01.12.2018

Impulsgeber und Vorreiter

Lippstadt.(-ger) Bei der Gründung war die Förderung noch auf Wissenschaft und Forschung begrenzt, seit 2004 unterstützt die 1999 ins Leben gerufene Dr.-Arnold-Hueck-Stiftung auch Projekte in Erziehung, Jugend und Altenhilfe. 2018 sind das allein 29. Von den insgesamt 630.000 Euro Fördergeldern in diesem Jahr gibt die zum 100. Geburtstag der Hella aus der Taufe gehobene Stiftung 288.000 Euro in den Sozialbereich. Über das Fördervolumen des nächsten Jahres entscheidet final ein siebenköpfiger Beirat, Vorstandsvorsitzender Wolfgang Roßbach geht aber von einer ähnlichen Größenordnung aus.

Die Hueck-Stiftung, die Mitglied des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft ist und auch durch sie verwaltet wird, beschränkt ihre Fördertätigkeit auf den Wirtschaftsraum Lippstadt. Die Stifterin, die Hella KGaA Hueck & Co., hatte das Stiftungsvermögen ursprünglich mit 2,5 Mio. Euro ausgestattet, nach der Ausweitung der Förderschwerpunkte auf soziale Vorhaben verdoppelte sie jedoch den Kapitalstock. Die vergleichsweise hohe Rendite resultiert, lässt Roßbach im Gespräch mit seinen weiteren Vorstandsmitgliedern durchblicken, aus einem besonderen „Genussscheinausschüttungsverfahren“ der Stifterin. Doch nicht nur. Auch „nicht unerhebliche Spenden“ stützen den Ertrag. Die Stiftungsmittel werden deshalb jährlich kalkuliert. Das ist auch der Grund, warum die Fördermittel an die Projektträger ausnahmslos nur jährlich bewilligt werden können. Was wiederum nicht bedeutet, dass es keine Verlängerung gibt. „Unser Bestreben ist es, bedarfsgerecht, nachhaltig und zukunftsorientiert die Fördermittel einzusetzen“, betont der Sprecher des Vorstandes, der mit Ausnahme des Geschäftsführers Jörg van der Horst ehrenamtlich agiert.

Die Stiftung versteht sich als Impulsgeber, der eine Anschubfinanzierung gewährt, bis der Träger kurz- bis mittelfristig eine Finanzierung sicherstellen kann. Mitunter werden solche Vorhaben später von einer staatlichen Institution übernommen, weil die gesellschaftliche Notwendigkeit erkannt wird. Die Vorstandsrunde nennt zwei Beispiele: Die mobile Beratungsstelle für Familien mit Kleinkindern und das Büro für bürgerschaftliches Engagement bei der Stadt Lippstadt sind mit Stiftungsgeldern angeschoben worden. Heute werden ausschließlich kommunale Gelder eingesetzt. „Die beiden Projekte sind inzwischen in vielen Städten des Landes eingeführt worden“, ist Roßbach auch ein bisschen stolz auf diese Initiative. Es sind die nach wie vor erstklassigen Kontakte, die der frühere Amtsleiter und Fachbereichsleiter im Stadthaus dafür nutzt. Nicht nur der Sozialexperte kann lange gewachsene Kontakte in die Waagschale werfen, wenn es um Ideen, Vorschläge und Finessen geht. Denn auch die Vorstandskollegen Franz-Ulrich Lücke als vormaliger Rechts- und Kulturdezernent der Stadt und Heinz Müting als früherer Chef des Berufskollegs der Marienschule sind bestens vernetzt.

Generell fördert die Stiftung mit Sitz im Hella Forum an der Esbecker Straße keine Projekte, für die es eine staatliche Unterstützung gibt. Hilfe leistet die Stiftung hingegen, wenn sie ergänzend tätig sein kann und der Projektträger einen Eigenanteil einbringt. Dort ist es gerade das ehrenamtliche Engagement, das die Vorhaben trägt und nach vorne bringt, unterstreicht Claudia Owen, die auch Aufsichtsrätin im Hella-Konzern ist.

Welche Bandbreite die Stiftung mit ihren Förderungen allein in diesem Jahr abdeckt, macht der bunte Strauß deutlich, den Vorstandssprecher Roßbach bereithält. Angefangen bei den Einzelfallhilfen. Im Zweifel binnen einer Stunde, so Owen, ist die Entscheidung über die Hilfe für in Not geratene Familien, Alleinstehende, Kinder, Jugendliche oder Senioren getroffen. Herbe Schicksale gibt es immer wieder. Dann springt die Stiftung ein für Lebensmittel, Kleidung, Kindermöbel, Fahrtkosten oder auch dringend benötigte medizinische Hilfsmittel. In diesem Jahr erreichten die Einzelfallhilfen 300 Menschen. 40.000 Euro stellte die Hueck-Stiftung dafür bereit. Schon seit einigen Jahren wird ein Projekt des Caritasverbandes für Kinder aus schwierigen Scheidungsfamilien unterstützt. Die Stiftung gewährt der Erziehungsberatungsstelle dafür einen Personalzuschuss von jährlich 16.800 Euro. Ein weiteres Beispiel für die ergänzende Förderung ist die Unterstützung der drei in Lippstadt tätigen Schwangerschaftsberatungsstellen von AWO, „donum vitae“ und Sozialdienst katholischer Frauen. Jede Beratungsstelle erhält 4.800 Euro. Damit kann Familien oder Alleinerziehenden in unsicheren Lebenssituationen über die Mittel der Bundesstiftung und den Geldern des Kreises hinaus geholfen werden. Auch der Verein KIA in der Cappelstraße profitiert. Mit 13.000 Euro werden die vielfältigen Aufgaben des Vereins unterstützt. Mit 2.500 Euro wird die Unterhaltung der Räume des Vereins „Mit uns durchs Leben – Gemeinsam statt einsam“ gefördert. Zehn Senioreneinrichtungen erhalten in dem Projekt „Neue Perspektiven – Begleitung im Alter“ in unterschiedlicher Höhe Zuschüsse für die ehrenamtlich tätigen Helfer, etwa bei der Durchführung von Ausflügen, Sing- und Gesprächskreisen mit den Bewohnern oder Fahrten zu Gottesdiensten. Das Projekt in Zusammenarbeit mit der Stadt wird mit 13.000 Euro bezuschusst. Die aufsuchende Familienbildung im Bereich Ernährung und Hauswirtschaft mit dem Ziel der familienunterstützenden Hilfe ist der Stiftung ebenfalls eine Förderung wert. Hier fließen 18.000 Euro ein. Auch die personelle Begleitung verhaltensauffälliger Kinder ist Thema. Flankierend zum Einsatz der Stadt kommen 5.200 Euro von der Stiftung. Bei der Diakonie Hellweg läuft das Projekt „Begleitung von Familien mit Kindern in schwierigen Lebensverhältnissen“. Die Hueck-Stiftung ist hier mit 10.000 Euro im Boot. Für den Kinder- und Familientag im Grünen Winkel macht die Stiftung 5.000 Euro locker. Integrationsarbeit steht weit oben auf der Projektliste. Maßnahmen von der Stadt werden mit 28.000 Euro gefördert. Außerdem erhielt die Arbeiterwohlfahrt erhielt für die Integrationsmaßnahme „Unterstützung und Begleitung von Personen mit Migrationshintergrund zur Stärkung von Erziehungs- und Handlungskompetenzen“ 30.000 Euro.

Die Stiftung ist auch für die da, die auf der untersten Sprosse der Sozialstruktur angekommen sind. So reservierte die Stiftung für die Obdachlosenarbeit des SKM rund 5.000 Euro für die Finanzierung eines Genesungszimmers und eines monatlichen Wohnungslosenfrühstücks. Im Dezember des letzten Jahres kamen 3.700 Euro für winterfeste Schlafsäcke und 7.700 Euro für die Beratung wohnungsloser Menschen hinzu. In Kooperation mit der Stadt und der Karl-Bröcker-Stiftung wird seit 2013 das Patenprojekt für Kinder psychisch kranker Eltern gefördert, in diesem Jahr flossen dafür 14.000 Euro.“ Wenn es möglich ist, arbeiten wir gern mit anderen Stiftungen zusammen“, erklärt Vorstandsvorsitzender Wolfgang Roßbach. Der Sozialdienst katholischer Frauen ist in diesem Jahr mit 26.000 Euro gefördert worden. Begünstigt wurden das Ehrenamtsprojekt „Lippstädter Familienbegleiterinnen“, der „Treff für Alleinerziehende“, eine Ferienfreizeit für Alleinerziehende mit ihren Kindern und eine Freizeit von Pflegefamilien mit (chronisch) kranken, behinderten oder stark beeinträchtigten Pflegekindern sowie ein Gruppenangebot für Jugendliche. „Die Stiftungsarbeit ist für uns unabdingbar mit dem bürgerschaftlichen Engagement verknüpft. Ohne bürgerschaftliches Engagement lässt sich ein Großteil der Förderprojekte nicht umsetzen“, bekräftigt Wolfgang Roßbach. Für die Ehrenamtlichen, fügt Franz-Ulrich Lücke hinzu, ist die finanzielle Unterstützung durch die Stiftung auch eine Wertschätzung. „Das kann viel bewirken.“

Die Hospizvereinigung im Kreis Soest hat das stationäre Soester Hospiz auch mit Mitteln der Lippstädter Stiftung realisiert. 25.000 Euro wurden dafür bereitgestellt. Von der Eröffnung Mitte des Jahres bis Ende Oktober konnten 15 Menschen aus Lippstadt und Umgebung aufgenommen werden, insgesamt waren es 41 Personen. Im kommenden Jahr möchte der Vorstand versuchen, ein Angehörigenzimmer für bedürftige Menschen zu sponsern. Das Patenprojekt wird beispielsweise ebenso wie das Obdachlosenprojekt, die Einzelfallhilfe oder die Erziehungsberatung im nächsten Jahr fortgesetzt, ist sich Roßbach da ganz sicher. Der Beirat verabschiedet die neue Liste Ende Februar. Über mangelndes Interesse muss sich Geschäftsführer Jörg van der Horst keine Gedanken machen. Bis jetzt sind schon über 90 Projekte eingegangen.

Nicht nur die Begünstigten freuen sich über die Zuwendung. Auch in der Politik wird das Stiftungsgeschehen mit größter Zufriedenheit verfolgt. „Die Stiftung hat vieles angestoßen. Ohne sie würden wir viele Dinge nicht machen“, stellt der Vorsitzende des Ausschusses für Jugend und Soziales, Hans Zaremba, fest. „Wir halten die Stiftung für absolut wichtig. Dabei ist es ein glücklicher Umstand, dass der frühere Sozialamtsleiter heute Vorsitzender der Stiftung ist.“
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