24.11.2018

Keine Mehrheit für „Wohnschiff“

Lippstadt.(-ich) Grundsätze zur städtebaulichen Entwicklung für den Bereich des Bebauungsplans Nr. 314 „Post Lippertor“ hat der Stadtentwicklungsausschuss in seiner Sitzung am Donnerstag beschlossen.
In den Entwicklungsgrundsätzen heißt es: „Es wird die Entwicklung eines Quartiers mit eigener Identität angestrebt, welches den vorhandenen freiräumlichen Qualitäten gerecht wird, ein bauliches Pendant zu diesen darstellt und sich mit diesen sinnvoll vernetzt.

Der „öffentliche“ Charakter der Insel muss insbesondere im Bereich der Post und im Übergang zwischen Stadt und Landschaft spürbar werden. Bauflächen/Gebäude müssen so beschaffen sein, dass sie keine erneute Barriere im Gebiet darstellen.

Als räumlicher Bestandteil der historisch gewachsenen Altstadt ist ein gewisses Maß an gestalterischer Heterogenität (Gebäudemaße, Höhenentwicklung, Fassadengestaltung, etc.), Vielfältig- und Kleinteiligkeit wünschenswert.
Es soll ein Wohnstandort mit ergänzenden öffentlich-wirksamen Nutzungen an geeigneten Stellen entwickelt werden. Darüber hinaus könnte im Bereich der Straße „Lippertor“ ein kleinteiliges Angebot der Nahversorgung und Dienstleistung entstehen.

Dennoch sollte aufgrund der zentralen Lage und der vorhandenen Freiraumqualitäten im Umfeld auf großzügige private Freiflächen verzichtet werden. Eine angemessene Dichte sollte vielmehr zur Entstehung einer eigenständigen Identität des Standortes beitragen und Urbanität erkennbar und erlebbar machen.

Entgegen den Zielvorstellungen des integrierten Handlungskonzeptes und der Gestaltungssatzung für die Innenstadt könnte durch die besondere Lage des Standortes auch der Anspruch an eine eigene Bebauungstypologie /-morphologie geltend gemacht werden.

Als Trittstein zum „Grünen Winkel“ gilt es den Standort in dieser Funktion zu qualifizieren. Ergänzend zu den bereits vorhanden Wegeverbindungen sollen weitere Fuß- und Radwege die Querbarkeit und Vernetzung fördern. Dazu gehören insbesondere Verbindungsmöglichkeiten über das Gelände der Post in Nord – Süd Richtung.

Aktuell behindert das abgeschlossene Postgelände die Wahrnehmbarkeit des „Grünen Winkels“. Durch die Umgestaltung des Postgeländes soll die Barriere zwischen Stadt und Freiraum aufgehoben werden und ein erkennbarer Eingang in den Landschaftsbereich an der Straße „Lippertor“ entstehen.
Weitere Möglichkeiten des Aufenthalts und die Aufwertung der Grünstrukturen können die lokalen Freiraumpotenziale freisetzen und erlebbar machen.
Der motorisierte und ruhende Verkehr ist so zu organisieren und zu gestalten, dass seine uneingeschränkte Funktionsfähigkeit gegeben ist ohne die freiräumlichen Potenziale des Standorts zu beeinträchtigen.“
Weil es sich beim Postgelände um eine Potenzialfläche von gesamtstädtischer Bedeutung handelt und um die Entwicklungsgrundsätze zu diskutieren, wurde das Thema am 13. September dem Gestaltungsbeirat der Stadt zur Beratung vorgelegt. Hierzu waren auch Vertreter der Investorengruppe des „Wohnschiffs“ geladen, denen dadurch Gelegenheit zur Präsentation und Erläuterung der Projektidee gegeben war.

Abschließend sprach sich der Beirat für die Entwicklungsgrundsätze der Verwaltung aus. Es wurde festgestellt, dass das „Wohnschiff“ in der dargestellten Form mit diesen Grundsätzen nicht im Einklang steht. Als nächste Schritte empfahl der Gestaltungsbeirat zunächst eine Bestätigung der Entwicklungsgrundsätze durch Beschluss des Stadtentwicklungsausschusses einzuholen.

Die Chance zur Errichtung eines städtebaulichen, architektonischen Highlights zur Profilierung der Standortidentität ist auch aus Sicht der Verwaltung gegeben. Innovative Lösungen und Akzentsetzungen für diesen Bereich sind nach Meinung der Verwaltung nicht ausgeschlossen. Allerdings könne ein solcher Akzent und dessen Wirkung auch ohne maßstabssprengende Bauvolumina entstehen.
Die Verwaltung wurde vom Fachausschuss beauftragt, auf der Grundlage der in der Vorlage definierten Grundsätze zur städtebaulichen Entwicklung des Areals zwischen der Straße Lippertor, dem Schifffahrtskanal und der Lippe mit dem Investor für das „Postgelände“ in Kontakt zu treten, um alternativ zum Projekt „Wohnschiff“ Entwicklungsszenarien zur baulichen Ausgestaltung auszuarbeiten.
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