28.04.2018

Sehr positives Ergebnis nach historischem Jahr

Lippstadt.(-ger) Jubiläumsjahr, erfolgreiche Fusion mit der Sparkasse Erwitte-Anröchte, Modernisierung des Anbaus, energetische Sanierung der Hauptstelle und umfassende Sanierung der Filiale an der Overhagener Straße: „Das Jahr 2017 wird in die Geschichte der Sparkasse Lippstadt eingehen“, fasste Vorstandssprecher Jürgen Riepe am Mittwoch die außergewöhnlichen Herausforderungen zusammen. Hinzu kamen Belastungen aus der Niedrigzinsphase und eine weiter zunehmende Regulatorik. Am Ende blieben der Bank nach einem arbeitsreichen Jahr mit vielen vielen Überstunden der Mitarbeiter vor Steuern vier Millionen Euro übrig, unter Berücksichtigung der Verschmelzung jedoch ein „sehr positives“ Jahresergebnis, bilanzierte der Sparkassenchef und sprach von einer „ansehnlichen Entwicklung“.

Mit einer Bilanzsumme von 1,826 Mrd. Euro blieb das Kreditinstitut fast auf Vorjahreshöhe, viel wichtiger für das Haus ist aber die Kreditentwicklung. „Mit dem Anstieg um 36 Mio. Euro oder 2,6 Prozent auf rund 1,4 Mrd. Euro können wir zufrieden sein“, erklärte Vorstandsmitglied Peter Königkamp. Die Neuausleihungen im Kreditgeschäft erreichten im letzten Jahr den Rekordwert von 358 Mio. Euro. Dabei fragten Unternehmen und Selbstständige 235 Mio. Euro nach, Privatkunden liehen sich 123 Mio. Euro. Weitere 9,3 Mio. Euro flossen aus Vermittlungen an Verbundpartner. Der Run zum Eigenheim bescherte der Sparkasse neue Kredite über 91 Mio. Euro. Auch das Bauspargeschäft lief. Knapp 46 Mio. Euro konnten hier abgesetzt werden. Die Verträge werden in der gegenwärtigen Zinsphase als „gute Vehikel“ zur Zinsabsicherung geschätzt, erläuterte das Vorstandsmitglied. Im Maklergeschäft fanden 67 Objekte mit einem Wert von 9,5 Mio. Euro einen neuen Eigentümer. Für Königkamp unterstreichen diese Daten die Attraktivität der Region. Auf Privatkundenseite wie auf Seiten der Firmenkunden sei die Sparkasse ein starker Partner, unterstrich der Banker. „Durch die Fusion konnten wir unsere Kompetenzcenter weiter stärken und auch spezialisieren. So sind im Bereich der Firmenkunden nun 15 Firmenkundenberater und drei Assistenzen für die Kunden da.“ Ergänzt werde dies durch Spezialisten im Versicherungsbereich, Online-Banking und dem stark wachsenden Bereich „payment“ mit den verschiedensten Formen des Bezahlens, angefangen bei Bargeld und Kartenterminals und weiter mit dem Bezahlen per App bis hin zur Integration von Bezahlsystemen in Online-Shops. Die Zusammenarbeit des Firmenkundenbereichs mit der Abteilung Private Banking bei der Beratung der Geldanlagen im privaten oder gewerblichen Umfeld sei ebenfalls intensiviert worden. 15 der insgesamt 349 Mitarbeiter sind inzwischen im Sparkassen-Vermögensmanagement tätig. Umso mehr hat sich die Sparkasse über verschiedene Auszeichnungen für ihre Beratungsqualität gefreut. Fünf waren es im vergangenen Jahr, und in diesem Jahr seien schon weitere zwei hinzugekommen, dankte Königkamp den Kunden für ihr Vertrauen und das hervorragende Zeugnis.

Mit rund 1,359 Mrd. Euro bewegten sich die Kundeneinlagen auf Vorjahresniveau. Davon waren 80 Prozent Privatkunden-Einlagen, berichtete Vorstandsmitglied Frank T. Weber. Deutlich zugenommen hat das Wertpapiergeschäft. Ende des Jahres erreichte der Zuwachs 37 Mio. Euro. Damit kletterte der Bestand um 9 Prozent auf einen neuen Bestwert von 437 Mio. Euro. Dass die Kundschaft die Anlage bzw. Beimischung von Wertpapieren in der Niedrigzinsphase nutzt, zeigte die hohe Dynamik der Umsätze im Wertpapiergeschäft. Sie erreichten ein Gesamtvolumen von 307 Mio. Euro. Auch die längerfristige Anlage in Investmentfonds hat mit einer Steigerung um 4,3 Prozent auf 73,3 Mio. Euro deutlich zugelegt. Zum sehr guten Kundengeschäft haben auch Lebensversicherungen beigetragen. Das Renten- und Lebensversicherungsgeschäft erzielte ein Volumen von 24 Mio. Euro. Und noch eine Riesenzahl, mit der die Sparkasse ihre Marktführerschaft bestätigt sieht: Das Kundengeschäftsvolumen im Berichtsjahr wuchs um 2,5 Prozent oder 79 Mio. Euro auf 3,267 Milliarden Euro.

Banking heute geht immer weniger über die Filialen. „Das Geschäft in den Filialen wird sich in den kommenden Jahren nachhaltig verändern durch die steigende Nutzung der medialen Kanäle. Die Bedeutung von qualifizierter Beratung hingegen wird weiter zunehmen“, war Weber überzeugt. Bereits heute sind 31 Prozent der Kunden rein digital unterwegs. Zurzeit seien keine Veränderungen im Filialnetz geplant, hieß es dazu. Die Sparkasse unterhält gegenwärtig 27 Filialen (davon 16 personenbesetzt) in ihrem Geschäftsgebiet. Künftig könne sich der Kunde online nicht nur informieren und Terminvereinbarungen online vornehmen, sondern über sogenannte Selbstberatungslösungen bereits tiefergehende Angebote nutzen“, so das Vorstandsmitglied. Der Berater vor Ort könne dann im persönlichen Gespräch auf den Kundeneingaben aufbauen und gemeinsam dann die beste Lösung für die Kunden erarbeiten. Im Bereich der Serviceleistungen will die Sparkasse aber weiterhin für die Kunden da sein. Das neue Vorstandsmitglied in der Sparkasse Lippstadt hat sich mit den ab diesem Jahr greifenden Vorschriften nach dem „Markets in Financial Instruments Directive) MiFID 2 befasst. Das sperrige Regelwerk greift im Wertpapiergeschäft mit Kunden. Daraus erwächst der Sparkasse eine Aufzeichnungspflicht für telefonisch erteilte Wertpapieraufträge. „Unsere Telefonanlage war dafür gar nicht ausgelegt“, fügte Sparkassenchef Riepe hinzu. Und die Kosten gleich mit: 100.000 Euro. Eine weitere Herausforderung sah Weber in der Umsetzung der Europäischen Datenschutzgrundordnung. Sie tritt am 25. Mai in Kraft. Hierbei geht es um die europaweite Harmonisierung der bislang unterschiedlichen Datenschutzregelungen der EU-Mitgliedsländer. Die Sparkasse muss damit den Datenschutz in einigen Punkten weiter verschärfen, verdeutlichte Weber.

Lokale Präsenz mit persönlicher Beratung ist die eine Seite des Geschäfts, den Kunden sollen aber auch die zahlreichen neuen technischen Möglichkeiten geboten werden. Im letzten Jahr wurden in der Sparkassen-App die Funktionen „Kwitt“ als schlanker Weg der Geldüberweisung ohne TAN und die Fotoüberweisung eingeführt. Ab Mitte des Jahres werden 70 bis 80 Prozent der Händlerterminals die girocard kostenlos akzeptieren, erwartete Sparkassenchef Riepe. Das sei schon eine kleine Revolution. „Bis 25 Euro kann auch ohne Eingabe einer PIN bezahlt werden. Dabei werden alle Sicherheitsaspekte beachtet, und es hat auch Vorteile gegenüber der Zahlung mit Bargeld“, meinte Riepe. Weiter an der Innovationsfront geht es etwa ab dem zweiten Halbjahr mit dem Bezahlen via Smartphone. Überall dort, wo das kontaktlose Bezahlen mit der Karte bereits möglich ist, soll das Handy weitere Dienste übernehmen. „Google Assistant App“ wird ab Sommer Bankgeschäfte durch den Einsatz der eigenen Sprache ermöglichen, demonstrierte Werbechef Dirk Rabe eine weitere Innovation. Damit lassen sich Kontoabfragen und Banking-Anfragen auf Zuruf erledigen. Auch gehandicapte Kunden können so ihre Bankgeschäfte vereinfachen. Damit nicht genug bietet die Sparkasse ihren Kunden ab der Jahresmitte ein persönliches Dokumentenarchiv an. „esafe“ steht für ein elektronisches Postfach des Online-Bankings. Es wird nach der Beschreibung des Vorstandschefs die Möglichkeit schaffen, private Dokumente wie Tickets oder die Kopie des Personalausweises in einem sicheren Umfeld abzulegen. Die Funktion wird auch aus der Sparkassen-App verfügbar sein. „Das Besondere ist, dass der esafe im gesicherten Bereich des Online-Bankings angesiedelt ist und damit höchsten Sicherheitsansprüchen genügt“, betonte Riepe. Schließlich wird der Kundschaft im weiteren Verlauf des Jahres der Vertrauensdienst „YES“ zur Verfügung stehen. Damit besteht die Möglichkeit, sich online bei Dritten zu identifizieren und Verträge abzuschließen. Dadurch können Sparkassen-Kunden Zeit einsparen, und Verfahren wie Postident werden auf innovative Weise abgelöst“, beschrieb der Sparkassen-Sprecher die Vorzüge.

Nicht erst im letzten Jahr hat die Sparkasse ihre gesellschaftliche Verantwortung für die Region erkannt. Dennoch ragte im Jubiläumsjahr der Spendenwettbewerb anlässlich des 175-jährigen Bestehens heraus. „Die Resonanz war überwältigend, und durch das Voting seitens der Bürgerinnen und Bürger wurde eine sehr breite Palette an Vereinen quer durch das Geschäftsgebiet abgedeckt. Über 130 Vereine haben sich beteiligt“, beschrieb Vorstandsvorsitzender Riepe die Erfolgsgeschichte. Für die einzelnen Projekte habe es sage und schreibe über eine halbe Million Stimmen gegeben. Dieser große Zuspruch war auch der Grund für eine Spendenplattform für Vereine und Institutionen. Damit solle die Spendenbereitschaft der Bürger auch regional kanalisiert werden, erklärte der Bankensprecher. Die Initiative komme bestens an. 25 Projekte seien in gut einem halben Jahr erstellt worden, davon seien bereits neun mit einem Spendenvolumen von rund 27.000 Euro erfolgreich abgeschlossen worden. Weitere zehn dauerten noch an, laufend kämen neue Projekte hinzu. Die Sparkasse unterstützt erfolgreiche Vorhaben mit bis zu 750 Euro.

Mit Blick auf den Sparkassen-Konjunkturindikator Westfalen-Lippe und eigene Erfahrungen in den ersten Monaten geht die Sparkasse Lippstadt von einer starken Weiterentwicklung der Wirtschaft aus. Trotz globaler Risiken sei gegenwärtig keine Zurückhaltung feststellbar, ganz im Gegenteil eine deutliche Steigerung des Kreditgeschäftes, blickte Jürgen Riepe nach vorn. Der Indikator aus dem Frühjahr 2018 war um knapp vier Prozentpunkte auf den neuen Höchststand von 134,2 Punkten geklettert. In der Ziffer spiegelt sich das gewogene Mittel aus Geschäftslage und Zukunftsaussichten von rund 3.100 Unternehmen sämtlicher Branchen der Region wider. Gegenüber der Herbstumfrage hatten sich Lageeinschätzung und Geschäftserwartungen nochmals spürbar verbessert. „Diese Aussichten sind ein positives Signal und sprechen für den hiesigen Wirtschaftsraum. Es ist deshalb gut, dass die Sparkasse Lippstadt eine solide Ertragslage und entsprechendes Eigenkapital hat, um die Investitionen der Firmenkunden begleiten zu können“, so Riepe. Die Sparkasse Lippstadt betreut 8.000 Firmen- und Gewerbekunden sowie 102.000 Privatkunden.
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