16.06.2018

Stadt kommt mit Kita-Ausbau kaum nach

Lippstadt(-ger). Noch im April hatte der Rat Investitionsmittel von 1,5 Mio. Euro für den weiteren Aufbau von Betreuungsplätzen in Kindertagesstätten bereitgestellt, da besteht Anlass zu weiteren Planungen. Ganz neu ist das nicht. Denn einen Monat vorher hatte die Verwaltung im Jugendhilfeausschuss festgestellt, dass mit dem bislang formulierten Ausbauziel nicht viel Staat zu machen sei.

Um den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz zu erfüllen, sollten zusätzlich 85 Plätze geschaffen werden. Das Anmeldeverfahren für das neue Kindergartenjahr, das im August beginnt, hat neue Defizite erkennen lassen. Zunehmende Rückstellungen vom Schulbesuch und eine verstärkte Nachfrage für Kinder unter drei Jahren löst höhere Bedarfe aus. Erschwerend kommt hinzu, dass zum 1. August des nächsten Jahres ein außergewöhnlich geburtenschwacher Jahrgang die Kitas verlässt und ein nach gegenwärtigem Stand um mehr als 100 Kinder stärkerer Jahrgang auf die Kitas zurollt. Seit 2013 steigen die Kinderzahlen, zunächst leicht, inzwischen rasant. In den letzten vier Jahren habe die Stadt ihr Angebot um vier neue Einrichtungen erweitert, „aber wir müssen noch weiter reagieren“, stimmte Fachbereichsleiter Manfred Strieth den Jugendhilfeausschuss am Mittwochabend auf weitere Entscheidungen ein. Die Prognosen vor einigen Jahren sahen völlig anders aus.

Nun dieses Bild: Die viel zitierte Frage, wann die 40. Kita kommt, ist für den Sozialexperten keine mehr. „Die wird kommen“, betonte Strieth. Vor einem Jahr gab es 3.850 Kinder unter sechs Jahren, jetzt wird mit 3.954 gerechnet. Der Sozialplaner machte deutlich, dass diese Entwicklung natürlich absolut erfreulich sei, nur eben nicht, wenn man dafür planen müsse. Nach dem aktuellen Stand müssen zum 1. August 2019 150 zusätzliche Plätze verfügbar sein. Die Hochrechnung unterstellt für dieses Datum 4.030 Kinder. Die Zahlen sollen sogar noch steigen, der Verwaltungssprecher ging für 2021 von 4.100 Kindern unter sechs Jahren aus.

Mit den bisherigen Beschlüssen sollen bis zum 1. August 2019 weitere 85 Plätze in Kitas entstehen. In der Kita Johannes wird es 45 Plätze in zwei neuen Gruppen geben, die Kita St. Elisabeth wächst um eine Gruppe mit zehn Plätzen, die Kita Tandem nimmt eine neue Gruppe mit 20 Plätzen auf, und die Kita Maria Frieden in Lipperbruch wird um zehn Plätze erweitert. Unter dem Strich also 85 neue Plätze. So die Vorstellungen. Doch zehn Plätze fallen aus der Rechnung heraus, weil eine Erweiterung der Kita Maria Frieden in Lipperbruch nicht möglich sein wird. Die Verwaltung hat nun ein weiteres Ausbaukonzept für insgesamt 80 Plätze vorgelegt. Danach werden fünf bestehende Einrichtungen erweitert: die Natur- und Waldkita wächst um eine Gruppe mit 20 Plätzen für Kinder im Alter von 2 – 6 Jahren, davon sechs Plätze für Kinder unter drei Jahren; die Kita Wichern nimmt in einer neuen Gruppe zehn Kinder unter drei Jahren auf; die Kita Pfiffikus in Overhagen bekommt eine Betreuungsgruppe mit 20 Plätzen für Kinder im Alter von 2 – 6 Jahren, davon sechs Plätze für Kinder unter drei Jahren, hinzu; die Kita der ev.-reformierten Kirchengemeinde Lipperode bietet zusätzlich eine Betreuungsgruppe mit 20 Plätzen für Kinder im Alter von 2 – 6 Jahren, davon sechs Plätze für Kinder unter drei Jahren, an; schließlich soll eine provisorische Betreuungsgruppe in der Kita am Wasserturm mit zehn Plätzen für Kinder über drei Jahren angeboten werden.

Für das neue Ausbaupaket rechnet die Kommune mit Investitionskosten von 950.000 Euro. Zusammen mit dem bereits im April beschlossenen Plänen kommen auf die Stadt Investitionsausgaben von 2,5 Mio. Euro zu. Ressortchef Strieth sprach die Hoffnung aus, mehr als 50 Prozent über Zuschüsse refinanzieren zu können. Bislang lägen Zusagen über 1,2 Mio. Euro vor. Natürlich steigen mit neuen Betreuungsplätzen auch die Betriebskosten. Der Verwaltungsexperte bezifferte die zusätzlichen Ausgaben für die weiteren 155 Plätze auf 1,9 Mio. Euro pro Jahr. Davon muss die Stadt etwa die Hälfte übernehmen.

In seiner Vorlage für den Jugendhilfeausschuss wies der Fachbereichssprecher ausdrücklich darauf hin, dass mit der Planung zunächst nur der bis zum 1. August 2019 entstehende Bedarf gedeckt werde. Sollten in den Folgejahren abermals geburtenstärkere Jahrgänge nachrücken, womit die Stadt rechnet, werde 2020 und 2021 ein weiterer Ausbau erforderlich. Dieser zusätzliche Bedarf könne wegen der quasi erschöpften Ausbaumöglichkeiten in den bestehenden Einrichtungen „im Wesentlichen nur durch den Neubau weiterer Kitas“ gedeckt werden. Soweit war es noch nicht, die bisherigen Ausbauabsichten unterstützte der Ausschuss aber schon einmal in vollem Umfang.
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