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Chance für Langzeitarbeitslose

Lippstadt.(-ger) Der Bund will Langzeitarbeitslose und Menschen, denen diese Misere droht, besser fördern. Möglich machen soll das ein Teilhabechancengesetz. Das Bundeskabinett hat den Entwurf des Gesetzes bereits Mitte Juli verabschiedet, greifen soll das neue Gesetz ab dem kommenden Jahr. Der Gesetzgeber nimmt mit seiner Initiative in erster Linie sehr arbeitsmarktferne Betroffene in den Fokus, erklärte Michael Hammerschmidt, Bereichsleiter beim Jobcenter Arbeit Hellweg Aktiv, im Jugendhilfeausschuss die Zielgruppe.

Danach sollen erwerbsfähige und leistungsberechtigte Menschen, die das 25. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens sieben Jahren Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II beziehen und in dieser Zeit nicht oder nur kurzzeitig erwerbstätig waren, auf dem allgemeinen und sozialen Arbeitsmarkt integriert werden. Hammerschmidt begrüßte die neuen Möglichkeiten bei der Vermittlung, zeigte aber die Mindestlohnregelung als möglichen Konfliktpunkt auf. Der Lohnkostenzuschuss soll seinen Angaben zufolge nach dem gegenwärtigen Stand auf Mindestlohnbasis erfolgen. Unternehmen oder öffentliche Betriebe mit Tarifbindung müssten so Gelder zuschießen, weil selbst in den niedrigsten Entgeltgruppen höhere Löhne gezahlt werden. Dennoch spricht der Gesetzgeber potenzielle Arbeitgeber mit vergleichsweise hohen Zuwendungen an. So werden in den ersten beiden Jahren 100 Prozent der Lohnkosten – ohne Beiträge zur Arbeitslosenversicherung - übernommen, danach sinkt die Zuwendung um jährlich 10 Prozentpunkte. Die Förderlaufzeit endet nach maximal fünf Jahren. Zur beschäftigungsbegleitenden Betreuung zur Anbahnung und Sicherung des Arbeitsverhältnisses soll es ein Coaching auch für die gesamte Bedarfsgemeinschaft geben. Dafür setzt das Jobcenter eigene Kräfte ein. Diese Mitarbeiter werden überdies in der Krisenintervention oder etwa bei der Konfliktbewältigung am Arbeitsplatz tätig. Das von Hammerschmidt genannte Verhältnis von 1:60 von Coach zu „Kunden“ war INI-Chef Andreas Knapp allerdings eine sehr kritische Bemerkung wert: „Das geht nicht, das wird nicht funktionieren.“ Das Jobcenter geht von sehr unterschiedlichem Betreuungsbedarf der einzelnen Kunden aus. So werde es Erwerbslose geben, die wenig Kontakt brauchen und wiederum solche, die häufig begleitet werden müssen. Das Jobcenter betreut zurzeit 3.000 Kunden, die seit mindestens sieben Jahren nicht mehr arbeiten. Nach einer ersten Durchsicht haben die Arbeitsmarktexperten 420 Kunden identifiziert, die für eine solche Integrationsaufgabe in Frage kommen könnten. Um genügend Stellen für die Langzeitarbeitslosen zu finden, möchte das Jobcenter wieder Betriebsakquisiteure einsetzen. Das Ziel ist definiert: 99 Kunden sollen über das neue Gesetz ihren Weg auf den allgemeinen oder sozialen Arbeitsmarkt finden. Während bei diesem neuen Teilhabepaket eine Nachbeschäftigungspflicht entfällt, ist bei der Förderung von Kunden, die mindestens zwei Jahre erwerbslos sind ohne Prüfung der Minderleistung eine Nachbeschäftigungszeit von sechs Monaten vorgesehen. Der Zuschuss im ersten Jahr beträgt 75 Prozent, im zweiten Jahr sind es 50 Prozent. Über diese Form der Eingliederung möchte das Jobcenter 100 Langzeitarbeitslose vermitteln.

Der Bund lässt sich die Integration der Erwerbslosen viel Geld kosten. In den nächsten fünf Jahren sollen vier Milliarden Euro für die Förderung aufgewendet werden. Allein das hiesige Jobcenter soll jährlich 2,3 Mio. Euro erhalten.
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