14.04.2018

Mehrweg statt Einweg-Wahn

Lippstadt.(-ger) Weil auch in Lippstadt täglich viele Einwegbecher benutzt werden, wird die Verwaltung die Einführung eines Kaffee-Mehrwegbechersystems prüfen. Der Rat der Stadt folgt damit einem Antrag der Grünen-Fraktion. „Einmal genutzte Kaffeebecher stehen wie kaum ein anderes Produkt für unsere Wegwerfgesellschaft“, begründeten Cordula Ungruh und Ursula Jasperneite-Bröckelmann für ihre Fraktion die Initiative. Allein diese Becher seien für 40.000 Tonnen Müll verantwortlich.

Nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe werden in Deutschland pro Stunde 320.000 Einwegbrecher gebraucht. Städte wie Freiburg, Hamburg oder Bielefeld hätten sich auf den Weg gemacht und ein Mehrwegsystem eingeführt, insistierten die beiden Fraktionsvertreter in einem Schreiben an Bürgermeister Christof Sommer. Die drei genannten Kommunen nutzen unterschiedliche Mehrweg- bzw. Rabattmodelle. Die Lippstädter Verwaltung hat Kontakt zu den Unternehmen aufgenommen, die das Pfandsystem in Freiburg und das Mehrwegsystem in Bielefeld realisieren oder an der Umsetzung arbeiten, so wie Paderborn an einem Pfandbecherkonzept nach Freiburger Vorbild. Die zwei beteiligten Unternehmen berichten nach Mitteilung von Stadtpressesprecherin Julia Scharte von „einer grundsätzlich positiven Haltung sowohl von Cafébetrieben als auch der Bevölkerung zur Mehrwegidee“. Die Lippstädter Verwaltung hat vor Ort bei Bäckereibetrieben und Cafébetreibern vor allem in der Innenstadt recherchiert, allerdings lasse die geringe Zahl der Rückmeldungen auf einen Frageboden noch keine qualifizierte Einschätzung zum Interesse der Betriebe und zu einem bestimmten System zu, informierte die Verwaltung den Stadtrat. Zwar findet der seit Oktober letzten Jahres in Bielefeld verkaufte Becher reichlich Abnehmer, doch wie in Freiburg werde auch in Bielefeld ein nicht unerheblicher Einsatz von personellen und finanziellen Ressourcen seitens der Verwaltung festgestellt. „Dies gilt auch, wenn die Organisation – wie in Paderborn und Freiburg – durch einen externen Dienstleister erfolgt“, konstatiert Scharte in ihrer Ratsvorlage. Um sachgerecht entscheiden zu können, sollen nun zunächst der tatsächliche personelle und sachliche Aufwand abgeklopft und die Erfahrungen mit den vorhandenen Systemen recherchiert werden. Die Stadt möchte überdies belastbare Aussagen über die ökologische Sinnhaftigkeit und mögliche Hygiene-Risiken erhalten. Selbstredend sollen die jeweiligen Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Systeme erwogen werden. Die Sensibilität für das Thema sei in Lippstadt bereits geweckt, stellte die Stadtsprecherin fest, erfolgreich sei ein einheitliches System aber nur dann, wenn es Anbieter und Nutzer gleichermaßen überzeuge, praktikabel und kostengünstig sei und im Vergleich zu bestehenden Systeme keine Nachteile bringe. „So einfach geht das nicht“, fasste Bürgermeister Sommer zusammen und verlangte in einem Schlusskommentar, dass der Aufwand „handfest“ gemacht werden müsse.

Einen Beschluss gab es auch noch. Der Rat beauftragte die Verwaltung, die Möglichkeiten der Einführung eines Mehrwegbechersystems für Lippstadt mit Bäckereien, Cafés, Bistros, Eiscafés, Restaurants, Kantinen, Tankstellen und weiteren potenziellen Anbietern abzustimmen und die Bereitschaft zur Mitwirkung zu eruieren. Über das Ergebnis will die Verwaltung den Rat dann unterrichten.
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