11.11.2017

Zwei allerbeste Töchter

Lippstadt.(-ger) So eine Tochter hat man doch gerne. Einen Tag vor dem Weihnachtsmonat kassiert die Stadt bei den Stadtwerken ab. Dann überweist der kommunale Versorger für das letzte Geschäftsjahr 2,75 Mio. Euro an die Gesellschafterin. Die Mittel fließen dem allgemeinen Haushalt zu und stärken die Finanzkraft der Kommune. Stadtkämmerin Karin Rodeheger rechnet fest mit dem Betrag. Der Aufsichtsrat des Unternehmens hat schon vor Inkrafttreten des neuen Gewinnverwendungsbeschlusses für 2018 bis 2022 grünes Licht für die Überweisung gegeben.

Das städtische Energieunternehmen mit einem Gesamtumsatz von 111,8 Mio. Euro erzielte einen Jahresüberschuss von 5,69 Mio. Euro. Den Differenzbetrag aus Überschuss und Gewinnausschüttung soll der Gewinnrücklage zugeführt werden. Der Versorger erhöhte seine Eigenkapitalquote um drei Prozent auf nunmehr 46 Prozent. Der Anteil der langfristigen Verbindlichkeiten an der Bilanzsumme nahm von 14 auf 21 Prozent zu. Wie das Unternehmen in seinem Wirtschaftsbericht aufzeigt, zeigte das Geschäftsjahr im „technischen, kaufmännischen und organisatorischen Bereich einen positiven Verlauf“. Das Unternehmen ist schon seit einigen Jahren auch außerhalb des eigenen Netzgebietes aktiv. Mit Beteiligungen an verschiedenen Vertriebsgesellschaften möchten die Stadtwerke neue Kunden gewinnen und den Stammkundenbereich stabilisieren. Die Beteiligungen an den Vertriebsgesellschaften sind laut Unternehmensbericht weiterhin erfolgreich. Höhere Erwartungen dämpfen die Stadtwerke aber: „Mittlerweile sind auch hier die Zeichen auf Stabilisierung gestellt, größere Kundengewinne sind für die Zukunft nicht mehr zu erwarten.“ Die Stadtwerke steigerten in allen drei Sparten ihren Absatz. Beim Strom gingen die Verkaufserlöse wegen des Mitte letzten Jahres eingeführten neuen Tarifangebotes zurück. Unter dem Strich blieben 1,815 Mio. Euro übrig. Auch beim Gas nahmen die Erlöse mit dem neuen Tarifmodell ab, allerdings gingen die Aufwendungen einschließlich Gasbeschaffung noch stärker zurück. Das Spartenergebnis erreichte vor allem wegen des günstigen Einkaufs 4,28 Mio. Euro. Im Geschäftszweig Wasser legten Umsatz, aber auch Betriebsaufwendungen zu. Unter dem Strich generierte diese Sparte einen Gewinn von 120.000 Euro. Dem Millionenplus stand auch ein Millionenminus gegenüber. Das Kombibad der Stadtwerke schloss erwartungsgemäß mit einem Verlust ab. Im Betriebsjahr 2016 waren das 1,14 Mio. Euro. Für das laufende Geschäftsjahr erwarten die Stadtwerke gemäß Plan ein Ergebnis von 2,8 Mio. Euro nach Steuern. Der Vertreter der Stadt in der Gesellschafterversammlung des Unternehmens wird dem Aufsichtsrat der Stadtwerke Entlastung erteilen, das beschloss der Haupt- und Finanzausschuss bei Enthaltung der Linken am vergangenen Montag.

Schon auf das städtische Konto eingezahlt hat die Stadtentwässerung. Die Anstalt öffentlichen Rechts führte die Verzinsung des Eigenkapitals mit 6,45 Prozent ab, das waren 3,46 Mio. Euro. Die Gelder flossen der Kommune schon im letzten Jahr in vier Abschlägen zu. Die Bilanz der AöR weist für das Geschäftsjahr 2016 eine Endsumme von 103,35 Mio. Euro aus. Die Gewinn- und Verlustrechnung schließt mit einem Jahresüberschuss von 6,17 Mio. Euro. Der nach Zahlung der Verzinsung verbleibende Überschuss von 2,72 Mio. Euro erhöht die Gewinnrücklage. Die Stadtentwässerung AöR nahm 2005 ihren Betrieb auf. Die Eigenkapitalquote erreicht nach einer weiteren Verbesserung um drei Prozent inzwischen 56 Prozent. „Die Investitionen in Höhe von 1,921 Mio. Euro wurden in voller Höhe aus Ausschreibungen finanziert“, heißt es im Lagebericht des Unternehmens. Die Entschuldung schritt erwartungsgemäß mit 2,35 Mio. Euro voran, im Vorjahr wurden die Verbindlichkeiten um 3,27 Mio. Euro reduziert. „Die wirtschaftliche Lage ist als gut zu bezeichnen“, fasst Vorstand Siegfried Müller zusammen und untertreibt damit eher. Denn: Mit einer Eigenkapitalquote von 56 Prozent des Gesamtkapitals ist die Vorjahresrate nicht nur wieder gestiegen, die Quote liegt damit „im oberen Bereich der üblichen Ausstattung einer Anstalt des öffentlichen Rechts“. Wo geht die Reise hin? „Langfristig strebt die Anstalt eine moderate Stärkung der Eigenkapitalquote an“, schreibt Müller. Für das neue Geschäftsjahr geht die Stadtentwässerung von einer „Fortführung der positiven wirtschaftlichen Entwicklung“ aus. Darauf darf sich dann auch die Stadtkämmerin freuen.
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