11.11.2017

Gestaltungsbeirat kein Geschmacksausschuss

Lippstadt.(-ich) Eine andere und manchmal neue Sicht der Dinge soll der mit externen Experten besetzte Gestaltungsbeirat auf die städtebauliche Entwicklung der Innenstadt ermöglichen. Er soll Architekten, Bauherren und die Stadtplanern der Verwaltung im Bedarfsfall beraten. Um die Entfaltung der Altstadt in einem geordneten Rahmen zu halten ist die Arbeit des Gestaltungsbeirates auf der Basis der Gestaltungssatzung unerlässlich, darin sind sich Heinrich Horstmann, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Bauen, Fritz Burghardt, Fachdienstleiter Bauordnung und Denkmalschutz, und der städtische Denkmalpfleger Dieter Mathmann im Gespräch mit LaS einig. Seit seiner Konstituierung 2009 habe der Beirat wichtige Arbeit geleistet, stimmen die Fachleute der Stadtverwaltung überein und erläuterten die Aufgabenfelder des unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagenden Gremiums.

Der Beirat soll die Verwaltung bei der Durchführung der Gestaltungssatzung unterstützen, erklärte Horstmann. Außerdem gehört es zu seinen Aufgaben, neutral zu beraten, weshalb nur die vier externen Fachleute (Architekten und Stadtplaner aus privaten Büros) neben dem Vorsitzenden des städtischen Stadtentwicklungsausschusses, Dr. Bernd Neuhoff, stimmberechtigt sind. „Der Sachverstand von außen gewährleistet den neutralen Blick“, betont Horstmann. Die Fachfrauen und -männer sind in der Lage, auch als externe städtebauliche Zusammenhänge schnell zu erfassen und die Projekte im Gesamtbild zu betrachten, unterstreicht Fachdienstleiter Burghardt die Kompetenz der Beiratsmitglieder, die unterschiedlichen Altersgruppen angehören. Das beratende Gremium spricht Empfehlungen aus, um das Optimum aus den jeweiligen Neubauprojekten oder solchen Projekten, an denen größere Veränderungen vorgenommen werden sollen, herauszuholen.

Der Gestaltungsbeirat, so Denkmalpfleger Mathmann, sei kein Geschmacksausschuss der moderne Architektur verhindern solle, sondern seine Aufgabe sei es, alternative Sichtweisen zu entwickeln und architektonische Auswüchse abzumildern. Der Beirat sei keine Prüfungskommission, vor der die Architekten, die ihren Bauherren verpflichtet seien, Rechenschaft ablegen müssten, stellt Fritz Burghardt klar. Es handele sich um Projekte, die nicht einfach zustimmungsfähig seien. Architekten und Bauherren sollten durch die Beratung im Beirat vor langen Verfahrensverläufen geschützt werden.
In den Genuss dieser Beraterfunktion kommen auch Bauherren, die bei den Sitzungen anwesend sind, wenn es um ihre Pläne geht, die dann und wann schon mal übermäßig von wirtschaftlichen Interessen bestimmt sind. Manchmal sind die Wunschvorstellungen auch größer als angemessen. Oft werden nur Details überplant.

Seit 2013 ist auch die Politik mit im Boot und jede Fraktion mit einem beratenden Mitglied im Beirat, der in der Regel projektbezogen zwei Mal pro Jahr tagt, vertreten.

Der Beirat spricht auch für bestimmte Stadtquartiere Empfehlungen aus. Dies war beispielsweise für den Bereich Blumenstraße der Fall, für den der Gestaltungsbeirat empfohlen hat, einen Bebauungsplan aufzustellen, um unter anderem die Anzahl der Geschosse zu definieren. Der Beirat kümmert sich aber nicht nur um architektonische Belange, vielmehr beschäftigt er sich ferner mit der Freiflächenplanung, mit der Vorbereitung von städtebaulichen Wettbewerben und mit der Installation von Kunst im öffentlichen Raum.

Die Gestaltungssatzung, die wie gesagt die rechtliche Grundlage für die Arbeit des Beirates bildet, ist bei ihrer Verabschiedung nicht überall mit offenen Armen aufgenommen worden. Im Jahr 2015 wurde sie dann überarbeitet und neu verabschiedet. Anfang 2018 soll sie in einer Broschüre veröffentlicht werden. In der Broschüre werden unter anderem positive und negative städtebauliche Beispiel in der Innenstadt dargestellt. Die Satzung gibt der Verwaltung Regeln an die Hand, um Veränderungen anregen zu können. So legt die Satzung beispielsweise in Paragraph 9 fest: „Antennen, Solaranlagen, Mobilfunkeinrichtungen, Parabolantennen, Klimageräte und sonstige technische Anlagen dürfen vom öffentlichen Verkehrsraum nicht sichtbar sein.“ Durch die neue Satzung ist die Verwaltung handlungsfähiger geworden, stellte Mathmann fest, wodurch die Anzahl der Beiratssitzungen zurückgegangen ist. Nur bei strittigen oder großen Projekten sei Beratungsbedarf vorhanden. Als aktuellen Fall führte Burghardt die Veränderungen am ehemaligen es+pe-Gebäude (Lange Straße/Ecke Rathausstraße) an. Auf Grundlage der Satzung, deren Änderungen auch im Beirat beraten wurden, konnten die Veränderungen diskutiert und umgesetzt werden.

Gleichzeitig hat sich durch die Regeln in der neuen Satzung die Rechtssicherheit erhöht, da die Satzung konkreter geworden ist und etwa die RAL-Farben für zu verwendende Dachziegel festlegt.
„Im Ergebnis hat der Gestaltungsbeirat gute Arbeit geleistet“, stellte Fachbereichsleiter Horstmann bilanzierend fest.
zurück zur Artikelübersicht