22.09.2018

Messerattacke im Jugendamt

Lippstadt.(-ger) Heftiger Schock im Jugendamt der Stadt. Am frühen Donnerstagmorgen ist ein 39-jähriger Sachbearbeiter Ziel einer Messerattacke geworden. „Völlig überraschend“, so Stadtpressesprecherin Julia Scharte, habe eine 25-jährige Zuwanderin aus Somalia im Büro des Mitarbeiters ein handelsübliches Schälmesser mit einer Klingenlänge von sieben Zentimetern aus einer Jutetasche gezogen und sei auf den am Schreibtisch sitzenden Mitarbeiter losgegangen.

Der laut Polizeibericht psychisch kranken Frau war in der Vergangenheit das Sorgerecht für ihr zweijähriges Kind entzogen worden. Das Kind wurde daraufhin in einer Pflegefamilie untergebracht. Der Mutter war ein Besuchsrecht eingeräumt worden. Der nun angegriffene Mitarbeiter, ein erfahrener und speziell ausgebildeter Sozialarbeiter, war an der Entscheidung über die Entziehung des Sorgerechts beteiligt gewesen. „Es ging nicht um einen akuten Sorgerechtsentzug“, erläuterte die Pressesprecherin der Stadt. Deshalb sei der Angriff „aus dem Nichts“ gekommen. Der Mitarbeiter konnte den Notrufknopf drücken und so seine Kollegen alarmieren, erläuterte Scharte. Der Mitarbeiter habe in der „krassen Situation“ gut reagiert und die Frau mit den Beinen von seinem Oberkörper abhalten können. Trotz der Verletzung gelang es dem Mitarbeiter, das Büro abzusperren. Die Frau blieb so allein im Büro zurück. Die herbeigerufenen Beamten der Polizei nahmen die Frau, die noch im Besitz des Messers war, fest. Hierbei kam es zu keinem weiteren Übergriff, weder die Angreiferin noch ein Polizist wurden verletzt. Der verletzte Mitarbeiter wurde zur medizinischen Versorgung in ein Krankenhaus gebracht. Er konnte noch am gleichen Tag wieder entlassen werden, ist aber zunächst noch krankgeschrieben. Nach dem Vorfall wurde die Behörde in der Geiststraße geschlossen, tags darauf nahm das Jugendamt wieder seine gewohnte Arbeit auf. Die „unheimlich geschockten“ Mitarbeiter wurden durch die Psychosoziale Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt betreut. Laut Scharte gibt es eine Bedrohungssituation immer mal wieder, zu einem solchen Angriff sei es aber bislang noch nie gekommen. In dem von Helga Rolf geleiteten Fachdienst arbeiten 30 Mitarbeiter. Das städtische Jugendamt betreut durchschnittlich um die 50 Inobhutnahmen im Jahr, darunter sind auch freiwillige Trennungen, echte Sorgerechtsentzüge sind weit seltener. Scharte sprach von fünf bis sechs Fällen im Jahr.
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