15.09.2018

Schwankende Leuchtstäbe

Lippstadt.(-ger) Die spannende Verknüpfung von Lichtkunst und Lippe soll um eine weitere Facette erweitert werden. Am Dienstagabend stellte der Kurator der Lichtpromenade, Dirk Raulf, im Schul- und Kulturausschuss die Installation „Schilfrohre“ vor. Sie soll mit maßgeblicher Unterstützung des Hauptsponsors Sparkasse und Mitteln des Landes und der Kommune erworben und als Dauerleihgabe der Kunststiftung des Kreditinstitutes der Stadt zur Verfügung gestellt werden. Nach 14 bereits realisierten Projekten wäre dies die 15. Lichtinstallation der 2003 initiierten Promenade.

Das archetypische Floß mit Neonzeichen (Arche) aus dem Gründerjahr sei soeben überholt worden, erläuterte der Kurator und werde nun weitere zehn bis 15 Jahren halten. Instandgesetzt worden sei auch die Installation „Hel“, blickte er kurz zurück. Aus Sicht des Kurators könnte sofort mit dem Aufbau des neuen Projekts begonnen werden, allerdings sind Förderfristen einzuhalten. Bis zum 30. September muss der entsprechende Antrag gestellt sein. Der üblicherweise bei Kunst im öffentlichen Raum eingeschaltete Gestaltungsbeirat konnte aus Termingründen nicht hinzugezogen werden, allerdings gab es von der Vorsitzenden des Gremiums, Jutta Gruß-Rinck, eine äußerst positive Rückmeldung nach der Übermittlung des Vorhabens auf digitalem Weg, wie Fachdienstleiter Wolfgang Streblow wissen ließ.

Mit dem Kunstobjekt „Schilfrohre“ des Dresdners Sebastian Hempel wird die Lichtpromenade um eine Gruppe im Wasser schwankender Leuchtstäbe reicher. Sie soll zwischen Mattenklodtsteg und dem Café im Grünen Winkel in zwei Meter tiefem, ruhigen Wasser ihren Platz finden.18 etwa zweieinhalb Meter lange, aus Panzerglas gefertigte Lichtrohre mit LED-Beleuchtung, werden von einer Art Quirl von Zeit zu Zeit in Bewegung gesetzt und „ganz wie ihr Vorbild in der Natur – den Betrachter mit ihrer poetischen, ja ‚magischen‘ (Hempel) Bewegung in ihren Bann“ ziehen. Der Standort wurde, wie der Kurator auf Nachfrage von Dr. Yasmine Freigang (SPD) erklärte, bewusst gewählt. Dort sei die Installation von allen Seiten einsehbar und könne ihre meditative Wirkung besonders gut zur Geltung bringen. Die Leuchtstäbe werden sich auf dem Wasser spiegeln und so die Illusion von fünf Meter hohen Schilfrohren verbreiten. Für den Künstler ist die „filigrane Raumbewegung der Stäbe ähnlich hypnotisch wie eine vom Wind bewegte Schilfrohrböschung“. Dass der Kurator an dieser Stelle seiner Fantasie über die Ausgestaltung kontemplativer Momente freien Lauf ließ, sei nur am Rande erwähnt. Die Lacher hatte er jedenfalls auf seiner Seite. „Lippstadt auf Kunstdroge“, traf eine schlagfertige Ausschussvorsitzende Sabine Pfeffer (SPD) den Nagel aber ganz genau auf den Kopf und konnte gar nicht genug kriegen vom kreativen Input: „Wir brauchen mehr Stoff, deshalb warten wir auf Kunstwerk Nummer 16.“ Soweit ist es aber noch nicht. Kurator Raulf sah in Nr. 15 unweit von „Undine“ und „Arche“ einen weiteren, von vielen Seiten gut einsehbaren „poetischen Raum“, der die bisherigen Positionen der Lichtpromenade perfekt ergänze. Der Ausschuss begrüßte das vollumfänglich. Damit beschloss das Gremium auch eine rund 20-prozentige Kostenbeteiligung der Stadt an der Arbeit. Im Klartext sind das 6.000 Euro, die im neuen Haushalt der Stadt bereitgestellt werden sollen.
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