wichtige Schritte in Richtung „papierlose Verwaltung“. Machbar werde das durch eine entsprechende Musikschulsoftware.

Der Fachausschuss griff die Aussagen zur Personalausstattung auf. So wollte Christine Goussis (SPD) geprüft wissen, ob die Verwaltung Möglichkeiten für eine bessere Ausstattung sehe. Bei der Stadt ist das Problem angekommen. Fachbereichsleiter Hartmut Neutzler signalisierte jedenfalls Veränderungsbereitschaft.
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