20.10.2018

Strompreis stabil, Gas wieder teurer

Lippstadt. (-ger) Zwar kann und will Stadtwerke-Geschäftsführer Siegfried Müller seinem Aufsichtsrat nicht vorgreifen, aber für die Stromkunden des Unternehmens hält er gute Nachrichten bereit: „Wir gehen davon aus, dass der Strompreis stabil bleibt.“ Und das sowohl für Kunden in der Grundversorgung ohne längere Bindung als auch die Abnehmer von „Strom von hier“.

Sondervertragskunden, die inzwischen die Hälfte der Verträge halten, zahlen bei jährlicher Bindung damit weiterhin 22,75 Cent die Kilowattstunde, Kunden in der Grundversorgung mit 14-tägigem Kündigungsrecht 24,19 Cent. Der kommunale Energieversorger war 2016 mit seinem neuen Tarifmodell „Energie von hier“ an den Markt gegangen und hatte für Kunden mit jährlicher Tarifbindung Vorzugskonditionen eingeräumt. Dieses Modell soll im kommenden Jahr fortgeführt werden, wobei Kunden in der Grundversorgung jederzeit in den günstigeren Tarif wechseln können. Gegenüber der Grundversorgung kann ein Haushalt im „Von-hier-Strom“ mit einem Jahresverbrauch von 4.500 kWh 64,35 Euro sparen, statt 1.088,10 Euro werden dann lediglich 1.023,75 Euro fällig. Die Entscheidung über die neuen Arbeitspreise trifft der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am 7. November. Bis dahin sind auch die letzten Kalkulationsbestandteile des Strompreises bekannt.

Anfang der Woche hatten die Übertragungsnetzbetreiber die neue Umlage für die Erneuerbare Energien (EEG) bekanntgegeben. Sie fällt im neuen Jahr leicht von 6,792 auf 6,405 Cent je Kilowattstunde. Ursachen sind der gestiegene Börsenpreis für Energie und ein gut gefülltes Ausgleichskonto. Allerdings wird dieser Kostenvorteil wieder aufgefressen durch die Anhebung der sogenannten Offshore-Netzumlage, früher als Offshore-Haftungsumlage bezeichnet. Diese Umlage geht nämlich um 0,379 Cent auf 0,416 Cent pro Kilowatt in die Höhe. Mit diesem Kostenbeitrag werden alle Herstellungskosten für die Offshore-Windparks vor den Küsten gehandelt. Erst am 25. Oktober werden drei weitere Umlagen bekanntgegeben: die Stromnetzentgeltverordnung für die Großindustrie, die Abgabe für sogenannte abschaltbare Lasten und die Umlage für die Kraft-Wärme-Kopplung. Bei den Netzentgelten, die rund ein Fünftel des gesamten Strompreises ausmachen, dürfen sich die Stadtwerke über sinkende Aufwendungen freuen. Für das Unternehmen fällt das Entgelt im kommenden Jahr um 0,55 Cent auf 4,07 Cent je Kilowattstunde. Müller nennt im Gespräch den Grund: „Weil wir ein 100-prozentig effizienter Netzbetreiber sind, sagt die Bundesnetzagentur.“

Während die Kaufleute bei den Stadtwerken keine Tarifveränderungen beim Strom in Aussicht stellen, sehen die Kalkulationen für Gas anders aus. Auslöser sind maßgeblich höhere Beschaffungskosten und auch dort Umlagen. Einkalkuliert werden müssen die Konvertierungsumlage für die Umstellung von L- auf H-Gas (H-Gas hat den höheren Brennwert) von 0,0075 Cent im Zeitraum 1. Oktober 2018 bis 30. September 2019 und eine Bilanzierungsumlage für die marktgebietsverantwortlichen Netzbetreiber, die mit 0,073 Cent je Kilowattstunde zu Buche schlägt, rechnet der Stadtwerke-Geschäftsführer auch die Feinheiten seiner Preisgestaltung vor. Im Gegensatz zum Strom werden die Netzentgelte um 0,03 Cent leicht höher. „Der Gaspreis wird steigen“, kann Müller keine Hoffnung auf konstante Preise machen und nennt gleich eine beachtliche Hausnummer. Seine Schätzungen liegen bei einem Plus von 8 bis 10 Prozent. Auch darüber entscheidet der Aufsichtsrat im November. Seit 2013 sind die Gaspreise fortlaufend gesunken, von 2017 nach 2018 blieben sie stabil. Nach den neuen Berechnungen würde der Tarif auf das Niveau von 2015 zurückgeführt. Zurzeit zahlt der Kunde in der Grundversorgung 4,61 Cent für die Kilowattstunde, der Sondervertragskunde im Tarif „von hier“ 4,53 Cent. Ein Musterhaushalt mit Sondervertrag und einem Jahresverbrauch von 25.000 kWh genießt bei Kosten von 1.132,50 Euro einen Vorteil von genau 20 Euro gegenüber einem Kunden in der Grundversorgung.

Keine Veränderung steht beim Wasserpreis ins Haus. Hier bleibt es bei 1,07 Euro pro Kubikmeter einschließlich Steuern. Als Vorstand der Anstalt öffentlichen Rechts (AöR), die in Lippstadt die Stadtentwässerung übernimmt, hat Müller auch Kenntnis von der Entwicklung beim Regen- und Schmutzwasser. Der Verwaltungsrat, lässt Müller wissen, habe bereits eine Empfehlung abgegeben. Darüber werde zunächst im Haupt- und Finanzausschuss Ende Oktober und final im Rat am 5. November beraten. Eine Tendenz zeigt der Vorstand aber schon auf: Beim Schmutzwasser geht’s nach unten, die Regenwassergebühr soll gehalten werden. Gegenwärtig liegt die Regenwassergebühr bei 0,59 Euro pro qm, für Schutzwasser werden 2,83 Euro pro Kubikmeter verlangt.
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