29.09.2018

Infusionspaket fürs Heilbad

Lippstadt.(-ger) Das Heilbad schwächelt. Und ausgerechnet das Zugpferd von Bad Waldliesborn, die Therme, wird von Mal zu Mal ein größerer Sanierungsfall. Die Freizeit- und Tourismusberatung ift Köln/Potsdam hat nach Vorstellung erster Untersuchungsergebnisse im Mai am vergangenen Montag im Rat der Stadt klare Empfehlungen für die Zukunftssicherung des Kurortes geliefert, in denen nicht nur die Sanierung der Therme eine wichtige Rolle spielt, sondern mit denen auch tiefgreifende organisatorische Veränderungen zur Abstimmung gestellt werden. So könnte künftig eine gemeinsame Marketing-Abteilung von Touristik & Marketing sowie Kultur und Werbung (KWL) geschaffen werden oder unter dem Dach einer möglichst personell verstärkten KWL auch die Touristik-Information Bad Waldliesborn mit ihrem ganzen Paket aus Programmen, Werbung und Vertrieb agieren.

Höhere Tagesausgaben, mehr Übernachtungen und Tagestouristen sowie eine längere Aufenthaltsdauer sollen Walibo strukturell und finanziell eine gesicherte Zukunft bescheren. Hohe Aufenthalts- und Lebensqualität, ein florierendes Gemeinwesen und erfolgreiche Betriebe stellten sich die Teilnehmer eines Workshops im April vor. An Strategien fehlt es nicht. Das bestehende Freizeit- und Beherbergungs- sowie Shoppingangebot einschließlich Infrastruktur sollen ausgebaut und attraktiver werden. Tagesgäste sollen ein größeres Angebot erfahren. Im Pflichtenheft steht ebenso die Attraktivierung des Kurparkes. Um erfolgreicher handeln zu können, wird Bad Waldliesborn stärker positioniert und ein zielgruppengerechtes Marketing forciert. Nicht zuletzt sehen die Szenarien ein gutes Management, Kooperation und den Austausch und die Bündelung von Aufgaben vor. Nach gründlicher Analyse des Bestands und einem „Zukunftscheck“ schlägt ift-Chef Jan Kobernuß die Fokussierung auf die Schwerpunkte Wellness und Tourismus vor.

Den bunten Strauß aus Handlungsfeldern, Projekten und Maßnahmen leitete der Gutachter mit einer Aufwertung der kurörtlichen Infrastruktur ein. Unter den diversen Prüfaufträgen hob er einen Barfußpfad, attraktive Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten, Adventuregolf, Disc-Golf, ein Erfahrungsfeld, einen Wasserspielplatz und ein Schmetterlingshaus hervor. Dringend sind die Sanierung und der Ausbau der Therme. „Das ist der Magnet“, betonte Kobernuß. 200.000 Besucher im Jahr sind hier die Ansage. Ein neues Wellnesshotel und ein neues Golfhotel schob der Gutachter in die Diskussion und regte Wohnmobilstellplätze an der Therme an. Sie sind für den Gutachter ebenso kurzfristig machbar wie eine Ferienwohnungs-Offensive. Das Nutzungskonzept für das „überdimensionierte“ Haus des Gastes stellt Kobernuß aus Gründen der Effizienz um. Das Veranstaltungsprogramm soll neu ausgerichtet werden und die Tourist-Information in das belebte Gesundheitszentrum umziehen. Am alten Standort möchte der Gutachter lediglich den Veranstaltungssaal erhalten, weitere Flächen will er vermarkten. In die Abteilung ganz wichtig ordnet er die Freizeit- und Marketingberatung „Radfahren plus“, niedrigschwellige Gesundheitsangebote und den Wegweiser Aufenthaltsgestaltung „Stundenplan plus“ ein. Kurzfristig soll Walibo als „Insel der Ruhe“ vermarktet werden. Das Konzept „Freizeit plus“ mit hoher Bedeutung steht für neue freizeittouristische Angebote am Ortsrand.

Ohne verstärkte Marketingmaßnahmen wird es aus Sicht des Gutachters keine grundlegende Verbesserung im Kurort geben. Kobernuß initiiert deshalb den Gedanken einer Verschmelzung der Werbeaktivitäten von Kultur und Werbung Lippstadt und der Touristik und Marketing in Bad Waldliesborn. Möglich sind für den Gutachter eine gemeinsame Werbeabteilung oder eine KWL als Dachgesellschaft mit den Tourismusinformationen an den zwei Standorten Lippstadt und Bad Waldliesborn. Die KWL werde damit insgesamt leistungsfähiger, weil eine größere Einheit geschaffen werde. Der Referent wies dabei darauf hin, dass Gesundheitstourismus „Marketing für Fortgeschrittene“ sei, die derzeitige KWL sei dazu nicht in der Lage.

In ersten Reaktionen wurde die Bereitschaft der Bad Waldliesborner unterstrichen, die Zukunft des Kurortes aktiv in die Hand zu nehmen, signalisierten Mathias Marx (SPD) und Wolfgang Helmig (CDU) die Bereitschaft der Bürger zu Investitionen. Dass dabei der eine oder andere Schubs helfen könnte, blieb nicht unerwähnt. Axel Bohnhorst von der CDL rückte die Therme in den Fokus, sie sei der zentrale Punkt. Das sah der Gutachter nicht anders. Wenn es auf Dauer hier keine Bewegung gebe, dann werde sich auch nichts im Umfeld tun. Die Signaloffensive komme in der Regel von der öffentlichen Hand. Bürgermeister Christof Sommer betonte, die Vorbereitungen in Sachen Therme seien gestartet, allerdings sei die Aufgabe sehr komplex. Auch deshalb, weil Lippstadt „nur bedingt Eigentümer“ ist, wie Josef Franz (CDU) anmerkte und abermals „große Bedenken“ anmeldete. 95 Prozent der Geschäftsanteile liegen bei der Bäder-Holding in Bad Sassendorf.
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