07.07.2018

Ohne Fahrradhelm und Anschnallgurt

Lippstadt. (tt) Wenn Kinder heute mit Fahrrad oder Inlinern über die Pisten düsen, legen sie ganz selbstverständlich Helm und Schoner an. Doch das war nicht immer so: Noch vor wenigen Jahrzehnten fuhren Kinder ohne Kindersitz und Anschnallgurt im Auto mit, sie saßen hinten auf dem Gepäckträger des Fahrrads, und in die Schule gingen sie zu Fuß. In der Ausstellung „Kinder mobil“, die am heutigen Samstag um 18:30 Uhr in der Galerie im Rathaus eröffnet wird, werden Kinderwagen, Roller und Inliner im Wandel der Zeit gezeigt.
Bis zum 15. September dokumentiert die Wanderausstellung des Lippischen Landesmuseums Detmold, die mit Beständen aus dem Stadtmuseum Lippstadt ergänzt wurde, den gesellschaftlichen Wandel anhand von Fahrrädern, Kinder- und Puppenwagen und anderen Fortbewegungsmitteln.

Die rund 120 Exponate, die von 1900 bis heute chronologisch in einem Rundgang präsentiert werden, zeigen anschaulich, dass Familien mit Kindern – insbesondere in der Nachkriegszeit – immer unternehmungsfreudiger und mobiler wurden. Mit der fortschreitenden Automobilisierung wurde auch das Bedürfnis der Eltern nach mehr Sicherheit für ihre Kinder erhöht. „In vielen Objekten spiegelt sich der Zeitgeist und die Nähe zur Autoindustrie wider“, betonte Dr. Imke Tappe-Pollmann vom Lippischen Landesmuseum Detmold. Zusammen mit ihrer Kollegin Annette Zyros hat sie die Ausstellung konzipiert. „Die Galerie im Rathaus soll ein neues Profil bekommen, deshalb soll es im Sommer immer eine kulturhistorische Ausstellung geben. Auch die Kooperation mit dem Landesmuseum in Detmold soll ausgebaut werden, denn die Bestände passen gut zusammen“, erklärte die Leiterin des Stadtmuseums Lippstadt, Dr. Christine Schönebeck. Mit vielen Leihgaben wurde in die Wanderausstellung Lippstädter Lokalkolorit reingebracht. „Die Lippstädter haben ihre Privatalben geöffnet und haben uns viele historische Exponate zur Verfügung gestellt“, so Schönebeck.

Mit der Ausstellung wollen die Macher ausdrücklich alle Generationen ansprechen. Schönebeck: „Es ist sehr spannend, wenn Großeltern mit ihren Enkeln herkommen und ihnen dabei aus ihrer Kindheit erzählen.“ Und Tappe-Pollmann ergänzte: „In der Ausstellung bei uns in Detmold waren die Kinder sehr angezogen von den Sachen, denn die Ausstellung regt an, dass die Generationen in Dialog treten können.“

Kaum vorstellbar, dass Kinder um 1900 auf dem wackelig anmutenden Hochrad aus Metall tatsächlich gefahren sind, bei dem sich die Pedalen beim Bergabfahren immer schneller drehten und es hierdurch zu gefährlichen Stürzen kommen konnte. Einiges ist jedoch geblieben oder kommt wieder in Mode: Die Kinderwagen der 1960er und 1970er Jahre sind heute als schicke Retrowagen wieder erhältlich. Und damals wie heute war der Kinderwagen ein Repräsentationsobjekt. Die ersten Kinderwagen wurden um die Jahrhundertwende stolz von den Vätern geschoben. In den 1930er Jahren passte dies nicht mehr in das gesellschaftliche Bild. Nun war es die Frau, die sich als Hausfrau und Mutter den Kindern widmete.

Kinderwagen, Rutschautos, Kettcars, Bollerwagen, Roller und viele andere Ausstellungsstücke der einzelnen Zeitabschnitte werden in der Ausstellung dekoriert mit Kleidungsstücken der jeweiligen Epoche, und so können die Besucher in längst vergangene Zeiten eintauchen und eigene Kindheitserinnerungen wecken.
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