11.08.2018

Wasserwerke arbeiten am Anschlag

Lippstadt.(-ger) Wasser, Wasser, möchte man fortgesetzt sagen und das kühle Nass ohne Unterlass innen und außen anwenden. Wenn es nicht so reichlich fließt wie gewünscht, dann tragen die Wasserwerker keine Schuld daran. Sie fördern am Limit. Während mancher Laubbaum notgedrungen die Herbstfärbung angenommen und sein grünes Kleid unfreiwillig abgelegt hat, setzt die hartnäckige Sommerhitze ohne nennenswerte Niederschläge Mensch, Natur und auch der Technik zu. In den beiden Wasserwerken der Stadtwerke in Lipperbruch und Eikeloh arbeiten die Maschinen am Anschlag. Damit die Aggregate störungsfrei laufen, müssen sie sogar gekühlt werden, erklärt Stadtwerke-Chef Siegfried Müller im Gespräch. Kein Wunder bei den Fördermengen. Penibel halten die Wasserwerker nach, was sie aus den Brunnen holen. Die Bezirksregierung gibt präzise vor, wie viel gefördert werden darf.

Zwar hat Müller dieses Limit noch nie erreicht, ganz sorgenfrei wirkt er aber nicht: „Wenn das die Sommer der Zukunft sind, dann müssen wir uns was überlegen.“ Während der Betriebsleiter der Stadtentwässerung, Karl-Heinz Schwartze, von der „üblichen Trockenwetterlage in der Kläranlage“ spricht, sieht der Geschäftsführer der Stadtwerke einen Rekord nach dem nächsten purzeln. Auch ohne die Großbrände hat es im Juli außergewöhnlich hohe Wasserförderungen gegeben. Von den ersten Tagen im August gar nicht zu reden. Gewöhnlich liegt die Abgabemenge zwischen 9.000 und 10.000 Kubikmeter pro Tag. Die wurde im Juli gerade einmal an drei Tagen eingehalten, in diesem Monat bislang an keinem Tag. Stattdessen dieses Bild: Gleich am 1. Juli stehen 14.060 Kubikmeter auf dem Block, am 24. Juli gar 15.240. Beim Großbrand bei „Lippstädter Hartschaum“ sollten es 16.760 werden. Der Juli endet mit einer Fördermenge von 14.920 Kubikmetern. Das Niveau hält an, getoppt wird es wieder bei einem Großbrand. Der Sonderpostenmarkt Deal geht am 2. August in Flammen auf. Der gewaltige Löschangriff sorgt abermals für einen kräftigen Ausreißer nach oben. Diesmal beträgt die Tagesmenge 16.740 Kubikmeter.

Unabhängig von diesen Schadensereignissen können die Wasserwerker im Vergleich der letzten acht Jahre einen klaren Trend nach oben belegen. Denn unabhängig von dem üblichen Auf und Ab zeichnen sich inzwischen deutliche Veränderungen ab. Erkennbar wird dies sowohl bei der höchsten Fördermenge als auch der niedrigsten. Beide nehmen zu. Am 1. Januar 2011, dem Tag mit der gewöhnlich geringsten Fördermenge des ganzen Jahres, holten die Wasserwerker lediglich 6.620 Kubikmeter aus den Brunnen, die höchste Fördermenge des Jahres notierten sie am 30. Mai 2011 mit 12.520. In den Folgejahren kletterten die Mindestmengen auf 7.890, 8.060 und 8.240 Kubikmeter. 2015 folgte nicht dieser Systematik, auch der 1. Januar markierte hier keinen Tiefpunkt. Die geringste Menge wurde am 21. September mit 7.800 Kubikmetern festgestellt. 2016 war das „Verbrauchsgesetz“ aber wieder intakt und sorgte am 1. Januar mit 8.270 Kubikmetern für den sparsamsten Wasserfluss. Im letzten Jahr holten die Wasserwerker am 1. Weihnachtstag mit 8.780 Kubikmetern die geringste Menge aus den Anlagen. In diesem Jahr ist das „Januar-Gesetz“ wieder Geschichte, bislang sorgte der 1. April mit 8.830 Kubikmetern für das Mindestmaß. Dennoch lohnt sich der Blick auf den 1. Januar: Die Fördermenge betrug 9.200 cbm, bald 50 Prozent mehr als 2011. Ein Jahr zuvor waren es sogar noch 120 Kubikmeter mehr. Außergewöhnlich hohe Fördermengen gab es allerdings auch schon in den Vorjahren, etwa am 2. Juli 2015. An diesem Tag pumpten die Wasserwerker 14.940 Kubikmeter aus den Brunnen, noch etwas mehr als am 31. Juli 2018. Sorgte vor drei Jahren ein Tag für einen Spitzenwert, weist die Statistik für diesen Juli und die ersten Augusttage eine ganze Reihe von Topwerten aus. Ergebnis: Die Augustwerte übertreffen die des Vorjahresmonats bislang locker um 50 Prozent. Im Juli letzten Jahres förderten die Wasserwerke insgesamt 328.740 Kubikmeter, in diesem Juli waren es 410.570. Rekord.

Die Stadtwerke dürfen im Wasserwerk Lipperbruch 3,75 Mio. Kubikmeter Wasser fördern, in Eikeloh 1,69 Mio. Kubikmeter. Diese Werte sind nach Angaben von Stadtwerke-Chef Müller noch nie erreicht worden. Die Rohwassergewinnung liegt zwischen 4,0 und 4,1 Mio. Kubikmeter. Nach Abzug von Leckagen und Spülwasser verkauft der Versorger jährlich zwischen 3,5 und 3,7 Mio. Kubikmeter. Je nach Sommer schwankt der Wert. In einem Erdbehälter können die Stadtwerke bis zu 14.500 Kubikmeter Wasser speichern, um auf verschiedene Ereignisse reagieren zu können. Die Wasserrechte für Lipperbruch laufen bis 2025, in Eikeloh sind sie unbegrenzt. Im nächsten Genehmigungsverfahren, so Müller, müsse man sich mit den klimatischen Herausforderungen auseinandersetzen, erklärt er. Das Problem der Wasserwerker: Die Grundwasserstände sind aktuell sehr niedrig. Für die Neubildung fehlt schlicht der Niederschlag.

Wenn im Juli und August bisherige Rekordwerte gefallen sind, dann hängt das nicht unwesentlich mit der Gartenbewässerung zusammen. „Wir sehen sehr deutlich, dass wir abends 2.000 bis 2.500 Kubikmeter Wasser zusätzlich in die Leitungen schieben“, präzisiert der Geschäftsführer. „Da haben wir einen exorbitanten Zuwachs.“ Inzwischen gibt es 4.600 Gartenzähler auf den Grundstücken. Durchschnittlich 110.000 Kubikmeter pro Jahr fließen zur Bewässerung von Blumen und Rasen in die Gärten, ohne dass für das Schmutzwasser gezahlt werden müsste. Das Gros, weiß AöR-Betriebsleiter Schwartze, entnimmt lediglich einige wenige Kubikmeter. Aber es gibt auch andere. Eine Bagatellgrenze besteht nicht. Manch einer ist jedenfalls einfallsreich, wenn es um die Entsorgung größerer Mengen gebrauchten Wassers geht, etwa aus dem Pool. Der Supersommer, schätzt Schwartze, wird hier ebenfalls für neue Höchstwerte sorgen. Nach einer Hausnummer für dieses Jahr gefragt, stapelt der Abwasserexperte nicht tief. Seine Hochrechnung für dieses Gartenjahr: 300.000 Kubikmeter. Die Pumpen müssen wohl weiter gekühlt werden.
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