27.10.2018

Trinkwasser gesichert

Lippstadt (-ger) Auch wenn der nicht enden wollende Sommer dieses Jahres den Gedanken nahelegt, müssen sich die Lippstädter keine Sorgen um ihre Trinkwasserversorgung machen. Die Prognosen bis 2050 lassen sogar eine Zunahme der relativen Niederschlagsmenge von zwei bis neun Prozent im Jahresmittel erwarten.

Vor allem vom Herbst bis zum Frühjahr wird es mehr schütten, nach einem Forschungsbericht des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zur Klimaauswirkung in Nordrhein-Westfalen und verschiedenen Untersuchungen zum Klimawandel wächst die Niederschlagsmenge um 14 Prozent, im Zeitraum 2071 bis 2100 über den Winter sogar um 19 Prozent.
Die Wissenschaftler rechnen ab der Mitte dieses Jahrhunderts übers ganze Jahr jedoch nur noch mit geringen Zuwachsraten von höchstens zwei Prozent, die Schwankungsbreite lässt aber auch eine bis zu vierprozentige Verringerung der relativen Niederschlagsmenge zu. Diese Daten sind dem Wasserversorgungskonzept für die Stadt zu entnehmen, das dem Haupt- und Finanzausschuss am kommenden Montag zur Beschlussfassung vorliegt. Nach der Mitte 2016 beschlossenen Novelle des Landeswassergesetzes müssen die Kommunen ein Konzept über den Stand und die zukünftige Entwicklung der Wasserversorgung erarbeiten und darlegen, dass die Wasserversorgung langfristig gesichert ist. Diese Verpflichtung besteht auch dann, wenn die Stadt die Versorgung einem Stadtwerk übertragen hat. Das ist in Lippstadt der Fall. Der von dem städtischen Versorger erstellte Plan wird erstmals der zuständigen Bezirksregierung in Arnsberg vorgelegt, zuvor beschlossen wird er im Rat der Stadt. Das Konzept ist alle sechs Jahren fortzuschreiben und erneut zur Genehmigung beim RP vorzulegen. Bleibt der Plan innerhalb von sechs Monaten ohne Beanstandung, darf die Stadt von einem ordnungsgemäßen Konzept ausgehen.
Die Lippstädter Wasserversorgung stützt sich auf zahlreiche, voneinander getrennte Wasserfassungsanlagen. In den letzten zehn Jahren haben die Stadtwerke durchschnittlich 4,1 Millionen Kubikmeter Grundwasser (Rohwasser) aus ihren Wassergewinnungsanlagen gefördert. Nach Abzug des Eigenbedarfs für die Wasseraufbereitung, die Rohrnetzspülung, Behälterreinigung und auch für Löschwasser wurden 4,05 Mio. Kubikmeter in das Versorgungsnetz eingespeist. Die größten Endabnehmer waren und sind die Bürger und das Kleingewerbe, die 3,24 Mio. Kubikmeter abnahmen, Großabnehmer und Industrie zapften 280.000 Kubikmeter ab. Eine beachtliche Größe erreicht auch die Abgabe für die eigenen Bäder sowie für Verwaltung und Technik in den Sparten Wasser und Gas, die immerhin ein Volumen von 27.000 Kubikmeter erreichte. In der Summe werden durchschnittlich 3,55 Mio. Kubikmeter Wasser an Endabnehmer verkauft. Das Delta aus Rohwassermenge und verkaufter Menge erklärt sich durch Schwund. Denn obwohl in die Kanalsanierung und -erneuerung viele Millionen Euro fließen, gibt es in dem 409 Kilometer langen Netz Undichtigkeiten und auch Rohrbrüche.
Das Gesamtentnahmevermögen übersteigt die benötigte Einspeisungsmenge. „Die öffentliche Wasserversorgung der Stadt Lippstadt ist somit auch im Havariefall sichergestellt“, erklärt der Fachdienst Stadtplanung und Umweltschutz in seiner Vorlage für den Hauptausschuss. Wie dort weiter ausgeführt wird, stehen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit Trinkwasser-Einspeisestellen der Aabachtalsperre, der Wasserversorgung Beckum und des Wasserwerkes Lörmecke zu Verfügung. Wesentliche Fassungsanlagen sind Lipperbruch und die Fichten. Sie liefern allein 3,41 Mio. Kubikmeter Rohwasser im Jahr. Damit erreichen sie einen Ausschöpfungsgrad von 91 Prozent der wasserrechtlich genehmigten Menge. Aus der Quelle Eikeloh und dem seit 2007 zugeordneten Tiefbrunnen TB 1 kommen 592.000 Kubikmeter (Ausnutzungsgrad: 28 Prozent) und aus der Fassung Mantinghausen 168.000 Kubikmeter im Jahr (Quote: 23 Prozent). Dieses Rohwasser wird in den Wasserwerken Lipperbruch, Fichten und Eikeloh aufbereitet.
Das Konzept benennt auch potenzielle Gefährdungen, etwa die landwirtschaftliche Nutzung, Kiesgewinnung, durch Altablagerungen, Wohnungsbau, Industrie und Gewerbe sowie Unfälle auf der Bundesautobahn für das Wasserwerk Eikeloh. Auch die qualitativ mikrobiogische Gefährdung durch die wachsende Gänsepopulation am Zachariassee findet hier ihren Niederschlag. Zur langfristigen Sicherstellung der öffentlichen Wasserversorgung werden kurz- und langfristige Vorhaben aufgeführt, darunter die Festsetzung von Naturschutzgebieten „Lippstadt-Lipperbruch“ und „Lippstadt-Erwitte/Eickeloh“, landwirtschaftliche Kooperationen, ein qualitatives Monitoring des Rohwassers und des in den Wasserwerken aufbereiteten Trinkwassers.
Lippstadts Einwohnerzahl steigt im Gegensatz zu früheren Prognosen. Liegt hier ein Risiko für die Wasserwerker? „Da die geltenden Wassergewinnungsrechte derzeit nicht ausgeschöpft werden, ist die Wasserversorgung in Lippstadt auch bei wachsender Bevölkerungszahl sichergestellt“, stellt der zuständige Fachdienst der Stadtverwaltung klar.
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