07.07.2018

Viel Lärm um Baustraße

Lippstadt.(-ich) Überlastet waren am Mittwoch die Kapazitäten des Sitzungsraumes im Stadthaus, als sich der Stadtentwicklungsausschuss mit dem Erschließungskonzept für den Bebauungsplan „Auf dem Rode“ befasste. Ausschussvorsitzender Dr. Bernd Neuhoff (FDP) ließ es zu, dass aus der Fachausschusssitzung ein Bürgergespräch wurde, in dem die Verwaltung Fragen von rund 50 Anliegern aus den Bereichen Goethe-, Gorch-Fock-, Barbarossa- und Von-Are-Straße beantwortete. Die Anlieger befürchten, dass ihre Wohnqualität während der Bauzeit in dem neuen Baugebiet durch Dreck, Staub und Schwerlastverkehr beeinträchtigt wird.

Vor der Fragerunde hatte André Stadermann, Fachdienst Stadtplanung und Umweltschutz, die Überlegungen der Verwaltung zum Baustellen-Verkehrskonzept dargestellt. Grundlage des Konzepts ist ein Verkehrsgutachten. Demnach soll der Baustellenverkehr über die Von-Are-Straße in das Neubaugebiet einfahren und über die Gorch-Fock-Straße abfließen. Die Ordnungsbehörde werde die Einhaltung der Regelung überwachen.

Gegen eine alternative Baustraße, von Norden über den Brandenburger Straße, spricht, dass die dortigen Eigentümer ihre Grundstücke hierfür nicht zur Verfügung stellen und es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt, in dem Bebauung, auch Straßenbau, verboten ist. Die ins Gespräch gebrachte „Schleifenlösung“ beutet laut Stadermann eine Erhöhung des Verkehrsaufkommens. Das sogenannte Durchbindungskonzept sei die bessere Lösung.

Die Verwaltung zieht zu dem komplexen Problem folgendes Fazit: „Hinsichtlich der Erschließungskonzeption und des Baustellenverkehrskonzepts wurde eine konkrete Planung entwickelt und auch anhand von Alternativen bewertet. Die Bürgeranregungen wurden geprüft und in vielen Punkten berücksichtigt. Die auf dieser Basis vorgelegten Konzeptionen zeigen auf, dass die entstehenden Verkehre verträglich abgewickelt werden können und ein Zusammenwachsen des neuen Quartieres mit den bestehenden Wohnbaugebieten gewährleistet werden kann. Daher sollte die vorliegende Konzeption als Grundlage für die weitere Bauleitplanung Verwendung finden.

Auch der zweite Bauabschnitt kann gemäß des Erschließungskonzeptes und des Baustellenverkehrskonzeptes sinnvoll angebunden werden.“
Bedenken der Anlieger (die sich u.a. in der Interessengemeinschaft „Nachbarschaft Goethestraße Nord“ zusammengeschlossen haben), die Straßen könnten den Belastungen durch den Baustellenverkehr nicht standhalten schloss Heinrich Horstmann, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Bauen, aus. Laut der Bauklassenauslegung könnten die Straßen den Verkehr verkraften. Sollte es dennoch zu Schäden kommen, müsse der Erschließungsträger die Kosten für Reparaturen tragen. Verkehrsregelnde Maßnahmen zur Korrektur des Verkehrsflusses seien jederzeit möglich.

Keine Zustimmung für das Konzept gab es von der Bürgergemeinschaft, Hans Karliner argumentierte, in dem Gebiet würden Wohnflächen „aus dem Boden gestampft“. Nach seiner Ansicht hätten zunächst die Erschließungsstraßen erstellt werden müssen und erst im Anschluss daran hätte es zu einer Ausweisung des Baugebietes kommen dürfen. Er war ferner der Meinung, dass die Grundstückseigentümer am Brandenburger Straße „bei gutem Zureden“ ihre Grundstücke zur Verfügung gestellt hätten.

Ursula Jasperneite-Bröckelmann (Bündnisgrüne) ist gegen eine Anbindung über den Brandenburger Straße, der laut Verwaltung auch nicht ausreichend für Baustellenverkehr ausgebaut ist, da es Probleme mit den Eigentümern gibt und der Naturraum dort nicht gestört werden sollte. In ihren Augen war es ein strategischer Fehler, dass zuerst das Baugebiet Von-Are-Straße umgesetzt wurde. Sie hofft, dass das Baugebiet „Auf dem Rode“ gut an den ÖPNV angeschlossen wird und eine optimierte Radwegeverbindung erhält.

„Keiner will den Bürgern Schaden zufügen“, versuchte Matthias Marx (SPD) die Stimmung im Sitzungsraum, trotz heißer sommerlicher Temperaturen, herab zu kühlen. Die Bürger sollten der Verwaltung zugestehen, dass diese sich intensiv mit den Problemen beschäftigt habe. Das Erschließungskonzept bietet in seinen Augen keine optimale Lösung, aber einen gangbaren Weg. Das Prozedere müsse in der Bauphase immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden.

Peter Cosack regte an, die Baumbeete auf der Von-Are-Straße erst nach Beendigung der Bauarbeiten anzupflanzen. „Das sehen die Anwohner genau umgekehrt“, entgegnete Horstmann. Jens Behrens (SPD) empfahl, an den Stellen für die Baumbeete zunächst Kübel aufzustellen, um den Verkehr zu verlangsamen und die Baumbeete nach der Fertigstellung des Baugebietes zu pflanzen.
Bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen wurde dem Erschließungskonzept mehrheitlich zugestimmt.
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