20.10.2018

Sitzen wie in den Kammerspielen

Lippstadt. (-ger) Während auf der Baustelle die robusten Arbeiten laufen, befasste sich die Theaterkommission am Mittwochabend im Stadthaus mit weiteren Details der millionenschweren Sanierung des Kulturtempels. Doch auch diese Feinheiten machen, wie Fachbereichsleiter Heinrich Horstmann eingangs feststellte, die Qualität des Hauses aus.
Im Mittelpunkt der Debatte: die neue Bestuhlung. Wie nicht anders zu erwarten, gab es unterschiedliche Bewertungen, am Ende nahm der zuständige Projektbetreuer beim Architekturbüro d/b/d, Jörn Potthast, jedoch verwendbare Aussagen für einen Ausschreibungstext mit.

Nicht alle, aber einige Kommissionsmitglieder hatten die Gelegenheit ergriffen und waren im Vorfeld mit zu einer Bereisung in Einrichtungen in Gütersloh und Paderborn aufgebrochen. Zur Sitzung hatte die Verwaltung verschiedene Musterstühle mitgebracht, darunter auch den Sitz aus den Paderborner Kammerspielen. Diese Ausführung fand schon bei der Visite die größte Anhängerschaft, am Mittwoch gab’s dafür eine Bestätigung. Der Sitz hat einen hölzernen Rahmen, der dunkelgebeizt werden soll. Der Kommission war es wichtig, dass weiterhin ein optisch ruhiges Bild entsteht, wie die Grünen-Fraktionssprecherin Ursula Jasperneite-Bröckelmann plädierte. Es ging um die Ergonomie, den Sitzkomfort, Sitz- und Lehnenbreiten, aber auch die Bein- und Fußfreiheit. Beim einen oder anderen brach beim Anblick des alten Gestühls, das ebenfalls im Sitzungsraum aufgebaut war, Wehmut aus. So waren die Stühle für Dr. Yasmine Freigang (SPD) „superschön“. Aber die alten sind längst ausgebaut und bis auf wenige Exemplare verkauft oder entsorgt. Dabei wurde klar: Es wird bei der bisherigen Zahl der Stühle je Reihe bleiben. Der Vorsitzende des Seniorenbeirates, Martin Schulz, wies darauf hin, dass der Theaterbesucher längere Zeit vernünftig sitzen können müsse. Der Abstand müsse größer werden und es dürfe auf keinen Fall die Kniefreiheit leiden. Es geht um 800 neue Stühle. Der Rat der Stadt hat dafür das Budget um 380.000 Euro heraufgesetzt. Für die Aufarbeitung der Sitze waren zunächst 190.000 Euro angesetzt worden. Das Stadtparlament sattelte jedoch nach intensiver Abwägung der bleibenden Nachteile drauf und stellt nun bis zu 571.000 Euro für die Saalbestuhlung bereit. Möglicherweise kann die Belastung durch Sponsorengelder sinken. Eine solche Überlegung hatte Lipperodes Ortsvorsteher Otto Brand angestellt. Alle vorgestellten Sitze bewegten sich im Kostenrahmen von etwa 700 Euro, hieß es in der Sitzung. Nach Form und Funktion kamen die weiteren Schlüsselfragen: Welche Farbe und welches Material soll der Bezug haben? Hausherrin Carmen Harms von der Kultur und Werbung nannte ihre Favoriten: Blau, und bitte kein gewebter Stoff, sondern Velours. Wenn die Stadt schon so viel investiere, dann dürfe das auch für den Bürger sichtbar werden, meinte dagegen Dieter Holzhauer von den Christdemokraten Lippstadt (CDL). Die alten Stühle waren blau. Nun könnte ein Taubenblau oder ein Anthrazitton das Rennen machen. Eine abschließende Empfehlung gab es dafür nicht, sie war zum gegenwärtig Stand aber auch noch nicht notwendig. Die Kunst von d/b/d-Projektbegleiter Potthast wird nun darin liegen, den Ausschreibungstext für die Beschaffung der Bestuhlung so zu verfassen, dass möglichst der gewünschte Sitz auch den Weg ins Theater findet, machte Ressortchef Horstmann deutlich. Udo Strathaus (SPD) war sich sicher, das lasse sich über die Detaildarstellung und Qualitätsbeschreibung lenken. Wegen des Kostenvolumens der Theatersanierung muss die Bestuhlung europaweit ausgeschrieben werden.

Auch zwei Studenten der Hochschule Hamm-Lippstadt, die den gesamten Prozess der Sanierung des Theaters medial begleiten, hatten zuvor den aktuellen Stand der Arbeiten und den Kostenverlauf mitgenommen. Danach laufen die Vergabeverfahren für den Blitzschutz, die Elektrotechnik, den Rohbau und die Bühnentechnik. Nächste Gewerke sind der Trockenbau, Dacharbeiten, Metallbau, Medientechnik und die Belüftung. Seit der letzten Sitzung der Kommission ist es bei den ziemlich überraschenden Einsparungen bei den Vergaben in Höhe von 585.000 Euro geblieben, Mehrausgaben im Foyer, für Dacharbeiten und die Betonsanierung und Sicherheiten haben diesen Kostenpuffer aber auf 277.000 Euro schmelzen lassen. Das ist zwar eine beachtliche Größe, auf der Agenda stehen jedoch noch offenen Vergaben in einem Umfang von 11,54 Mio. Euro. Für die Sanierung des Stadttheaters hat der Rat der Stadt 16,6 Mio. Euro genehmigt. Gegenwärtig wird die Betonsanierung vorangetrieben. Parallel dazu wurden im Foyer Musterflächen für die Decken angelegt. Hier sprach sich die Kommission nach der Präsentation verschiedener Lochungen für eine rechteckige Variante aus, weil sie der gesamten Architektur des Gebäudes besser entspreche. Die Decken sollen etwas angehoben werden, um dem Raum einen luftigeren Eindruck zu verschaffen. In der 46. Kalenderwoche soll es mit Abbrucharbeiten weitergehen. Die Betonsanierung ist laut Plan in der 49. Kalenderwoche abgeschlossen. Dann starten auch die Gründungsarbeiten. Am Fertigstellungstermin Februar 2020 wird bislang nicht gerüttelt. Die Bürger werden die Baustelle am Samstag, 11. November, besichtigen können. Die bei der Stadt verantwortliche Projektsteuerin, Brigitte Schlaaff, kündigte in der Kommission einen offenen Baustellentag an. Details sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt werden.
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