26.05.2018

Wen interessiert noch Kunst?

Lippstadt.(-ger) Nach einem deutlichen Knick im vorletzten Jahr haben die Ausleihen in der Thomas-Valentin-Bücherei 2017 wieder deutlich zugelegt. Bibliothekschefin Ulrike Weyrich registrierte insgesamt 279.256 Ausleihen, über 10.000 mehr als im Vorjahr. Dieses Ergebnis war ganz dicht dran am bisherigen Rekord von 2012 mit über 280.000 Ausleihen. Bei den physikalischen Medien gab es einen leichten Zuwachs auf 248.352 Ausleihen, vor allem bei DVD und CD, bei der Onleihe eine anhaltende Steigerung. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, den die Bücherei dem Schul- und Kulturausschuss vorlegte. Die Buchausleihe stagnierte im Gesamtergebnis bei 151.696 Ausleihen. Aktuelle Trends und Themen interessieren die Leser, andere Sachgebiete werden nur gering oder gar nicht entliehen, etwa das Sachgebiet Kunst.

Die Bücherei muss mit einer großen Binnendifferenzierung in der Nutzung, der Schnelllebigkeit der Themen und einer ständigen Bestandsanpassung und Aktualisierung klarkommen. Mit 71.679 physikalischen Einheiten vor Ort, dazu im Verbund 64.195 Medieneinheiten im digitalen Bestand hat die kommunale Bildungseinrichtung ein Bestandsangebot von einem Medium je Einwohner erreicht. Mit den bereitgestellten Mittel kann dieses Angebot „nachhaltig erhalten und ergänzt werden“, erläuterte Weyrich in ihrem Bericht. „Nach sehr umfangreichen Aussonderungen in früheren Jahren steigt der Bestand seit 2013 langsam wieder an. Hier wirken sich die höheren Etatmittel für die Medienbeschaffung im Rahmen des Medienentwicklungsplanes nun deutlich aus“, erklärte die Büchereichefin. Bei der Onleihe geht es weiter nach oben. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Bibliothek knapp 31.000 Entleihungen und belegte im Verbund hinter Hamm und Hagen den 3. Platz.
Bei den Neuanmeldungen gab es eine leichte Steigerung von 886 auf 1.043. Für die Bücherei erkennbar wurde eine Zunahme bei Kindern als aktive Leser. Dies sowohl bei ihrer Zahl als auch bei den Ausleihen. Für den Vertreter der Linken im Fachausschuss, Klaus Marke, war das Wasser auf die Mühlen. Bildung dürfe nicht vom Geldbeutel abhängig sein, kommentierte er erneut. Die Büchereileitung hatte die Zunahme der Entleihungen bei Kindern in einen Zusammenhang mit der Entscheidung gestellt, Kinder von den Ausleihgebühren zu befreien.

Im vergangenen Jahr kamen 94.430 Besucher in die Einrichtung. Hinzu gerechnet werden müssen die Besucher der Abend-Veranstaltungen. Zu den besonderen Veranstaltungen zählte eine Reihe von Lesungen, die die Bücherei in Kooperation mit der VHS durchführte. Drei Outdoor-Termine ergänzten das Programm. Vor zwei Jahren hatte die Bücherei insgesamt 96.192 Besucher gezählt.

Und wie sieht die Bücherei ihre Zukunft? Bibliotheken werden nicht nur Lese- und Digitalkompetenz vermitteln, sondern auch als „Community-Builder“ und Forschungseinrichtung gesehen. Als Ort sie künftig ihre Funktion als Treffpunkt, sichern die Teilhabe und bieten Möglichkeiten zum Verweilen, Informieren, Reden, Vernetzen und Machen, erwartete Weyrich. Bibliotheken werden nach ihrer Wahrnehmung zu Schnittstellen und Interaktionsorten. Stärker bewusst werde, dass die Bürger einen öffentlichen Zugang zu einem differenzierten Medienangebot haben, „um politisch handlungsfähig zu sein und kompetent in einer Demokratie mitzuwirken“. Für die Bibliothek bleibe das alles nicht ohne Konsequenzen, konstatierte die Büchereileitung. So werde über die Umgestaltung des Hauses, eine personelle Neustrukturierung und Neubesetzungen nachgedacht werden müssen, „um in Sachen analoger und digitaler Bestandserhaltung und Bestandserweiterung, Veranstaltungsmanagement, neuen Vermittlungsangeboten sowie Marketing zukunftsfähig zu werden“. Im vergangenen Jahr hatte sich die Bücherei bereits erfolgreich um die Anerkennung als Einsatzstelle für den Bundesfreiwilligendienst beworben und erstmals zwei Auszubildende gleichzeitig eingestellt.
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