21.07.2018

Begeisterung für Lippstadt

Lippstadt.(-ich) Mit einem Imagefilm über die Vorzüge Lippstadts und die Attraktivität des Standortes versucht der Automobilzulieferer HBPO Fachpersonal für sein Unternehmen zu gewinnen und für den Standort zu überzeugen. „Schöner kann man es nicht machen“, ist Bürgermeister Christof Sommer von dem 2:23 Minuten Film begeistert, den er zu Beginn seiner Sommer-Pressekonferenz vorführen ließ.

Im Grunde könne er nur „erfreulich langweilige Wiederholungen“ der Aussagen von vergangenen Sommer-Pressekonferenzen liefern, stellte der Bürgermeister fest, Lippstadt schwimme auf einer positiven Trendwelle und entwickele sich prächtig. Verschiedene Analysen beschäftigen sich nach seinen Aussagen damit, zu untersuchen, welche Attraktivitätskriterien machen bestimmte Städte zu sogenannten „Schwarmstädte“ (z.B. Oldenburg) und welche lassen andere unattraktiv erscheinen. Eine wesentliche Voraussetzung sei eine gut funktionieren Infrastruktur. Dazu gehöre auch als jüngster Punkt die Anbindung an London, Wien und Zürich über den Flughafen Paderborn/Lippstadt.
Der Bürgermeister, ein Freund von Zahlen, berichtete dann von 35.000 versicherungspflichtigen Arbeitsplätzen in der Stadt. Insbesondere bei Freiberuflern, Technikern und wissenschaftlichen Dienstleistern habe es große Steigerungen gegeben. Die Zahl der Einpendler befinde sich mit fast 18.500 auf einem Allzeithoch. Auch die Zahl der Auspendler ist auf 10.000 gestiegen, zeige aber, das Lippstadt als Wohnstandort attraktiv sei. Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen ist auf 43.000 Personen geklettert. Alles in allem betont der Verwaltungschef die positive Entwicklung beim Wirtschafts- und Wohnstandort. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung mache Lippstadt eine bessere Entwicklung durch und habe eine bessere Zukunftsprognose als Soest, Arnsberg und Hamm.

Erstmals liege auch die Zahl der Geburten oberhalb der Sterberate. Auch die Entwicklung bei den Arbeitslosenzahlen ist positiv. Die Arbeitslosenquote liegt für Lippstadt bei fünf Prozent und hat damit das Niveau des Deutschlandtrends.
„Lippstadt ist ein Gemischtwarenladen mit einem breiten Branchenmix“, zierte Sommer den Ex-Bevollmächtigten der IG Metall-Verwaltungsstelle. Diese Aussage macht laut Sommer deutlich, das Lippstadt viel mehr als ein Standort der Automobilindustrie ist. Die Bereiche Forschung und Entwicklung seien stark gestiegen.

Die sogenannten weichen Standortfaktoren: Versorgung, Bildung, Einkaufsmöglichkeiten, Mobilität, Wohnen, Kultur und Sport sind in den Augen des Bürgermeisters inzwischen zu harten Standortfaktoren geworden, die über die Entwicklung eines Standortes mitentscheiden.

Für die Wohnbebauung wurden der Stadt von der Bezirksregierung Arnsberg 71 Hektar für die weitere Entwicklung zugestanden. Für neue Gewerbeflächen liegt die Zusage bei 30 Hektar. Die große Herausforderung für die Stadt ist in beiden Fällen an die Flächen zu kommen - Verkäufer zu finden.

Als ein weiteres Zeichen für die Attraktivität der Stadt wertet Bürgermeister Sommer den Zuwachs an Kindern. Vor Ort explodieren nicht die Kosten für Sozialleistungen, sondern die Kosten für Kindertagesstätten. Wurden 2011 noch 3.500 Kinder unter drei Jahren betreut, so wird ihre Zahl laut Prognose 2021 bei 4.100 liegen. Um die Betreuungsnachfrage decken zu können, baut die Stadt 150 KiTa-Plätze an acht bestehende Einrichtungen an. Die Betriebskosten von derzeit 23 Mio. Euro für die Kitas haben sich in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. „Es zahlt sich jetzt aus, dass wir in der Vergangenheit keinen Grundschulstandort aufgegeben haben“, freut sich Sommer mit Blick auf die zu erwartenden Nachfrage. Auch die geplante private Montessori-Grundschule wird von ihm begrüßt. Mit ihr werde das städtische Grundschulangebot erweitert. In diesem Zusammenhang erwähnt Sommer, dass die Kommune jetzt zum dritten Mal als familiengerechte Kommune ausgezeichnet worden ist. In diesem Zusammenhang zählte er eine breite Palette an Angeboten und Dienstleistungen auf, die die Stadt für Familien mit Kinder bereithält.

Der im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgeschrieben Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Offenen Ganztagsschule, richte sich gegen die Kommunen, unterstreicht der Bürgermeister. Allerdings räumt er ein, dass die gesellschaftliche Nachfrage besteht.

Die Wiedereinführung eines Bücherbusses „ist völlig überflüssig, nicht mehr zeitgemäß und kostet nur Geld, das an anderer Stelle besser angelt ist“, wurde er deutlich. Da die Stadt diverse Leseförderprojekte anbiete sei ein Bücherbus nicht notwendig. Die Lippstädter Thomas-Valentin Stadtbücherei hatte im letzten Jahr 280.000 Ausleihen und registrierte in dem Zeitraum 95.000 Besucher. Der Bücherbus erreiche nicht einen Bruchteil davon.

Die große Herausforderung, Qualität (ein Wort das der Bürgermeister gern und häufig benutzte) zu setzen, müsse finanziell seriös sein. Dies gelte auch für eine nachhaltige Stadtentwicklung. So soll das Hella-Gelände an der Steinstraße nach Worten von Sommer städtische Qualität mit unterschiedlichen Wohnformen bekommen, wie auch das Baugebiet „Auf dem Rode“.

Qualität sei auch bei vielen Neubauten wie der Dreifach-Sporthalle am Jahnplatz, der Sporthalle der Niels-Stensen-Grundschule oder der Sanierung des Stadttheaters angesagt. Besondere sportliche Qualität habe das Projekt Jahnplatz 2020, das sich speziell für sogenannte „informelle Sportler“, also Freizeitsportler die in keinem Verein organisiert sind, richtet, die der Bürgermeister launisch als sportliche Anarchisten bezeichnete. Um das Freizeitgelände noch attraktiver zu gestalten, wird in diesem Jahr eine beleuchtete Laufstrecke eingebaut. Außerdem gibt es Überlegungen, die Skaterbahn zu erweitern. Für das Gesamtprojekt haben private Sponsoren 190.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die Stadt ist an den Maßnahmen mit 30.000 Euro beteiligt.

Einen Qualitätssprung wird in den Augen des Bürgermeisters auch der Südwesten der Stadt mit der Umgestaltung des Theodor-Heuss-Parks erleben. Positiv wertet Sommer auch, dass die Stadt beim geförderten Wohnungsbau höher eingestuft worden ist, wodurch der Bau von geförderten Wohnungen (Sozialwohnungen) für Investoren attraktiver wird.

Für Christof Sommer lautet das Fazit der Sommerpressekonferenz, Gespräche mit Kollegen haben ihm deutlich gemacht, es ist besser in Lippstadt Bürgermeister zu sein, als anderswo.
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