25.11.2017

Rückkehr zum Abi nach neun Jahren

Lippstadt. (-ger) G8 oder G9, das ist hier die Frage. Geht es nach der neuen Landesregierung, dann wird der gymnasiale Bildungsgang in der Regel nach neun Jahren abgeschlossen. Weil aber kein unerheblicher Anteil von Schülern, Eltern und auch Lehrern für die Beibehaltung des „Turbo-Abiturs“ plädiert, werden die Schulen auch weiterhin die Möglichkeit erhalten, das schnelle Abi anzubieten.
Noch gibt es lediglich einen Referentenentwurf aus Düsseldorf, doch die ersten wegweisenden Entscheidungen auf lokaler Ebene sind gefallen. So haben sich bereits drei der vier Gymnasien in der Stadt für die Rückkehr zur alten Regelung entschlossen, lediglich die Evangelische Kirche hat noch keinen Beschluss für das EG getroffen. Die Umstellung auf G9 soll grundsätzlich mit dem Schuljahr 2019/20 beginnen, informierte Fachbereichsleiter Manfred Strieth am Dienstagabend im Schul- und Kulturausschuss, aber sie hat Rückwirkung auf den 5. Jahrgang. Die Anmeldungen zum nächsten Schuljahr erfolgen im kommenden Februar. Schulträger bzw. Schulkonferenzen stehen bzw. standen vor der Aufgabe, ohne Kenntnis der maßgeblichen gesetzlichen Rahmenbedingungen entscheiden zu müssen. Die Verabschiedung des neuen Schulgesetzes in NRW ist nach Angaben Strieths vor den Sommerferien des nächsten Jahres geplant. Bei öffentlichen Schulträgern trifft die Schulkonferenz der jeweiligen Schule den Beschluss über die Beibehaltung von G8, bei freien Trägern oder privaten Schulträgern beschließt üblicherweise der Schulträger über die Rückkehr zu G9. Bei öffentlichen Schulen steht dem Schulträger ein Veto zu. Das einzige städtische Gymnasium, das Ostendorf, wird seinen Schülern wieder mehr Zeit bis zum Abitur einräumen. Das lässt die Stadt auch so stehen. „Trotz einer im Grundsatz politisch einvernehmlichen G8-Einführung im Jahr 2005 hat die praktische Umsetzung von G8 nicht dauerhaft die notwendige Akzeptanz an Schulen und in der Öffentlichkeit gefunden“, machte der Fachbereichsleiter in seiner Vorlage für den Fachausschuss deutlich. Was an der Unzufriedenheit der Eltern durch das Volksbegehren unter dem Slogan „G9 jetzt!“dann auch unübersehbar geworden ist. Die Begeisterung für die Kehrtwende an den Schulen gefiel nicht allen Ausschussmitgliedern. So wünschte sich die kulturpolitische Sprecherin der SPD, Dr. Yasmine Freigang, dass weiterhin eine Schule in der Stadt weiter G8 anbietet. Aus Gründen der Vielfalt, erklärte sie. Diesen Wunsch könnte nun nur noch das EG erfüllen.
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